So sicher es ist, dass morgen um vier Uhr die Lichter der Basler Innenstadt ausgehen, so sicher ist auch, dass ein paar Schaufenster, Eingänge und Reklamen leuchten werden. Lichtsünder ziehen jedes Jahr den Ärger der aktiven Fasnächtler und der Besucher des Morgestraichs auf sich. Dabei handelt es sich keineswegs nur um internationale Konzerne wie Swarovski, die nicht über den Fasnachtsbrauch im Bilde sind. Im vergangenen Jahr kam es bei der Swisscom, der Migros und beim Hotel Les Trois Rois zu Lichtpannen. Trotz entsprechender Polizeivorschrift (keine Beleuchtungen zwischen 3.30 und 6.30 Uhr) musste jedoch keiner eine Busse zahlen; laut Andreas Knuchel, Sprecher der Polizei Basel-Stadt, sei es bis dato überhaupt noch nie dazu gekommen.

Die Swisscom weist in einer ersten Reaktion die Verantwortung von sich. Dabei ist der Telekomkonzern Wiederholungstäter: Nicht nur 2015, sondern auch 2014 brannte im Laden an der Freie Strasse 12, der zum Postgebäude an der Rüdengasse gehört, das Licht. Sprecher Armin Schädeli sagt: «Der Shopleiter hat alle Vorkehrungen im Laden prozessmässig erledigt, nur wurde beim zentralen Sicherungskasten nicht der entsprechende Stecker gezogen.» Weshalb das zwei aufeinanderfolgende Jahre nicht klappte, lässt er unbeantwortet, sagt aber, dass die Verantwortung für den Zentralschalter bei der Post liege. Diese wiederum verweist auf die Verwalterin des Gebäudes, die Wincasa, und diese gibt den Ball zurück an die Swisscom.

Die Migros zeigt sich einsichtiger. Sprecher Dieter Wullschleger sagt: «Das hätte nicht passieren dürfen.» Konkret brannte am Morgestraich 2015 das Licht bei beiden Eingängen des Claramarkts. Wullschleger erklärt, dass bauliche Eingriffe zu veränderten Verknüpfungen der Stromleitungen und letztlich zur Panne geführt hätten. Beim Eingang Greifengasse sei die Migros zudem bloss Mieterin und nicht Eigentümerin, «hier konnte unser Techniker nichts tun». Damit es nicht wieder zur Panne kommt, hat die Migros vorgesorgt: «In diesem Jahr wird abgedeckt, was technisch nicht lösbar ist», sagtWullschleger.

Caroline Jenny, Sprecherin des Les Trois Rois, ist der Zwischenfall vom vergangenen Jahr immer noch hörbar peinlich. «Das gab es noch nie in der Geschichte des Hotels», sagt sie. Eine technische Panne habe dazu geführt, dass um 5.30 Uhr die Bodenbeleuchtung vor dem Hotel brannte und die Fassade hell erleuchtet war. Wo es geklemmt hat, sagt sie nicht. «Wir haben alle Vorkehrungen getroffen, dass es nicht wieder vorkommt.»

Bei den Industriellen Werken Basel (IWB) wird derweil nichts dem Zufall überlassen. Die IWB sind verantwortlich dafür, dass um vier Uhr jegliche öffentliche Beleuchtung in der Stadtmitte erlischt – 1750 Lampen sind das. In den vergangenen zwei Wochen wurde tagsüber mehrere Male geprobt, ob das Licht auch wirklich ausgeht, wenn der kleine Hauptschalter gedreht wird, der sich an einem geheimen Ort irgendwo unter der Stadt befindet und mit «Morgestraich-Schalter» angeschrieben ist. IWB-Sprecher Erik Rummer sagt: «Wir haben alle notwendigen Schaltungen vorgenommen und sind auch dieses Jahr bereit.»

Der «Morgestraich-Schalter» besteht erst seit 1986. Davor musste die öffentliche Beleuchtung an drei verschiedenen Stellen abgeschaltet werden. Damit das pünktlich auf die Sekunde passierte, kommunizierten die IWB-Mitarbeiter per Funk miteinander. Das wurde den IWB zu riskant.

Nach mehrmaligem nachfragen der «Schweiz am Sonntag» begannen auch die Swisscom, Post und Wincasa miteinander zu kommunizieren. Armin Schädeli sagt, dass es am Morgestraich 2016 zu keiner Lichtpanne im Shop an der Freie Strasse mehr kommen werde. Swisscom stehe nach Abklärungen doch in der Verantwortung – und nicht die Post. Es habe nun einen Austausch mit der Vermieterin gegeben. «In diesem Jahr wird die Beleuchtung am Montag um 1 Uhr abgeschaltet.» Zudem sei «erfolgreich» überprüft worden, dass dies auch tatsächlich funktioniere. «Der Shopleiter hat jetzt auch Zugang erhalten zum Hauptkasten, der für ihn sonst nicht zugänglich ist.»

Falls es bei der Swisscom trotzdem zum dritten Mal in Folge zum Malheur kommen sollte, wäre eine Busse angezeigt, sagt ein Aktiver. «Die Polizei könnte ein Exempel statuieren.» Polizeisprecher Knuchel sagt dazu: «Konkrete Fälle beurteilt die Polizei dann, wenn es dazu kommen sollte.» Er fügt an, dass eine Busse nicht verhindere, dass am nächsten Morgestraich in einem anderen Lokal oder Geschäft ein Fehler passiere. «Selbstverständlich schliesst das nicht aus, dass man irgendwann in einem konkreten Fall zu einer Verzeigung schreiten müsste.»

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