Die Candrians machten sich im Dezember 2007 ein besonderes Weihnachtsgeschenk. Dann wurde bekannt, dass die Zürcher ab 1. Juli 2008 als Pächter für das Basler Traditionslokal Kunsthalle verantwortlich zeichnen werden und damit die Ära des legendären Wirts Peter Wyss ein Ende findet. Die Freude über die Übernahme war gross beim Familienunternehmen: Juniorchef Patrick Candrian schwärmte, die Kunsthalle sei eine «wunderbare Location, etwas vom Speziellsten in der Schweiz».

Von dieser Freude dürfte heute, acht Jahre, Investitionen über nahezu zehn Millionen Franken und drei Gastgeberwechsel später, nicht mehr viel übrig sein. Die einst an Abenden brechend volle Kunsthalle-Bar ist seit mehreren Monaten geschlossen, die Campari-Bar hat seit März verkürzte Öffnungszeiten. Diese Änderungen wurden in aller Stille vollzogen; einzig ein Kolumnist der «Basler Zeitung» stellte wehmütig fest, dass er nun nicht mehr morgens den Espresso in der Campari-Bar trinken könne.

Echter Patron vermisst
Am Steinenberg 7 stimmen die Zahlen nicht. Haben sie seit der Übernahme noch nie: In der Basler Gastroszene ist es ein offenes Geheimnis, dass das Restaurant Kunsthalle seit 2008 keine schwarzen Zahlen schreibt. Von Verlusten ist die Rede, keinen hohen zwar, aber «angesichts der getätigten Investitionen sollte man die Kuh schon mal melken können», meint ein ehemaliger Angestellter. 2012 liess Candrian Catering das Restaurant sanft sanieren. Kostenpunkt: acht Millionen Franken. Durch die Auffrischung erhoffte man sich einen Anstieg bei den Gästezahlen. Das Gegenteil sei der Fall, sagt ein Stammgast. «Die Tische im weissen Teil bleiben zunehmend leer, mittags wie auch abends.» Es sei zwar erfreulich, dass mit Isabelle Vionnet im April einer jungen Frau die Chance gegeben wurde, als Gastgeberin zu wirken. «Sie gibt sich auch Mühe. Aber sie wirkt blass, unsicher auch. Ich wünsche mir einen Patron, eine Persönlichkeit à la Peter Wyss.» Zudem, so der Stammgast, sei eine gewisse Unsicherheit vonseiten des Personals spürbar.

Die Unruhe unter den Angestellten der «Kunsti» kommt nicht von Ungefähr. Zwischen Mai und August wurde das fünfköpfige Team der Campari-Bar entlassen und durch ein neues ersetzt. Im August erhielt zudem Etienne Schmitt die Kündigung. Er fungierte seit mehr als drei Jahren zusammen mit Abdel Trabelsi als Chef de Service. Vionnet habe ihm noch im April den Posten des stellvertretenden Geschäftsführers in Aussicht gestellt, sagt er. «Insofern kam die Kündigung sehr überraschend für mich.» Mehr will er dazu nicht sagen. Im Umfeld des Restaurants macht aber das Gerücht die Runde, Schmitt habe bei kürzlich vorgenommenen Änderungen der Speise- und Weinkarte gewisse Entscheide aus Zürich kritisiert. Etwa, dass Weine gestrichen wurden, die bei den Gästen beliebt sind. Ein Angestellter sagt dazu: «Viele Entscheide werden im fernen Zürich gefällt; unsere Anregungen werden meist nicht erhört. Dabei sind es ja wir, die direkten Gästekontakt haben.»

Kunstverein pocht auf Änderungen
Candrian Catering scheint ein Faible für überraschende Kündigungen zu haben. Vor drei Jahren wurde Gastgeber Christian Vultier Knall auf Fall entlassen. Die neuerlichen Entlassungen will Tina Candrian, Sprecherin der Gastrogruppe, nicht kommentieren. Sie betont lediglich, dass man das Team um Vionnet sehr schätze und die Kunsthalle-Bar «zur exklusiven Nutzung von Anlässen» zur Verfügung stehe.

Dass die Bar leer bleibt, wird bei der Besitzerin des Gebäudekomplexes am Steinenberg 7 nicht gerne gesehen. Martin Hatebur, Präsident des Basler Kunstvereins, sagt, es sei sehr schade, aber auch verständlich: «Aus wirtschaftlicher Sicht macht das Sinn; die Umsätze der Bar stimmten nicht mehr. Nun gilt es aber, sich darüber Gedanken zu machen, was verbessert werden könnte.» Der Umsatz des Restaurants sei zwar stabil, aber «noch schöner wäre es, wenn er steigen würde». Es würden derzeit entsprechende Gespräche zwischen dem Verein und den Candrians stattfinden, sagt Hatebur.

Der Kunstverein hat ein konkretes Interesse daran, dass die Umsätze verbessert werden. Candrian liefert jedes Jahr einen umsatzabhängigen Pachtzins ab, der sich jeweils um die 500 000 Franken bewegt. Damit wird der Kunstbetrieb massgeblich mitfinanziert: Das Budget des Vereins beträgt etwas mehr als zwei Millionen Franken.

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