Der «Blick» titelte am Freitag: «Becher-Zoff im St. Jakob-Park!». Grund für die Aufregung ist der Entscheid des FC Basel, ab dem ersten Spiel im Jahr 2016 das Mehrweg-Geschirr der St. Galler Firma Cup & More einzuführen. Diese plane dank des «Mega-Deals» nun eine eigene Becherwaschanlage samt Lager in Basel-Stadt. Der lokale Konkurrent, die Münchensteiner Firma Cup Systems, zeigt sich enttäuscht. Geschäftsführer Lorenz Meier bezeichnet sein Unternehmen als «grössten Mehrweg-Systemanbieter der Schweiz». Die Konkurrentin ist aus seiner Sicht keine Schweizer Firma, weil sie ihr Geschirr im Franchising-System aus dem Ausland bezieht. Ihre Marktmacht hat sie dank Feldschlösschen ausgebaut: Mit der Brauerei ging die St. Galler Firma 2011 eine exklusive Zusammenarbeit ein. Feldschlösschen wiederum ist FCB-Sponsor. Meier vermutet, dass dies ausschlaggebend war für den Zuschlag. Gegenüber der «Schweiz am Sonntag» sagt er: «Die angebotene Dienstleistung sowie der Preis spielten bei der Entscheidung keine Rolle.»

Die Ostschweizer Firma dringt allerdings nicht nur wegen des FCB mit einer eigenen Anlage in den Basler Becher-Markt vor. Ausschlaggebend ist auch die Herbstmesse, die für die diesjährige Ausgabe ab dem 24. Oktober erstmals Mehrwegbecher einsetzt. Das Standortmarketing hat sich ebenfalls für den Anbieter aus St. Gallen entschieden – wegen des logistischen Services und des Preises.

Das Becher-Geschäft wird durch eine Änderung im Basler Umweltschutzgesetz angekurbelt, die seit Anfang Jahr für alle Veranstaltungen mit mehr als 500 Besuchern Mehrwegsysteme mit Pfand vorschreibt. Ausgenommen war bisher einzig die Fasnacht. Der Kanton gewährt nun aber auch der Herbstmesse Ausnahmen. So dürfen die Standbetreiber weiterhin Wegwerfgeschirr für Esswaren verwenden und müssen für PET-Flaschen kein Pfand verlangen.

Auf Ausnahmen hofft auch Em Bebbi sy Jazz. Wie andere Grossveranstaltungen profitierte der Anlass dieses Jahr von einer Gnadenfrist und führte nur auf dem Marktplatz und dem Rosshof ein Mehrwegsystem ein. Nun wollen die Organisatoren auch für 2016 einen Kompromiss aushandeln.

Einen Erfolg bei den Verhandlungen mit dem Umweltdepartement von Christoph Brutschin (SP) konnte neben der Herbstmesse bisher aber erst die Messe Schweiz erzielen. Sie setzte eine Spezialregelung durch, die ihr erlaubt, für PET-Flaschen sowie generell an geschlossenen Veranstaltungen kein Pfand erheben zu müssen. Die Baselworld darf zudem weiter Kaffee und Wasser in Wegwerfgeschirr abgeben. Auch die Take-away-Anbieter der Messe werden von der Mehrweg-Pflicht ausgenommen. Die Regierung plant nun eine Verordnung, welche die Messe-Spezialregelung ersetzen soll.

Das Basel Tattoo, das während der Vorbereitung des Gesetzes noch zu den lauten Kritikern zählte, hat inzwischen leise ein Mehrwegsystem eingeführt. In der Arena und der Tattoo-Street erhielten die Gäste diesen Sommer nur Mehrweg-Geschirr, und selbst für die PET-Flaschen mussten sie ein Pfand hinterlegen. Das Tattoo setzt auf die Münchensteiner Firma Cup Systems. Diese Woche gab das Militärmusikfestival allerdings bekannt, dass Feldschlösschen neuer Hauptsponsor und Getränkepartner wird. Cup-&-More-Chef Ernst Brunner macht sich Hoffnungen: «Mit dem Basel Tattoo sind wir im Gespräch.» Doch in dieser Arena siegen die Münchensteiner. Beim Tattoo heisst es auf Anfrage, dass sich ein Wechsel zu einem anderen Anbieter derzeit nicht aufdränge.

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