Der Baselbieter SP-Landrat Andreas Bammatter fühlt sich düpiert. Zwei Monate nach seinem gewonnenen Kampf gegen das Babyfenster wird die sechste Klappe der Schweiz einen Steinwurf von der Kantonsgrenze entfernt eröffnet. Diese Woche kündete das Bethesda-Spital das neue Angebot auf Stadtbasler Boden medienwirksam an. Frauen haben die Möglichkeit, ihre Neugeborenen hier anonym abzugeben.

Dagegen will Bammatter zusammen mit der Basler SP-Grossrätin Sibylle Benz vorgehen. Sie sind der Meinung, dass die Babyklappen keine Kindstötungen verhinderten, wie das Bethesda-Spital weismache. Bammatter hat einen Vorstoss ausgearbeitet, welcher der «Schweiz am Sonntag» vorliegt. Hier macht er auf die Missachtung der UN-Kinderrechtskonvention aufmerksam, die ein Babyfenster mit sich bringt. Artikel 8 beschreibe das Recht eines Kinds auf das Wissen um die biografischen Wurzeln. Nicht zu wissen, wer die Eltern sind, habe irritierende, «manchmal sogar traumatisierende Auswirkungen auf junge Menschen». Den Landkanton sieht er in der Pflicht, weil die Geburtsabteilung des Bruderholz-Spitals im nächsten Jahr ins Bethesda-Spital verlegt wird. Der Allschwiler fordert vom Baselbieter Regierungsrat, die UN-Kinderrechtskonvention in der ganzen Region durchzusetzen.

Sibylle Benz, die vom Babyfenster «etwas erstaunt» aus den Medien erfahren habe, will Bammatters Interpellation zur Grundlage für einen eigenen Vorstoss nehmen. Sie hebt vor allem die Gefahren für die Mütter hervor, die «möglicherweise unter dem Druck des Umfelds» ohne medizinische Versorgung ein Kind zur Welt bringen. «Babyfenster können dazu führen, dass Schwangere für eine Geburt nicht mehr ins Spital fahren. Das ist gefährlich.»

Die einzige Lösung ist in ihren Augen die «diskrete Geburt», die im Basler Unispital angeboten wird. Frauen können hier entbinden, ohne ihren Namen anzugeben. Von der Basler Regierung wird die SP-Grossrätin mindestens eine aktive Förderung dieses Angebots verlangen.

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