Irgendwo im Keller, ganz unten in einer fest verschlossenen Kiste, da muss es liegen: Das Silberarmband, mit Erinnerungen beladenes Geschenk eines einst geliebten Menschen, der sich dann aber auf unliebsame Weise verabschiedete.

Jetzt bietet sich die Gelegenheit, es heraufzuholen. Die Macher des «Museum of Broken Relationships» (Museum der zerbrochenen Beziehungen) suchen Objekte, die etwas über gescheiterte Liebe erzählen. So wie das Handy, das bereits zur Ausstellung gehört, mit einem Satz, der alles sagt: «Er gab mir sein Mobiltelefon, damit ich ihn nicht mehr anrufen konnte.» Wie die Axt, die ein verlassener Liebender benutzte, um die Möbel seiner Ex zu Kleinholz zu machen. Oder wie der Gartenzwerg, der am Tag der Trennung als Wurfgeschoss benutzt wurde und sein Lächeln seither in einem zerschlagenen Gesicht umherträgt.

Entstanden ist das «Museum of Broken Relationships» aus persönlichen Motiven: Das kroatische Künstlerpaar Olinka Vištica and Dražen Grubišic suchte nach einem Weg, die eigene Trennung zu verarbeiten – und fand ihn 2006 in einer Installation mit Erinnerungsstücken. Die daraus kreierte Ausstellung fand ein solches Echo, dass sie erweitert wurde. In der kroatischen Hauptstadt Zagreb füllt das Museum of Broken Relationsships inzwischen ein eigenes Gebäude. Als Wanderausstellung waren die Liebes-Trümmer bereits an über dreissig Orten weltweit zu bestaunen, jeweils ergänzt mit Objekten der Bevölkerung vor Ort.

Im April kommt das Museum of Broken Relationships erstmals in die Schweiz. Es ist Teil des Dokumentartheater-Festivals «It’s the real thing», das vor zwei Jahren zum ersten Mal stattfand und damals mit Inszenierungen von Regisseur Milo Rau und theatralen Exkursionen in Basler Kirchen, Schulen und Gerichtssäle für Schlagzeilen sorgte.

Gezeigt wird die Ausstellung im Basler Museum für Wohnkultur im Haus zum Kirschgarten, das zum Historischen Museum Basel gehört. Mit diesem Ausstellungsort wagen sich die Kuratoren auf neues Terrain: Die Objekte, Alltagsgegenstände aus dem 20. und dem 21. Jahrhundert, werden ins historische Interieur des Museums integriert. Dieses präsentiert Basler Wohnkultur des 18. und 19. Jahrhunderts. Wie passt beides zusammen? Kurator Dražen Grubišic sagt: «Wir haben unsere Ausstellung in Museen und Galerien gezeigt, aber auch in Kaufhäusern, Containern und sogar in einer Poststelle. Schon seit einer Weile würden wir sie gern an einen Ort bringen, der Alltagsgegenstände ausstellt.» Nun sei dieser gefunden, auch wenn es sich bei den vorhandenen Exponaten um historische Stücke handle.

Grubišics Plan, um die neuen Stücke in die historischen Räume einzubetten: Einige der Objekte werden hervorgehoben, zum Beispiel durch Sockel oder Beleuchtung. Andere sollen «getarnt» sein, man werde sie erst auf den zweiten oder dritten Blick entdecken. Eine Herausforderung, wie Grubišic einräumt. «Ich freue mich aber sehr darauf und war lange nicht mehr so aufgeregt vor dem Aufbau der Ausstellung», sagt er.

Im Museum für Wohnkultur lässt man sich nicht zum ersten Mal auf die Mischung von alt und neu ein: Die kürzlich gezeigte Ausstellung «Sag mir, wie du wohnst ...» brachte heutige Einrichtungsgegenstände in die historischen Räume. Das führte stellenweise zu interessanten Kombinationen, zeigte aber auch, wie schwierig die Einbettung neuer Ausstellungen in die bestehende Architektur sein kann.

Den Erfolg des «Museum of Broken Relationships» erklärt Grubišic mit den Emotionen, die es hervorrufe. «Manche Besucher verlassen die Ausstellung mit Tränen in den Augen, andere haben viel zu lachen», sagt er. «Jeder findet mit Sicherheit ein Objekt oder eine Geschichte, die zu seiner aktuellen emotionalen Befindlichkeit passt.»

2011 wurde die Show mit einem Preis als innovativste Ausstellung Europas bedacht, dem Kenneth Hudson Award. In der Schweiz ist das Konzept, Objekte aus der Bevölkerung einzubeziehen, nicht neu: Das Sportmuseum sammelte 2008 in Basel Gegenstände der Besucher, die etwas über die Beziehung des Spenders zur Fussballkultur erzählten. Das Naturhistorische Museum Bern untersuchte bereits mehrfach Funde, die Besucher von Reisen mitbrachten.

Das «Museum of Broken Relationships» versucht nun, Fans auch unabhängig von der Ausstellung bei der Stange zu halten. So erging zum Beispiel zum gestrigen Valentinstag über die sozialen Medien der Aufruf an getrennte Paare, Liebesschlösser an Brückengeländern wieder zu öffnen. Zig solcher Schlösser symbolisieren auch am Gitter des Basler «Käppelijoch» auf der Mittleren Brücke das Versprechen ewiger Liebe. Vielleicht wird eines davon im Frühling im Haus zum Kirschgarten einen neuen Platz finden.

«Museum of Broken Relationships»: 16. 4. bis 31. 8. 2015.
Informationen zu Objektspenden unter www.hmb.ch oder www.itstherealthing.ch/museum

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