Träumen Sie von einer Brustverschönerung oder einer jugendlicheren Silhouette? – Mit diesem Satz wirbt die Firma Acredis Basel AG auf ihrer Website für ihre Dienstleistungen. Es handelt sich um einen neuen Ableger der Zürcher Acredis-Gruppe, die sich als «grösste Gruppe führender Spezialzentren für Ästhetische Chirurgie» anpreist und gemäss eigenen Angaben jährlich über 20 000 Schönheitsoperationen an zwanzig Standorten in Deutschland und der Schweiz durchführt.

Nun steht die Expansion in Basel bevor. An der Treppe zwischen Barfüsserplatz und Kohlenberg-Gymnasium eröffnet die Firma eine Praxis mit zwei deutschen Chirurgen. Im einst als Schule genutzten Gebäude am Kohlenberg 13 richtet sie einen Operationssaal und drei Behandlungsräume ein. Die auf 400 000 Franken veranschlagten Umbauarbeiten sollen bereits im Oktober beginnen.

Die Firma Acredis wirbt im Internet für ihre Dienstleistungen, warnt aber gleichzeitig davor, sich den Schönheitschirurgen im Internet zu suchen. Die Angebote würden einem «Dschungel» gleichen, in dem die Patienten die Orientierung verlören, schreibt Acredis. Unseriöse Ärzte seien ein «ernst zu nehmendes Problem», da sich jeder Arzt als Schönheitschirurg bezeichnen könne.

Die Qualität sei nicht überprüfbar und die Platzierung auf Ärzteportalen «in den allermeisten Fällen» erkauft, kritisiert Acredis. Die Firma nimmt für sich in Anspruch, Licht in den Dschungel zu bringen. Der Name ist Programm: Acredis empfiehlt, nur die eigenen «akkreditierten» Ärzte zu wählen. Doch die Firma, die zwischen seriösen und unseriösen Chirurgen unterscheidet, hat in Fachkreisen selber einen unseriösen Ruf.

Der Berufsverband, die Schweizerische Gesellschaft für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie, wirft Acredis vor, die Standesregeln zu verletzen. Der Verband vertritt mit 150 Chirurgen nach eigenen Angaben 95 Prozent der plastischen Chirurgen der Schweiz. Geschäftsleiterin Catherine Perrin kritisiert: «Es ist verboten, dass eine Firma einen Arzt empfiehlt und damit Geld verdient.» Sie spricht von einem «undurchsichtigen System von Geldflüssen» zwischen Acredis und den Ärzten. Perrin stellt «unlauteren Wettbewerb» fest: «Wir beanstanden, dass die Patienten irregeführt werden.» Juristisch könne man aber nichts machen, sagt sie. Die Zürcher Staatsanwaltschaft stellte ein entsprechendes Verfahren ein. Acredis nimmt auf Anfrage keine Stellung.

Mit der Expansion stösst Acredis in Basel auf einen Schönheitsmarkt im Umbruch. Vor einem Jahr eröffnete die Arlesheimerin Patrizia Schlatter im Beisein diverser FCB-Stars das Beauty-Center «In the white room» bei der Markthalle. Bereits ein halbes Jahr später eröffnete das Zivilgericht den Konkurs über die Aktiengesellschaft. Doch der Salon bleibt geöffnet, Schlatter führt ihn mit einer GmbH weiter. Auf Anfrage gibt sie keine Auskunft. Bisher ist es ihr nicht gelungen, die Schönheitschirurgie zu etablieren. Nicht nur für die Patienten ist es schwierig, sich im Schönheits-Dschungel zurecht zu finden, auch für die Anbieter.

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