Die religiöse Sekte Scientology gibt sich gerne offen und transparent. Geht es um konkrete Pläne wie etwa den Bau einer «Idealen Organisation» (Ideal Org) in Basel, informiert sie nur ungern. Recherchen der «Schweiz am Sonntag» ergaben 2011, dass die beiden Scientologen Patrick Schnidrig und Heinrich Renggli an der Burgfelderstrasse in Basel ein 4000 Quadratmeter grosses Areal übernommen haben und darauf ein Bürogebäude zu einer Ideal Org umwandeln wollen. Ein Augenschein zeigt, dass Arbeiter derzeit mit der Inneneinrichtung der Ideal Org beschäftigt sind. Scientology-Möbel werden direkt aus dem Ausland angeliefert und installiert. Scientology-Sprecher Rolf Moll macht um den Tag der Eröffnung allerdings ein Geheimnis: «Ein bestimmtes Datum steht noch nicht fest.»

Das Basler Tiefbauamt bestätigt jedoch auf Anfrage: Moll hat ein Gesuch eingereicht, um am 28. Februar für die «Eröffnung der Scientology-Kirche» den öffentlichen Grund vor dem Gebäude zu nutzen. Morgens um 7 Uhr sollen die Aufbauarbeiten beginnen. Um 13.30 Uhr startet das Fest und dauert bis 16.00 Uhr. Spätestens um 22 Uhr muss alles wieder abgebaut sein. Der Anlass ist noch nicht bewilligt, aber «auf gutem Weg», sagt André Frauchiger, Sprecher des Tiefbauamts. Scientology-Schweiz-Sprecher Jürg Stettler sagt, auf das konkrete Datum angesprochen, dies sei «reine Spekulation».

Für Scientology wird der Tag zu einem Grossereignis: 1000 bis 1500 Personen erwartet Moll am Eröffnungsfest. Da es weltweit nur 39 Ideal Orgs gibt, zehn davon in Europa, ist die Eröffnung in Basel, ein Jahr nach dem 40-Jahr-Jubiläum der Sekte, ein bedeutender Anlass. Zu solchen Eröffnungen erscheint auch jeweils der aktuelle Scientology-Führer David Miscavige. Seine Teilnahme in Basel will Moll nicht bestätigen.

Scientology scheint allerdings Mühe zu haben, genügend Mitglieder zu mobilisieren, um ihre Ziele zu erreichen. Von den rund 150 Stellen, die in der Basler Ideal Org entstehen sollen, sind kurz vor der Eröffnung längst nicht alle besetzt, sagt Stettler. Die Scientologen sollen den Kirchenbetrieb täglich zwischen 9.30 und 22 Uhr aufrechterhalten und «geistige Beratungen» anbieten. Deshalb veranstaltete Scientology gestern Samstag in Zofingen eine Veranstaltung, an der sie Mitarbeiter suchte und dazu aufrief, nach Basel zur Eröffnung zu kommen. In den Stadtsaal kamen nach Beobachtungen eines Journalisten Personen aus der ganzen Schweiz sowie aus Süddeutschland. Scientology sagt, sie habe in der Schweiz 5000 Mitglieder.

Ebenfalls mobiliseren wollen Anwohner aus dem Basler Iselin-Quartier, die über ihren neuen Nachbarn gar nicht erfreut sind. Die Quartierbewohner müssen befürchten, dass mit dem Neubau eines Wohn- und Geschäftshauses für 9,7 Millionen Franken in unmittelbarer Nachbarschaft des neuen Tempels der Campus der Scientologen noch erweitert wird. Ein entsprechendes Baubegehren wurde Mitte Januar von der Burgfelder Immobilien AG eingereicht. Sie gehört dem Präsidenten der Basler Scientologen, Patrick Schnidrig. Stettler sagt dazu: «Scientology hat überhaupt nichts mit der Burgfelder Immobilien und deren Plänen zu tun.»

Gegen die Eröffnung der Ideal Org planten Anwohner bisher eine Protestveranstaltung am 7. März, weil sie dann mit der Eröffnung rechneten. Einer von ihnen tat seinen Unmut bereits mit einem Ei kund, das er an die Fassade der Scientology-Kirche warf.

Rolf Moll hat auch hier eine andere Wahrnehmung: «Wir stossen im Quartier auf Interesse an Dialog und gegenseitigem Respekt.»

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