Seit der Gründung vor zehn Jahren wächst die Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW). Die Studentenzahlen steigen ebenso kontinuierlich wie die Subventionen der Kantone Basel-Stadt, Baselland, Solothurn und Aargau. Im Oktober 2015 waren rund 11 000 Studierende immatrikuliert – wiederum 750 mehr als im Vorjahr. Die kantonalen Subventionen liegen mittlerweile bei 225 Millionen Franken jährlich.

Mit dem Wachstum soll in der nächsten Leistungsperiode 2018–2020 Schluss sein. Die Mitglieder der Interparlamentarischen Geschäftsprüfungskommission (IGPK) haben gemäss übereinstimmenden Informationen «initiiert», dass die Fachhochschulleitung den Regierungen zwei Alternativbudgets vorlegt. Eine weitere Budgeterhöhung wird dabei gar nicht erst in Betracht gezogen. Ein Szenario soll mit gleichbleibenden Subventionserträgen operieren, ein anderes sogar mit tieferen. Welches letztlich den Parlamenten unterbreitet wird, entscheiden die Regierungen.

Zwar sind nicht alle IGPK-Mitglieder von der Idee überzeugt, dass die FHNW die Kosten senken müsse. Manfred Dubach, Aargauer SP-Grossrat, macht etwa auf die «niedrige Arbeitslosigkeit» unter den Fachhochschulabsolventen aufmerksam. Was Linke und Rechte eint, ist jedoch das Schockerlebnis von 2011. Das Baselbieter Parlament wies im ersten Anlauf das FHNW-Budget ab. Erst das Versprechen des damaligen Bildungsdirektors Urs Wüthrich, die Finanzen der Fachhochschule in Zukunft genau unter die Lupe zu nehmen, vermochte die Landräte beim zweiten Anlauf umzustimmen. Die IGPK will Ähnliches nun früh unterbinden. Die Mitglieder wissen: Im finanzschwachen Baselbiet wären Subventionserhöhungen nicht mehrheitsfähig. Und ein Nein aus dem Landkanton wäre gleichbedeutend mit einer Rückweisung des gesamten FHNW-Budgets.

Frühe Warnung
Das Baselbieter IGPK-Mitglied Oskar Kämpfer (SVP) weiss um die einschneidenden Massnahmen, die auf die Fachhochschule zukommen. Weil die technischen Fachbereiche, die fortan schwerpunktmässig im Polyfeld in Muttenz unterrichtet werden, in den kommenden Jahren weiterhin «mit dem Markt» wachsen sollen, «müssten die Zulassungsbestimmungen in den anderen Fächern angepasst werden.» Das bedeute, dass die Studentenzahlen in den Fachbereichen Soziale Arbeit, Angewandte Psychologie, Musik und Kunst/Gestaltung, dessen Campus auf dem Dreispitz liegt, gesenkt werden müssen. Über das «Wo» müsste sich die FHNW aber erst noch klar werden, sagt Kämpfer.

Für Kommissionskollege Dubach gibt es andere Wege, die Subventionsbeiträge zu senken. «Man könnte die Klassen besser auslasten und die Drittmittelförderung intensivieren.» Heute liegen die Drittmittel der FHNW bei fünfzig Millionen Franken jährlich. «Es ist ja nicht grundsätzlich so, dass das Budget nicht gesteigert werden darf», sagt Dubach. «Aber mit Subventionserhöhungen darf die FHNW wohl nicht rechnen.»

Die Fachhochschulleitung will «während laufender Verhandlungen» keine Auskunft geben. Sprecherin Johanna Cantz sagt, die FHNW habe dem Regierungsausschuss erst Ende Juni den Antrag zum Leistungsauftrag 2018–2020 unterbreitet. Dass im Hinblick auf die neue Leistungsperiode ein Sparkurs verlangt wird, zeichnete sich jedoch schon im vergangenen Dezember ab. Die IGPK ordnete an, die Fachhochschule einer «Rollenschärfung» zu unterziehen. Forschungsgebiete, die gleichzeitig von der Universität belegt werden, seien zurückzufahren. Im Gegensatz zum abgeschmetterten Budget 2011 kommen die Warnsignale der Politiker nun früh genug. Die vier Nordwestschweizer Parlamente werden voraussichtlich im Mai 2017 über das FHNW-Budget beraten.

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