Die Basler Regierung hat den Entscheid aufgeschoben, wie das ehemalige Migrol-Areal im Hafen Klybeck die nächsten fünf Jahre genutzt werden soll. Das Projekt, anstelle des illegalen Wagenplatzes zwei Fussballfelder einzurichten, scheint vorerst geplatzt. Vor allem Regierungspräsident Guy Morin, so bestätigen mehrere Quellen, habe sich dagegen ausgesprochen. Nun liegt auf seinem Tisch ein neuer Vorschlag: Eine Industriehalle zur vielfältigen kulturellen Nutzung.

Das Angebot hat die New Yorker Kunstmesse Scope ausgearbeitet. Dieser wurde vergangenes Jahr nach einer Odyssee durch die Stadt das ehemalige Hafenareal zugewiesen, um dort parallel zur Art Basel ein grosses Zelt für die eigene Kunstmesse errichten zu können. Scope machte aus der Not, auf eine Industriebrache fernab der Hauptmesse verbannt zu werden, eine Tugend, indem sie die Wagenplatz-Kolonie als bereicherndes soziales Umfeld für seine Kunstklientel einbaute.

Nun schlägt Scope vor, ein Providurium zu schaffen: Statt jeweils während der Art ein Zelt aufzubauen, würde Scope auf eigene Rechnung eine Industriebau-Halle mit einer Fläche von 6000 Quadratmetern für eine multifunktionale kulturelle Nutzung bereitstellen. Scope-Sprecher Patrick Tschan meint, darin könnten sowohl Sportevents, Konzerte wie Messen stattfinden. Die Halle wäre so ausgerüstet, dass sie sich etwa auch als Alternativstandort anbiete, wenn das Stadtcasino während des Generalumbaus geschlossen wird.

Die einzige Bedingung: Eine Vertragsdauer von zehn Jahren. Der aktuelle Mietvertrag von Scope läuft nach der nächstjährigen Messe aus.

Mit im Boot ist der Verein Unterdessen der Architektin und Kulturpromotorin Barbara Buser. Dieser Verein soll im Auftrag von Scope das «Cultural Management» übernehmen. Buser ist mittlerweile eine über Basel hinaus anerkannte Instanz im Bereich der Zwischennutzung und Arealentwicklung. Dass sie in der Lage ist, schwierige Orte mit neuem Leben zu füllen, zeigt sie derzeit in der Markthalle. Darin wechseln sich schwachkommerzielle Flohmärkte ab mit hochkommerziellen Veranstaltungen während der Baselworld (Diamanten-Show) oder der Art Basel (Volta-Show).

Eingebunden in das Projekt am Hafen sind die Bewohner der Wagenplatzes. Sie erhielten ein gewisses Bleiberecht, wären allerdings auch in festere Strukturen eingebunden.

Zum ersten Mal legte Scope der Regierung diese Idee Anfang März vor. Eine Reaktion blieb damals aus, da die Regierung glaubte, mit den Fussballplätzen die Lösung ihres Problems gefunden zu haben. Doch nun ist das Feld wieder offen, und sowohl das Präsidial- wie auch das Baudepartement sind direkt über den Vorschlag unterrichtet worden.

Für diesen Sommer kommt die Idee zu spät. Während der Art Basel wird Scope erneut ein Zelt errichten. Bei einer raschen Einigung könnte die Halle nach viermonatiger Bauzeit mit der Scope 2015 eröffnet werden.

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