Frank Kortz ahnt am Mittwoch noch nichts von der schmerzlichen Botschaft, die ihn zum Ende der Woche erreichen wird. Der Mixed-Martial-Arts-Kämpfer befindet sich im thailändischen Chanthaburi mitten im Trainingslager für sein nächstes Karrierehighlight. «Hartes Training und gutes Essen mit tollen Leuten, was will man mehr?», schreibt der 35-Jährige auf Facebook. Sein Fokus richtet sich ganz auf den 18. Juni und den Kampf in der Basler St. Jakob-Arena.

Anders ist die Stimmung in Basel. Die Vorbereitungen laufen nicht so, wie es sich die Veranstalter der Muttenzer Firma My First Choice GmbH vorgestellt haben. Wenn ein Journalist anruft, dann stellt er Fragen zu Frank Kortz. Im Vordergrund stehen dabei nicht seine sportlichen Qualifikationen, sondern sein rechtsextremes Gedankengut und seine kriminelle Vergangenheit. Der in Bremen wohnhafte Kortz hat seine Gesinnung auf den Leib tätowiert. Drei Hakenkreuze prangen auf seiner Haut. Über sein kurz geschorenes Haupt hat er zudem den Thorshammer tätowiert, ein weiteres beliebtes Symbol unter Neonazis.

Kortz steht in Deutschland schon seit längerer Zeit im Fokus der Medien. Im vergangenen Jahr beschrieb ihn die «TaZ» vor einem MMA-Event als Negativ-Aushängeschild seines ohnehin berüchtigten Sports, der «Zuhälter, Bandenrocker und Neonazis» in die Hallen locke. Und Kortz hat sich nicht nur im Boxring einen Namen gemacht, sondern auch mit kriminellen Geschäften, unter anderem im Rotlichtmilieu. 2010 sass er wegen Körperverletzung, Menschenhandels und illegalen Waffenbesitzes hinter Gittern. 2015 war er drei Monate in Untersuchungshaft, nachdem er sich mit Rockern geprügelt hatte.

Wut auf «Mainstream-Medien»
Die «SonntagsZeitung» konfrontierte die My-First-Choice-Geschäftsführerin Aline Seiberth mit der Einladung des «Brutalo-Fighters mit Hakenkreuzen». Noch vor zwei Wochen glaubte sie, das Problem kleinreden zu können. «An unserem Anlass geht es allein um die sportliche Leistung.» Das Privatleben und die politische Ausrichtung der Kämpfer sei «deren eigene Sache».

Diese Woche schaltet sich die Politik ein. Die Basler CVP-Grossrätin Beatrice Isler will von der Regierung unter anderem wissen, ob Organisatoren von Kampfsportveranstaltungen die Augen davor verschliessen dürfen, was ihre Fighter im Privatleben treiben. Der Geschäftsführer der St. Jakob-Arena, Roger Soland, verlangt zunächst nur, dass Kortz die Hakenkreuz-Tattoos abdeckt. Er glaubt den Beteuerungen des Deutschen, sich aus der Szene verabschiedet zu haben. Eine kurze Internetrecherche genügt Soland daraufhin, herauszufinden, dass der umstrittene Kämpfer immer noch intensive Kontakte in die Neonazi-Szene pflegt. «Und weil Extremismus bei uns verpönt ist, ob er nun links oder rechts ist», trifft er sich mit Seiberth. Er sagt, er wolle ihr nicht befehlen, was zu tun sei. Aber «nahelegen», Kortz auszuladen.

Seiberth knickt ein. Sie verspricht Soland, den umstrittenen Kämpfer von der Teilnehmerliste zu streichen. Die offizielle Begründung: «Dass Frank Kortz auftritt, ist uns nicht so wichtig. Er ist ja nur einer von vielen Kämpfern, die in der Arena zu bestaunen sein werden.» Der wahre Grund dürfte sein, dass die My First Choice GmbH der Presse den Wind aus den Segeln nehmen will. Seiberths Co-Geschäftsführer und Freund ist Paulo Balicha. Der ehemalige Thaibox-Weltmeister brachte sich 2014 in die Negativ-Schlagzeilen, als er zusammen mit rund 20 maskierten Männern ein Training des zehnfachen Kickbock-Weltmeisters Shemsi Beqiri stürmte und ihm den Kiefer, das Nasenbein und eine Hand brach. Nach 30 Hausdurchsuchungen und 160 Befragungen läuft das Strafverfahren immer noch.

Balicha selbst nimmt am Freitag den Hörer in die Hand, um Kortz die Entscheidung mitzuteilen. Auf Anfrage sagt dieser, dass er «wenig erfreut» sei. Seinem Kollegen Balicha mache er keine Vorwürfe. Kortz sagt, er wolle weder die Veranstaltung noch Balichas Lebensunterhalt gefährden. Der Schweizer Politik und den Medien, die den Entscheid bewirkt hätten, zeigt er hingegen auf einem Facebook-Foto den Mittelfinger. Im Kommentar dazu lobt er all jene, die sich nicht von den «Mainstream-Medien» das Hirn hätten waschen lassen und zu ihm hielten. Der «Schweiz am Sonntag» gratuliert er sarkastisch zum «Erfolg», den die Recherche zur Folge gehabt habe. Es sei allerdings nur ein «vorläufiger». In Basel werde er nun zwar nicht dabei sein. Dem Sport werde er aber treu bleiben, verspricht er.

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