Grosse Visionen hatten die neuen Betreiber des Basler Volkshauses beim Start vor vier Jahren. Sie kündigten im Traditionslokal an der Rebgasse neben der Gastronomie ein dichtes Veranstaltungsprogramm mit vielen Konzerten, ein Hotel, eine Architektur-Bibliothek und mehr an. Wegen dieses «überzeugenden Gesamtprojekts» erhielten die Zürcher Initianten um Leopold Weinberg und Adrian Hagenbach den Zuschlag der Basler Regierung für das Baurecht der staatlichen Liegenschaft.

Vor einem Jahr traten die Volkshaus-Manager erneut vor die Medien. Sie korrigierten ihre Strategie im Veranstaltungsbereich. Wegen des ausbleibenden finanziellen Erfolgs strichen sie die eigenen Veranstaltungen weitgehend. Gleichzeitig machten sie neue Ankündigungen: Die Zürcher Agentur Gadget werde künftig ein Dutzend Konzerte pro Jahr im Festsaal organisieren. Vorgestellt wurde zudem ein neuer Veranstaltungschef für das Volkshaus: Lawrence Pawelzik. Er werde die Anlässe koordinieren und die lokalen Partnerschaften pflegen. Weiter wurde ein neuer Termin für das Hotel angekündigt: 2015 sollen die Bauarbeiten abgeschlossen sein.

Nun werden auch diese Ankündigungen korrigiert. Kaum im Amt, wurde der neue Veranstaltungschef entlassen. «Die Kündigung kam für mich sehr überraschend», sagt Pawelzik, der sich nun als Event-Manager selbstständig machen möchte. Die bisher nicht kommunizierte Kündigung erfolgte bereits auf Ende 2014 und wurde gemäss Pawelzik «mit wirtschaftlichen Gründen» erklärt. Dabei seien die Eigenproduktionen im letzten Jahr mit einer Ausnahme rentabel gewesen. Pawelzik wird nicht ersetzt. Seine Aufgaben übernimmt Geschäftsführer Martin Reinshagen.

Die Agentur Gadget hat seit dem Start vor einem halben Jahr drei Konzerte im Volkshaus veranstaltet. Gadget-Booking-Chef Stefan Wyss räumt ein, dass er das Ziel noch nicht erreicht habe. Aber immerhin seien zwei der drei Konzerte ausverkauft gewesen. Er findet es generell schwierig, in Basel Konzerte zu organisieren: «Die meisten internationalen Acts haben nur einen Termin für die Schweiz zur Verfügung, und da liegt die Priorität klar auf Zürich.»

Thomas Dürr, CEO der Basler Veranstaltungsfirma Act Entertainment, erinnert: «Wir haben ja die meisten Shows im Volkshaus veranstaltet, schon lange bevor die neuen Betreiber nach Basel kamen. Zum Beispiel Patent Ochsner, Bligg, BJH, Seven oder Söhne Mannheims.» Seit diesem Jahr darf Act Entertainment keine Konzerte mehr im Volkshaus durchführen, da Gadget einen Exklusiv-Vertrag hat. Dürr kommentiert: «Das ist der Grund, warum sich dort derzeit auch kein etablierter Veranstalter bewegt; eine Fehlentscheidung des Managements, die kurzfristig nicht zu korrigieren ist.»

Keine guten Noten erhält das Volkshaus zudem von der Basler Regierung. Im aktualisierten «Masterplan Hallen», der am kommenden Mittwoch auf der Traktandenliste des Grossen Rates steht, kommentiert die Regierung die Auslastung der Volkshaus-Säle mit einem Wort: «ungenügend». Volkshaus-Chef Adrian Hagenbach reagiert irritiert: «Wir wissen nicht, wie die Regierung darauf kommt.» Er würde die Bezeichnung «zufriedenstellend bis gut» wählen. Es sei nicht einfach, im «riesigen» Festsaal eine gute Stimmung zu erzeugen: «Wenn sich einige Konzertbesucher im Foyer oder im Innenhof aufhalten, wirkt der Saal sofort halb leer.»

Die Regierung legt ein besonderes Augenmerk auf das Volkshaus-Programm, weil sie sich auch wegen des angekündigten Musikprogramms für das Projekt und gegen die Mitbewerber entschieden hat. Die Regierung glaubte, mit ihrem Zuschlag eine Petition erfüllen zu können, die einen zweiten Saal für mittelgrosse Popkonzerte neben der Kaserne gefordert hatte.

Hagenbach bittet um Geduld: «Wenn man etwas Neues wagen will, muss man mutig sein. Da kann man auch mal falsch liegen.» Das gilt nicht nur für das Veranstaltungsprogramm und die Idee einer Architektur-Bibliothek, der das Schweizer Architekturmuseum eine Absage erteilt hat. Das Baugesuch für ein Hotel in den beiden oberen Stockwerken des Kopfbaus ziehen die Volkshaus-Betreiber zurück. Die Installation von Boiler und Leitungen in die oberen Stockwerke hätte das Projekt teurer als erwartet werden lassen, sagt Hagenbach.

Andere Investoren würden die Hotelpläne nun aufgeben. Die Volkshaus-Manager entwickeln stattdessen eine neue Vision, eine grössere. Sie geben ein Hotelprojekt für das gesamte fünfstöckige Gebäude mit dreimal mehr Zimmern in Auftrag. Diesmal formuliert Hagenbach die Ankündigung allerdings vorsichtiger: «Ein Baubeginn in fünf Jahren ist denkbar.»

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