Ob wir sie nun mögen oder nicht: Sie sind aus dem Stadtbild nicht wegzudenken. In Basel leben zwischen 5000 und 8000 Strassentauben, schätzt das Departement Biomedizin der Uni Basel. Zu viele, befand das Gesundheitsdepartement zu Beginn des Jahres. Der Bestand habe eine Grösse erreicht, die das Tierwohl gefährde und zu Verschmutzungen führe. Im April wurde deshalb die Taubenaktion lanciert. Mit Plakaten, Flyern und Broschüren sollte der Bevölkerung in Erinnerung gerufen werden, dass ein zu grosses Nahrungsangebot für Tauben und Menschen problematisch ist. Die Botschaft: «Tauben nicht füttern!»

Die erste Bilanz der gemeinsamen Aktion von Polizei, Gesundheitsdepartement, Stadtgärtnerei, Tierschutz und Universität fällt verhalten positiv aus. Daniel Haag-Wackernagel vom Departement Biomedizin sagt: «In der Hälfte unserer acht öffentlichen Taubenschläge haben wir Hinweise darauf, dass die Nahrungsgrundlage für die Tauben kleiner geworden ist.» So sei deren Zahl in den Schlägen des De Wette Schulhauses und der Kaserne stark zurückgegangen. Das heisse, dass die Tauben weniger Futter finden würden. Die Tiere, so Haag-Wackernagel, würden bei Futtermangel die Fortpflanzung reduzieren, da sie mehr Zeit benötigen, Nahrung zu finden.

Gespräch mit Taubenfütterern
Allerdings kann es laut Haag-Wackernagel jederzeit der Fall sein, «dass die Zahl der Tauben an bestimmten Orten der Stadt zunimmt, wenn jemand zu füttern beginnt». Es gebe immer noch Taubenfütterer, die mit der Aktion nicht hätten beeinflusst werden können. «Sie entziehen sich auch unserem Einfluss, indem sie frühmorgens und heimlich füttern. Wir sind dabei, diese Leute zu identifizieren und mit ihnen das Gespräch zu suchen», sagt Haag-Wackernagel. Repressionen gegenüber diesen Unbelehrbaren hält er nicht für zielführend. Entsprechend klingt auch das Statement der Polizei Basel-Stadt: «Taubenfüttern ist im Kanton nicht verboten und wird nicht gebüsst», sagt Sprecher Andreas Knuchel. Es würden auch keine entsprechenden Bestrebungen vorliegen.

Jungtiere sterben im Winter
Obwohl die Zahl der Tauben an manchen Orten bereits zurückgegangen ist, erwartet Haag-Wackernagel erst nach dem Winter einen Rückgang der Gesamtpopulation in der Stadt. «Wenn sich durch die Kälte das Futter weiter verknappt, werden vor allem Jungtiere den Winter nicht überleben.»

Genaue Aussagen darüber, wie viele Tauben sich zum jetzigen Zeitpunkt in Basel aufhalten, kann Haag-Wackernagel nicht machen. Die Ermittlung der Grösse von Taubenbeständen sei aufwendig und werde zurzeit in Basel nicht durchgeführt, da die Mittel dafür fehlen. «Hingegen erfassen wir indirekte Hinweise auf die Populationsgrösse. Dazu gehören Meldungen aus der Bevölkerung und Beobachtungen an Tauben in unseren Schlägen.» Daraus ergeben sich dann Schätzungen.

Tatsächlich ist für die Basler Taubenaktion kein Budget vorhanden; die 3000 Franken für Flyer und Plakate wurden vom Tierschutz übernommen, die Mitglieder der Aktion arbeiteten ehrenamtlich oder im Rahmen ihrer beruflichen Verpflichtungen.

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