Regula Meschberger meint: «Es braucht eine fundamentale Neuausrichtung der Spitalpolitik in beiden Basel.» Die neue Baselbieter SP-Co-Präsidentin ist alarmiert aufgrund der schlechten Zahlen im Landkanton. Im vergangenen Jahr schlugen die Gesundheitskosten in der Kantonsrechnung mit vierzig Millionen mehr zu Buche als budgetiert. Und das Kantonsspital Baselland (KSBL) verzeichnete ein Defizit von knapp dreissig Millionen Franken.

Als Präsidentin der landrätlichen Volkswirtschafts- und Gesundheitskommission weiss Meschberger, dass die Gesundheitsdirektoren der beiden Basel derzeit über eine Neuausrichtung der regionalen Spitalpolitik und über die zukünftige Rolle der beiden staatlichen Spitäler beraten. Als Parlamentarierin sieht sie sich während dieser Verhandlungen die Hände gebunden. Sie wählt daher den Weg an die Öffentlichkeit, um ihre Idee zu lancieren: die eines gemeinsam geführten Kantonsspitals für die Grundversorgung beider Basel.

Meschberger möchte die Zusammenarbeit der beiden Kantone intensivieren, ohne die Gesundheitskosten in die Höhe zu treiben. «Bei einer Fusion der beiden Häuser in der jetzigen Form würde die universitäre Medizin die Tarife allgemein nach oben drücken», sagt Meschberger. Daher müsse die universitäre Medizin von der Grundversorgung getrennt werden. Mit einem gemeinsamen Spital für die Grundversorgung könne man sich auf die «positiven Effekte» einer grossen Spitalfusion konzentrieren, meint Meschberger. Gemeint sind in erster Linie die angestrebten höheren Fallzahlen in den einzelnen Disziplinen. «Dass Basel mit dem Bruderholz, Liestal und Laufen um die gleichen Patienten konkurrenziert, ist nicht sinnvoll», sagt Meschberger – insbesondere beim zunehmenden Druck der Privatspitäler. Bei einem gemeinsamen Grundversorgungs-Spital werde das Einzugsgebiet genügend gross, um aus den Spitalstandorten Liestal, Bruderholz und Basel Kompetenzzentren zu formen. Laufen, so Meschberger, könnte fortan als Ambulatorium geführt werden. Denkbar sei, dass dann orthopädische Eingriffe nur noch im Unispital stattfänden und die Reha beispielsweise aufs Bruderholz beschränkt würde. Bedenken, wonach das neue Spital zum Arbeitgeber für die zweitklassigen Mediziner wird, zerstreut Meschberger. «Die Grundversorgung wird schliesslich alles umfassen ausser der hoch spezialisierten Medizin.» Nur die komplexesten aller Eingriffe, etwa Organtransplantationen oder Behandlungen von schweren Verbrennungen, würden in einer separaten universitären Klinik geführt.

Mit den Ideen konfrontiert, spricht ein Basler Gesundheitsexperte von einer «an sich bestechenden Idee». Er begleitet die Verhandlungen zwischen den Gesundheitsdirektoren Engelberger und Weber und will den Vorschlag einer Mini-Fusion nicht in der Öffentlichkeit kommentieren. Einem gemeinsamen Spital für die Grundversorgung beider Basel attestiert er einen dritten entscheidenden Vorteil: «In der Region Basel gibt es eine grosse Überversorgung in gewissen Bereichen der Grundversorgung, etwa in der Orthopädie.» Allerdings sei der Vorschlag aus der Feder der SP-Präsidentin nicht ausgereift. Eine klare Grenze zwischen Grundversorgung und universitärer Medizin lasse sich nicht definieren. Beispiel Dickdarmoperationen: Diese könnten beispielsweise im Grundversorgerspital vorgenommen werden. Eingriffe im tieferen Beckenbereich wären allerdings der hoch spezialisierten Medizin zugeordnet. Welche Medizin gefragt ist, zeige sich oft erst in der Operationssituation.

Auch der Zürcher Gesundheitsökonom Willy Oggier hält die Idee für «interessant, aber kaum realisierbar». Einerseits begrüsst er das Bestreben, die Spitalstrukturen schlanker zu machen. «Es ist bemerkenswert, dass eine Sozialdemokratin den Vorschlag bringt, das Spital Laufen zu einem Ambulatorium umzufunktionieren.» Wenn schon würde Oggier noch weiter gehen und das Bruderholz in der jetzigen Form überhaupt infrage stellen: «Die Kapazitäten erlaubten es, auch aus dem Bruderholz-Spital ein Ambulatorium zu machen.»

Oggier zweifelt allerdings, dass sich mit Meschbergers Vorstoss die Gesundheitskosten senken liessen. «Verkleinert man die Uni-Klinik, dann steigen die Baserates eben hier – und zwar drastisch», sagt Oggier. Dessen ist sich Meschberger durchaus bewusst. Sie hält dagegen, dass die allermeisten Eingriffe im neuen Spital für die gemeinsame Grundversorgung durchgeführt würden. Und dieses sei bedeutend günstiger als das heutige Universitätsspital.

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