Noch ist der Rhein erst knapp neun Grad warm. Die Industrie darf das Flusswasser deshalb derzeit zur Kühlung von Produktionsanlagen und Bürogebäuden verwenden. Im Sommer wird dies heikel. Ab einer Flusstemperatur von 25 Grad ist es verboten, den Rhein zu erwärmen. Zweimal hat die Regierung Roche und Novartis sowie dem Unispital bereits Ausnahmebewilligungen erteilt, obwohl sie gemäss eidgenössischer Gewässerschutzverordnung gar nicht dazu befugt ist. Die Regierung versuchte auch, Druck auf die Pharmaindustrie auszuüben. Doch Roche bestritt anfangs sogar, die Grenzwerte verletzt zu haben.

Inzwischen hat der Konzern eingelenkt. Roche plant nun, auf dem Dach von Bau 35, in dem die grösste Kältezentrale untergebracht ist, sechs Kühltürme zu installieren. Die Zentrale versorgt das gesamte Roche-Areal mit Kühlwasser, auch die neuen Roche-Hochhäuser. Mit einer maximalen Kühlleistung von 14,5 Megawatt soll die Anlage, die nur an kritischen Sommertagen eingeschaltet wird, die Abwärme reduzieren. Für den Bau der sechs Kühltürme budgetiert Roche Investitionen von 1,05 Millionen Franken.

Bereits diesen Sommer soll die Kühlanlage den Betrieb aufnehmen. Die Bauarbeiten sind auf Mai angesetzt und von Juni bis Juli sollen die Kühltürme installiert werden, um im August mit der Kühlung starten zu können. Doch selbst mit den sechs Kühltürmen kann Roche nicht garantieren, die Grenzwerte künftig einzuhalten. Roche-Sprecher Karsten Kleine wählt eine vorsichtige Formulierung: «Der Bau der neuen Kühltürme ist ein bedeutender Schritt von Roche in Richtung des Zieles, bei einer Flusstemperatur von über 25 Grad kein wärmeres Wasser mehr in den Rhein zu leiten.»

Ein anderes Projekt zur Erreichung dieses Zieles hat Verzögerung. Eigentlich wollte Roche Ende 2014 auf der Erlenmatt vier neue Grundwasser-Brunnen mit Leitungen zum Roche-Areal erstellen. Sprecher Kleine sagt, dass die Grundwasserbrunnen noch nicht in Betrieb genommen seien: «Das Projekt befindet sich aktuell noch in der Planung.» Mehr sagt er dazu nicht.

Die Regierung wählt derweil einen anderen Weg, um das Problem der Grenzwert-Überschreitungen zu lösen. Sie will die Überschreitungen legalisieren. In der aktuellen Vernehmlassung zu einer Änderung der nationalen Gewässerschutzverordnung stellt sie einen Zusatzantrag: Sie bittet den Bundesrat, den Behörden die Kompetenz zu erteilen, im Sommer «kurzfristige, geringfügige Überschreitungen» zuzulassen. Die Basler Grünen-Co-Präsidentin Mirjam Ballmer kritisiert den Vorschlag der Regierung. Bereits die heutige Limite sei aus ökologischer Sicht sehr hoch, da 25 Grad für die einheimische und bedrohte Art der Aeschen die Sterbetemperatur sei. Zwar könne man einwenden, dass kaum mehr kälteliebende Fischarten im Basler Rhein leben würden und Ausnahmen nicht so schlimm seien. «Doch wenn Basel Ausnahmen zulässt, wird das anderswo ebenso gefordert werden. Ich finde es deshalb kurzsichtig und unverantwortlich, solche Ausnahmen zu fordern», sagt sie. Für die Rheinerwärmung müssten andere Lösungen gefunden werden, anstatt einfach die Limiten zu erhöhen.

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