Der Konflikt liegt in der Luft. Ein ausländischer Reporter begleitet die Anti-OSZE-Demonstration am Freitagabend mit einem tarnfarbenen Helm, als stünde er in einem Krisengebiet im Einsatz. Die Russen übertragen die Demo per Live-Stream.

Die Polizei bietet ein Grossaufgebot von «mehreren hundert» Polizisten auf. Sie zählt rund 500 Demonstrationsteilnehmer. Polizeikommandant Gerhard Lips stuft 100 bis 150 davon als gewaltbereit ein. Das sei ein relativ grosser Anteil, sagte er gestern an einer Medienkonferenz. Über den bewilligten Teil der Demonstration vom De-Wette-Park zum Claraplatz zieht Lips trotz diverser Schmierereien eine positive Bilanz: «Die Route, die quer durch die Stadt führte, wurde eingehalten.» Dass sich danach Scharmützel ereignet hätten, sei «sehr unschön». Die Polizei habe damit gerechnet. Ihr lagen Informationen vor, dass einige Demonstranten den Messeplatz stürmen wollen. Schliesslich lautet ihr Motto «OSZE angreifen». Das Grossaufgebot riegelte die Strassen zur Messe erfolgreich ab. Die Konferenz war allerdings ohnehin schon lange beendet.

Sicherheitsdirektor Baschi Dürr (FDP) sagt, er würde die Demonstration wieder bewilligen. Einerseits aufgrund der Meinungsäusserungsfreiheit. Andererseits mangels Alternativen. «Hätten wir keine Bewilligung erteilt, hätte es nicht weniger, sondern eher mehr Scharmützel gegeben», sagt Dürr. Er wolle nicht sagen, dass man derartige Ausschreitungen akzeptieren müsse. Seine Wortwahl: «Das kann passieren.» Er spricht von «wüsten Szenen» am Claraplatz, die «beschämend» seien. Mit dem Polizeieinsatz ist er aber sehr zufrieden: «Beim Katz-und-Maus-Spiel in den Kleinbasler Gassen haben wir das Beste herausgeholt.» Zwei Polizisten seien von auswärtigen Polizeikorps durch Knallkörper leicht verletzt worden, bleibende Schäden seien aber nicht diagnostiziert worden.

Die Polizei kontrollierte 19 Demonstranten, die sie im Verlauf der Nacht wieder freiliess. Sie würden alle aus der Stadt und dem näheren Umfeld stammen, sagt Lips. Die Demonstration habe gemäss Dürr allerdings «nationalen Charakter» gehabt. Auch Zürcher und Berner sowie Leute aus Freiburg im Breisgau hätten teilgenommen. Die Polizei rechnete damit, dass einige Demonstranten auf ihrer Heimreise in Bern eine Nachdemo veranstalten könnten. Deshalb wurden die Ankömmlinge in Bern von der dortigen Kantonspolizei in Empfang genommen. Zwei Dutzend Personen wurden kontrolliert. In Bern blieb die Nacht aber ruhig. In Basel hat die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren eröffnet. Sie wertet dabei auch den Live-Stream der Russen aus.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper