Die Basler Verkehrsbetriebe (BVB) stehen vor riesigen Investitionen. Bis 2019 sollen 118 Millionen Franken aufgewendet werden. Der grösste Teil entfällt auf die Gleiserneuerungen, die unter der alten Führungsriege vernachlässigt wurden. Dies ist zumindest die Lesart des BVB-Direktors Erich Lagler, der seit 2014 im Amt ist.

Der Sanierungsrückstand bei den Gleisen ist bekannt. Verschwiegen wurde bisher eine andere Baustelle. Michael Wüthrich, Präsident der grossrätlichen Umwelt-, Verkehrs und Energiekommission (Uvek) macht im jüngsten Bericht zum öV-Programm 2018–2021 auf den mangelhaften Zustand der Fahrleitungen aufmerksam. «Die neuen Flexity-Trams brauchen mehr Strom», schreibt er. «Die unzureichenden Fahrleitungen führen regelmässig zu Stromausfällen, die manchmal nur Sekunden, manchmal aber auch länger dauern.» Berichtet worden sei von Stromunterbrüchen von bis zu einer Minute, sagt Wüthrich auf Anfrage. Auf den BLT-Linien seien die Stromausfälle bisher wohl ausgeblieben, weil das Schienennetz weniger ausgelastet sei.

Schienennetz erst 2030 saniert
Gemäss Uvek-Bericht seien die Probleme erkannt worden. Der Leiter Infrastruktur habe betont, die betreffenden Stellen seien den BVB bekannt. Beim Nachhaken habe sich aber gezeigt, dass die BVB-Spitze nicht im Bild sei. «Ob und wo aufgrund der neuen, schwereren Fahrleitungen die Verankerungen an Häusern durch Masten ersetzt werden müssen, konnten die Vertreter der BVB nicht darlegen», schreibt Michael Wüthrich.

Dies hat den Grünen-Grossrat in seinem Verdacht bestärkt, dass die BVB die Infrastruktur auch zweieinhalb Jahre nach dem Führungswechsel nicht im Griff haben. Notfallsanierungen, die im vergangenen Jahr im Klybeck-Quartier durchgeführt werden mussten, seien ein eindeutiger Hinweis. Die Uvek beabsichtige nun, sich in den kommenden Jahren im Rahmen der Behandlung des öV-Globalbudgets über den Fortschritt der Erhaltungsmassnahmen informieren zu lassen. «Wir wollen ein jährliches Reporting über die Arbeiten an der Infrastruktur», sagt Wüthrich. «Es muss vermieden werden, dass die Arbeiten in den nächsten Jahren erneut verschleppt werden und dann wieder Notfallsanierungen vorgenommen werden müssen.» Dann nämlich könnten die BVB ihren Fahrauftrag nicht mehr wahrnehmen, warnt Wüthrich.

Die BVB bitten derweil um Geduld. Erst ab 2020 erfolge eine ruhigere Phase, kündigen sie an. Und in einem «nachhaltig guten Zustand» sei das Schienennetz wahrscheinlich erst im Jahr 2030, wie dem Uvek-Bericht zu entnehmen ist.

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