Der Wirtschaftskammer-Direktor Christoph Buser ist seit seinem Amtsantritt 2012 bemüht, das Image loszuwerden, welches der Lobby während Jahrzehnten anhaftete. Die Non-Profit-Organisation, wie sie sich selber bezeichnet, galt als höchst intransparent. Wohin die Wahlkampfhilfe unter Busers Vorgänger Hans Rudolf Gysin floss, wusste niemand. Buser hat zumindest teilweise Licht in die Zahlungsflüsse der Wirtschaftskammer gebracht. In einer Mitteilung gibt er bekannt, was der Wirtschaftsrat am Mittwoch beschlossen hat: Aus dem «Aktionsfonds der Baselbieter KMU» zahlt der Verband 60 000 Franken für den Wahlkampf der bürgerlichen Parteien CVP, FDP und SVP. Der Betrag werde in «die aktive Bestreitung von konkreten Wahlkampf-Massnahmen für die nationalen Wahlen» fliessen.

Busers Konkurrenten im Rennen um einen Sitz in Bundesbern reiben sich die Augen. Knapp 60 000 Franken liess sich 2011 alleine die Baselbieter CVP-Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter den Wahlkampf kosten. Der SP-Ständerat Claude Janiak hatte für seine letzte Kampagne 120 000 Franken zur Verfügung. Bereits an der SP-Delegiertenversammlung hatte er im Hinblick auf den Ständeratswahlkampf von seinem Kontrahenten Christoph Buser «volle Transparenz» verlangt. Die Forderung sei mit dieser Mitteilung aus dem Wirtschaftsrat «keineswegs» erfüllt, sagt Janiak auf Anfrage. Damit meint er unter anderem, dass die Meldung nichts darüber aussagt, wie viel für den Ständeratswahlkampf budgetiert ist und was Christoph Buser selber aufwendet.

Der Wirtschaftskammer-Direktor selbst ist der Meinung, er habe mit der Offenlegung des Geldes aus dem Aktionsfonds seine Schuldigkeit getan. «Die Wirtschaftskammer hat absolute Transparenz zu ihren Zahlungen an Wahl- und Abstimmungskämpfe hergestellt», sagt Verbandssprecher Daniel Schindler.

Mit den 60 000 Franken würden keine einzelnen Kandidierenden unterstützt, sondern in Absprache mit den Wahlkampfverantwortlichen der SVP, FDP und CVP «zielführende Kommunikationsmassnahmen» getroffen. Das weitere Fundraising sei Sache der Kandidierenden. Das Stimmvolk habe die Transparenz-Initiative abgelehnt, welche eine Offenlegung sämtlicher Spenden gefordert hatte. Auf Intransparenz-Vorwürfe reagiert man in der Wirtschaftskammer besonders gereizt. «Dass Janiak einen Wirtschaftsverband mit 10 000 Mitgliedern und dessen hart arbeitende Mitarbeitende wiederholt angreift und zu desavouieren versucht, indem er diffuse Intransparenz-Vorwürfe zum Besten gibt, ist unanständig», sagt Buser. Vielleicht sei dies Ausdruck von Janiaks Nervosität.

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