Schritt für Schritt nähert sich Christian Gutknecht seinem Ziel. Er will wissen, wie viel Geld von den einzelnen Schweizer Hochschulen an die drei grössten Wissenschaftsverlage fliesst. In deren Fachjournalen publizieren die Forschenden vorwiegend ihre Resultate, die Uni-Bibliotheken bezahlen wiederum die Abonnements. Dabei geht es um Lizenzen in Millionenhöhe.

Um in Erfahrung zu bringen, wie hoch die Summen tatsächlich ausfallen, reichte der Berner Informatiker Gutknecht bei den Universitäten die Anfragen ein. Das war 2014. Auf deren ablehnende Bescheide konterte er mit Rekursen. Sie zeigten Wirkung. In mehreren Kantonen ebneten ihm Erziehungsdirektionen oder Datenschützer den Weg. Deshalb mussten unter anderem die Unis in Genf, Bern oder Zürich die Preise offenlegen. Anders in Basel. Erstmals ist Gutknechts Transparenzzug durch die Schweizer Hochschullandschaft gestoppt. Deshalb klagte er auch vor dem Verwaltungsgericht. Ohne Erfolg.

Stillschweigen vereinbart
Im Dezember bestätigten die Richter den Entscheid der universitären Rekurskommission: Bei den geforderten Informationen handle es sich um ein Geschäftsgeheimnis. In den Verträgen mit den drei grossen Verlagen Springer, Elsevier und Wiley unterzeichnete die Universität Basel eine Vertraulichkeitsklausel. Damit sicherte sie den Verlagen Stillschweigen über die Lizenzkosten zu.

Würde sie dieses brechen, bestünde «ein ernsthaftes Risiko», dass die Verlage der Uni-Bibliothek künftig schlechtere Konditionen anbieten würden, hält das Verwaltungsgericht fest. Es bezweifelt, dass Preisreduktionen im gleichen Umfang gestattet und somit höhere Kosten anfallen würden. Das sei nicht im Sinne eines öffentlichen Interesses, urteilen die Basler Richter.

Die Haltung der Berner Erziehungsdirektion, der Zürcher Hochschulen oder des Genfer Gerichts, dass Preise an und für sich «noch kein Geschäftsgeheimnis» darstellen würden, kritisieren die hiesigen Richter als «nicht nachvollziehbar».

Gewinne in Milliardenhöhe
Der Entscheid in Basel habe ihn überrascht, sagt Christian Gutknecht. Ob er ihn vor Bundesgericht anfechte, sei noch offen. Er sei zwar zuversichtlich, dass er dort Recht bekomme, aber Gebühren und Kosten seien für ihn als Privatperson eine «riesige Hürde».

Den Rechtsstreit führt Gutknecht als Privatperson. Obwohl er über eine Crowdfunding-Aktion einen Teil der Ausgaben decken konnte, bezahlte er bereits mehrere tausend Franken aus der eigenen Tasche. Was treibt ihn an? Gutknecht fordert einen öffentlichen Zugang zu den akademischen Resultaten. «Die Forschung ist bereits über die Steuern bezahlt», sagt er. Dass grosse Wissenschaftsverlage Renditen bis zu vierzig Prozent abschöpften und Gewinne in Milliardenhöhe machten, sei absurd: «Es braucht darüber eine öffentliche Diskussion», sagt Gutknecht. Er verweist auf das Modell «Open Access». Dabei bezahlen die Forschenden einen einmaligen Beitrag an die Verlage, um deren Arbeit abzugelten. Werden ihre Studien akzeptiert und publiziert, sind sie anschliessend frei im Internet abrufbar.

Verschiedene Universitäten fördern den offenen Zugang zu den Publikationen ihrer hauseigenen Wissenschaftler. Auch die Universität Basel verankerte 2013 Open Access in ihrer Strategie. Damit die Forschenden Zugriff auf das aktuellste Wissen haben, braucht es dennoch weiterhin die Abonnements der Journale. Wie viel die Uni Basel dafür zahlt, bleibt – vorerst – unerforscht.

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