Die Konstellation ist heikel. Bei den Basler Regierungswahlen 2012 traten Baschi Dürr (FDP) und Lorenz Nägelin (SVP) gegeneinander an. Politisch standen sie damals auf derselben Ebene. Beide waren Grossräte. Beide wollten Regierungsrat werden. Nägelin blieb Grossrat und Fraktionspräsident der SVP. Dürr wurde Vorsteher des Sicherheitsdepartements – und damit zum Vorgesetzten von Nägelin, der seit 1999 als Sanitäter für das Departement arbeitet. Als eine seiner ersten Amtshandlungen verfasste Dürr einen Brief. «Sehr geehrter Herr Nägelin», begann er das Schreiben an seinen ehemaligen Politikerkollegen, mit dem er im Wahlkampf per Du war. Dürr stellte ihn frei und versetzte ihn bei gleichem Lohn vom Teamleiter der Sanität zum Leiter der Militär- und Zivilschutzstelle.

Dürr wollte mit der Massnahme die Basler Sanitäts-Affäre beenden, die unter seinem Vorgänger Hanspeter Gass (FDP) begonnen hatte. Die Sanität machte Schlagzeilen, weil sich Mitarbeiter über den Führungsstil beklagten. Dürr versetzte zuerst den Sanitätsleiter Hans Peter Altermatt als Hauptverantwortlichen und danach Nägelin. Erster akzeptierte dies, Letzterer wählte den Rechtsweg. Die Affäre wird in einer Woche vor dem Basler Verwaltungsgericht verhandelt. Bisher versuchten Dürr und Nägelin, ihre Auseinandersetzung diskret zu behandeln. Beide verzichteten auf ausführliche öffentliche Stellungnahmen. Nun werden Details bekannt.

Dürr nennt in seinem Brief drei Beispiele, die belegen sollen, dass Nägelin «vielfach Grund für erhebliche persönliche Dissonanzen in der Abteilung Sanität» darstelle und seine Loyalität Anlass zu Beanstandungen gäbe.

Erstens habe Nägelin seine Vorgesetzten und deren Entscheide wiederholt infrage gestellt und deren Argumente abgelehnt. Nägelin habe vor allem den Leiter Operationelles nicht akzeptiert – eine Stelle, auf die er sich selber beworben habe, wie Dürr anfügt.

Zweitens habe Nägelin die Angewohnheit, in Gremien und Arbeitsgruppen wiederholt auf getroffene, ihm nicht genehme Entscheidungen zurückzukommen. Wortreich und beharrlich würde er sein Unverständnis zum Ausdruck bringen und damit den Geschäftsgang hemmen.

Drittens habe sich Nägelin geweigert, die persönlichen Konflikte mit seinen Vorgesetzten in einem 6-Augen-Gespräch zu bereinigen.

Vor der ersten Instanz, der verwaltungsunabhängigen Personalrekurskommission, konnte Nägelin erstmals gegen Dürr punkten. Die Kommission wirft dem Sicherheitsdirektor vor, das Personalgesetz verletzt zu haben. Die Versetzung sei nicht wie in seinem Schreiben behauptet eine organisatorische gewesen, sondern eine disziplinarische Massnahme. Das ist juristisch relevant, weil andere Vorschriften gelten.

Die von Gabrielle Kremo präsidierte Kommission kritisiert zudem, dass die von Dürr genannten Gründe nicht konkret seien. Es würden keine Vorkommnisse geschildert, welche die Vorwürfe als nachvollziehbar erscheinen lassen würden. Es handle sich um «unsubstantiierte Parteibehauptungen». Unklar bleibe, inwiefern Nägelin eine Ursache des Konflikts gewesen sein soll und seine Versetzung zur Lösung beitragen könne.

Einen weiteren Widerspruch sieht die Kommission in der Kommunikation von Dürrs Departement gegenüber der Geschäftsprüfungskommission des Grossen Rats. Dort sagte Rettungskommandant Dominik Walliser aus, dass die Spannungen ausschliesslich auf Führungsmängel an der Spitze zurückzuführen seien. Die Rolle Nägelins thematisierte er nicht. Die Personalrekurskommission kritisiert, dass er Nägelin hätte erwähnen müssen, wenn das Departement nun behaupte, dass dieser mitschuldig sei und deshalb versetzt werden müsse.

Nägelin hat nicht nur vollumfänglich Recht erhalten. Dürrs Departement muss ihm zusätzlich 5000 Franken als Parteientschädigung bezahlen. Sein Arbeitsvertrag gilt weiterhin, und Nägelin hat Anspruch auf Lohnzahlungen. Vor dem Verwaltungsgericht in einer Woche geht es auch um viel Geld.

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