Das rot-grüne Komitee der Bodeninitiative gibt sich im Abstimmungskampf rot-blau. Es wirbt auf den Plakaten nicht nur mit einem Mädchen im rot-blauen Dress, sondern in der Abstimmungszeitung auch mit dem Fussballstadion. Dieses wird als «Erfolgsmodell» bezeichnet. Die Initianten schreiben: «Der St. Jakob-Park ist auf Land vom Kanton im Baurecht erstellt. Der FCB profitiert davon, dass die Baurechtszinsen günstig sind und der Verein sein Geld in Spieler anstatt in teuren Boden investieren kann.»

Die Entstehungsgeschichte des St. Jakob-Parks zeigt, dass das «Erfolgsmodell» wenig mit der Abstimmung vom 28. Februar zu tun hat. Die Initiative fordert, dass der Kanton für jeden Quadratmeter Boden, den er verkauft, gleichwertigen Ersatz beschaffen muss. Damit soll der Kanton langfristig die Kontrolle über sein Land behalten. Private können es im Baurecht übernehmen: Sie werden Eigentümer der Immobilien und zahlen einen Zins für den Boden. Das sei eine sichere Einnahmequelle, die Geld in die Staatskasse spüle, werben die Initianten.

Bei der Finanzierung des Fussballstadions standen andere Überlegungen im Vordergrund. Es ging dem Kanton weder darum, die Kontrolle über das wertvolle Landstück zu behalten, noch wollte er Einnahmen generieren. Die Regierung suchte einen Weg, den Fussball diskret zu subventionieren. Vor der WM 1954 baute die Stadion-Genossenschaft St. Jakob das erste Joggeli ohne Staatsbeiträge. Dafür verschenkte der Kanton sein Land, indem er es im Baurecht für einen symbolischen Zins abgab. Dessen Höhe wird heute als Geheimnis gehütet. Beim Bau des neuen Stadions im Jahr 2001 hiess es, dass der für das erste Joggeli ausgehandelte Baurechtszins unverändert weitergeführt werde: Es handle sich um läppische 6500 Franken pro Jahr für das gesamte Areal. In der Grossratsdebatte von 2004 bezeichnete ein Parlamentarier das Stadion deshalb als «grösste Einzimmerwohnung von Basel».

Die Aussage des Komitees, der FCB profitiere vom günstigen Preis, stimmt zudem nicht. Er zahlt der Genossenschaft eine übliche Miete pro Match und Zuschauer. Gemäss Angaben des «Tages-Anzeigers» sind es 75 000 Franken für ein ausverkauftes Spiel.

Markus Lehmann, Präsident der Stadion-Genossenschaft, sagt zur Argumentation des Boden-Komitees: «Das Management des Clubs und die sportlichen Erfolge des FCB in Zusammenhang mit dem Baurechtszins zu bringen, ist sehr weit hergeholt und dient wohl einzig dem durchsichtigen Zweck, von der Popularität des FC Basel politischen Profit zu schlagen.» FCB-Sprecherin Andrea Roth gibt sich diplomatisch: «Sollten wir feststellen, dass durch eine Abstimmungskampagne geschützte Rechte des FCB verletzt werden, würden wir direkt mit den Initianten das Gespräch suchen und nicht via Medien eine Diskussion führen.»

Die bürgerlichen Gegner der Bodeninitiative nutzen den argumentativen Fehlpass des rot-grünen Komitees genüsslich aus. Gewerbeverbandsdirektor Gabriel Barell: «Die Initianten versuchen, das Fehlen von Argumenten mit Emotionen zu kompensieren. Dass sie dazu den FCB instrumentalisieren, ist stil- und hilflos zugleich.» Gemäss Conradin Cramer (LDP) bestreite niemand, dass Baurecht sinnvoll sei, einfach nicht immer. Absurd sei, dass das linke Komitee dafür werbe, dass die private FC Basel 1893 AG dank der Baurechtszinsen «in Spieler investieren» könne, also «die vom Markt diktierten exorbitanten Löhne» zahlen könne. Cramer: «Wenn man das Argument verkürzt: mehr staatlichen Boden unter Wert abgeben, damit Private Toplöhne zahlen können.»

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