Von Sylvia Scalabrino

Im Kanton Baselland steht es nicht nur schlecht um die Staatsfinanzen. Besorgniserregend schlecht ist im ersten Halbjahr 2014 auch die Zahlungsmoral seiner Einwohnerinnen und Einwohner gewesen. Um ganze zwölf Prozent haben die Betreibungsbegehren im Baselbiet zugenommen, bestätigt Andreas Rebsamen, Leiter der Baselbieter Zivilrechtsverwaltung. Bis Ende August rechnet Rebsamen sogar mit einer Zunahme um 15 Prozent im Vergleich zur Vorjahresperiode. «Wir sprechen hier nicht von einigen wenigen Begehren mehr. In absoluten Zahlen bedeutet der Zuwachs etwa 10 000 Betreibungsbegehren mehr für das Jahr 2014.»

Das ist höchst aussergewöhnlich, nicht nur gemessen am langjährigen Schnitt. Mit diesen Zahlen steht das Baselbiet auch im Vergleich zu anderen Kantonen allein auf weiter Flur. Andere Kantone haben zwar im ersten Halbjahr 2014 ebenfalls mehr Betreibungsbegehren verzeichnet, aber nicht in diesem Ausmass. Im Kanton Basel-Stadt lag die Zunahme laut Betreibungsamt bei fünf Prozent, in Solothurn bei drei Prozent. Im grossen Verwaltungsbezirk Bern-Mitteland mit seinen rund 400 000 Einwohnern, die Stadt Bern inklusive, sind es ebenfalls nur drei Prozent.

Weil er die aktuellen Zahlen selbst kaum glauben konnte, hat Rebsamen seine Leute angewiesen, die Statistik zu überprüfen. Fehler konnten danach zweifelsfrei ausgeschlossen werden. Betroffen vom Zuwachs seien alle Gläubigersparten, wobei die Krankenversicherungen wie schon in den letzten Jahren ein «Schwergewicht» ausmachten, sagt Rebsamen. Aktuelle Zahlen zu den Betreibungen nach Kantonen konnte von den grossen Krankenversicherern nur die Swica liefern. Auch ihre Zahlen liefern keine Erklärung: Gemäss Swica gehören Baselbieter sogar zu den eher zuverlässigen Prämienzahlern. Die Kasse musste nur 1,6 Prozent der Baselbieter Versicherten betreiben – der Schweizer Durchschnitt liegt bei zwei Prozent.

Hingegen haben in diesem Jahr deutlich mehr Menschen bei der Baselbieter Fachstelle für Schuldenberatung (FSBL) Rat gesucht. Rund zehn Prozent mehr seien es im ersten Halbjahr 2014 gewesen, sagt Yvonne Zeller von der FSBL. Die Gründe unterschieden sich nicht grundsätzlich von jenen im Vorjahr, sagt Zeller: die schwierige Wirtschaftslage, Geburt von Kindern, Trennungen, prekäre Einkommen sowie leichter Zugang zu Krediten, Kunden- und Kreditkarten.

Weshalb in diesem Jahr gerade im Baselbiet so viel betrieben wird, bleibt den Behörden ein Rätsel. Die Situation trifft das Baselbieter Betreibungs- und Konkursamt in einem heiklen Zeitpunkt. Seit anfangs Jahr wurden die Abteilungen im Rahmen des Sparprogramms «Focus» in Liestal zentralisiert. Von den rund 41 Stellen wurden 9,5 abgebaut. Weil das Amt nun mit der Arbeit nicht nachkommt, sind vier zusätzliche Mitarbeiter befristet bis Juni angestellt worden. Das Engagement wurde nun nochmals bis Ende Oktober verlängert.

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