Von Valentin Kressler und Sylvia Scalabrino

In Baselland haben sich die Gegner einer Kantonsfusion von Stadt und Land längst formiert. Bereits im November 2012 wurde das Komitee «Pro Baselbiet» um SVP-Präsident Oskar Kämpfer gegründet. Anders in Basel-Stadt: Mit SVP-Stratege Joël Thüring outete sich der erste Fusions-Gegner erst im Februar 2014. Die Nachteile einer Fusion würden auch im Stadtkanton überwiegen, sagte er in der «Basler Zeitung». Im Grossen Rat fand Thüring kaum Gefolgsleute. Mit 63 zu 15 Stimmen (bei neun Enthaltungen) hiess das Parlament am Mittwoch den Gegenvorschlag zur Fusions-Initiative gut.

Gar keine Gefolgsleute finden Thüring und sein Fraktionskollege Andreas Ungricht im Hinblick auf die Volksabstimmung am kommenden 28. September. Ein breites überparteiliches Komitee wird es gemäss Recherchen nicht geben. «Ich weiss bis jetzt von niemandem, der den Mut hat, sich uns anzuschliessen», sagt Thüring.

Mehrere Grossräte, die gegen den Gegenvorschlag stimmten oder sich enthielten, wollen nicht mit Thüring zusammenspannen. Auch wenn sie das Baselbiet hinter vorgehaltener Hand als «wahnsinnig langsam» und sogar als «Griechenland der Schweiz» abqualifizieren. Michael Wüthrich (Grüne) will sich aus Rücksicht auf die Partei nicht öffentlich exponieren. Die Grünen hatten die Fusions-Initiative 2011 lanciert. «Als einziger Grüner will ich nicht dagegen argumentieren», sagt er. Heidi Mück (Basta) sagt: «Es gibt andere Themen, die mir mehr am Herzen liegen.» Und Beatriz Greuter (SP): «Mein privates Umfeld interessiert sich überhaupt nicht für dieses Thema.» André Auderset (LDP), der am Mittwoch abwesend war, hat eine Erklärung für die Zurückhaltung: «Viele trauen sich nicht, offen zuzugeben, dass sie gegen eine Fusion sind, weil man als Basler weltmännisch sein möchte. Und so etwas abzulehnen, ist bünzlig.»

Für Thüring kommt erschwerend hinzu, dass die Basler SVP in der Fusions-Frage gespalten ist. Fünf Fraktionsmitglieder, darunter Präsident Sebastian Frehner, waren für den Gegenvorschlag. Die Partei wird sich deshalb finanziell kaum engagieren, auch wenn sie sich an ihrem Parteitag Mitte August gegen die Fusion aussprechen sollte.

Thüring lässt sich trotzdem nicht unterkriegen. Nach den Sommerferien, nur wenige Wochen vor der Abstimmung, wollen er und Kollege Ungricht zusammen mit weiteren Mitstreitern aus der SVP eine «kleine Kampagne» starten. Die geringe Unterstützung sieht Thüring nicht zwingend als Nachteil: «Die Berichterstattung in den Medien ist äusserst umfangreich. Die Leute wissen, um was es geht.» Und: «Der Match wird sowieso im Baselbiet entschieden.»

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