Es ist 11 Uhr. Noch hat es viele freie Plätze im Parkhaus Elisabethen, im Parkdeck 1 sind es 10, im P2 15, im P3 36. Doch dann rollen sie an, die Volvos, Toyotas, Audis, Fiats. 15 Minuten später: P1 und P2 null Plätze, im P3 sind noch gut ein Dutzend frei.

Seit fünf Monaten sind die ersten zwei Parkierstunden im Elisabethen gratis – zwischen 11 und 18 Uhr. Es ist eine Unterstützungsaktion der Stadt für das Basler Gewerbe angesichts der Euroschwäche, und sie ist befristet bis Mitte Mai. Barbara Neidhart, Sprecherin der Parkhaus-Bewirtschafterin Immobilien Basel-Stadt (IBS), sagt: «Zurzeit steht eine Weiterführung der Aktion nicht zur Diskussion.» Der Regierungsrat habe entschieden, dass die Aktion einmalig sei. Sie sagt, die durch die Gratisstunden entstandenen Mindereinnahmen würden sich im Rahmen der geschätzten 750 000 Franken bewegen.

Trotzdem will die Gruppe «Positives Basel» nicht aufgeben. Sie hat die Aktion initiiert und mit Regierungsrätin Eva Herzog ausgehandelt. Sprecher Andi Schwarz von Schwarz Modes am Spalenberg sagt: «Wir schätzen den Goodwill der Regierung. Es ist ein Zeichen dafür, dass die Stadt unsere Probleme erkannt hat.» Das Gewerbe sei sich bewusst, dass die Aktion befristet sei. «Vielleicht liegt eine Verlängerung oder – noch besser – eine Wiederholung zur Weihnachtszeit doch drin.» Er wolle in den nächsten Tagen das Gespräch mit Herzog suchen. Gemäss Schwarz hat die Aktion durchaus eine positive Wirkung gehabt: «Das Feedback der Kunden war sehr gut.» Ob sich dies im Umsatz niedergeschlagen habe, wisse er nicht. «Das ist nicht direkt messbar.» Zur Gruppe «Positives Basel», die vor einem Jahr gegründet wurde, gehören unter anderem Manor, Globus, Grieder, Ramstein Optik, die Safranzunft und neuerdings auch die UBS-Filiale am Marktplatz.

Eine positive Vorbilanz zieht auch Pro Innerstadt. Der Verein hat die Gratis-Aktion kräftig beworben, hauptsächlich mit Online- und Plakatkampagnen. Geschäftsleiter Mathias F. Böhm sagt zwar nicht, wie viel die Kampagne den Verein gekostet hat. Aber sie gehöre zu den grösseren der vergangenen Jahre. Das habe sich gelohnt: «Besonders zur Mittagszeit war das Parkhaus sehr gut ausgelastet, manchmal gar voll besetzt.» Auch die anderen Parkhäuser hätten davon profitiert, sagt Böhm, etwa das Steinenparking. «Es gab da das Missverständnis, dass einige Autofahrer dachten, auch in diesem Parkhaus seien die ersten beiden Stunden gratis.»

Neidhart von IBS bestätigt: «Wir stellen derzeit in allen öffentlichen Parkhäusern der Stadt eine leicht erhöhte Ausnutzung fest.» Ob dies an der Gratisaktion im Elisabethen liege, sei möglich. «Ich vermute aber eher, dass die höhere Belegung eine Folge der neuen Parkordnung ist.» Im Zuge der Umsetzung dieser Ordnung sind gebührenfreie Parkplätze praktisch vollständig verschwunden.

Trotz der guten Auslastung und des positiven Feedbacks steht für «Positives Basel» fest: Das Einkaufsverhalten in der Region hat sich in den vergangenen Monaten nicht zum Guten verändert. «Der Kundenstrom ins nahe Ausland ist unverändert gross», sagt Schwarz. Deshalb seien weitere Aktionen zur Unterstützung des Gewerbes wichtig. «Es gibt andere Möglichkeiten als nur Gratis-Parkstunden», sagt Schwarz. Am Dienstag trifft sich die Gruppe zur monatlichen Sitzung, dann wird über weitere Aktionen diskutiert.

Eine neue Idee von «Positives Basel»: Die Öffnungszeiten an den beiden verkaufsoffenen Sonntagen vor Weihnachten sollen ausgedehnt werden. Anstatt von 13 bis 18 Uhr sollen die Läden von 11 bis 17 Uhr offen haben. Schwarz sagt: «Wir hören oft von Kunden, dass sie es schätzen würden, wenn der Verkauf früher losgeht.» Zusätzlich wünsche sich «Positives Basel» eine Weihnachtsouvertüre mit mehr Attraktionen. «Heute beschränkt sie sich auf die Eröffnung des Weihnachtsmarkts. Die Stadt soll in Zukunft die Geschäfte mehr einbeziehen.»

Schwarz will mit diesem Anliegen bei Pro Innerstadt vorstellig werden. Er erhofft sich auf diesem Wege, dass die Vorstellungen von «Positives Basel» in einen Vorstoss im Basler Grossen Rat münden. Die Idee könnte durchaus offene Türen einrennen: Eine Motion von Joël Thüring (SVP) zur Flexibilisierung der Ladenöffnungszeiten wurde vom Grossen Rat zur Ausarbeitung einer Vorlage an den Regierungsrat überwiesen.

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