Roland Senn, der Fahrlehrer vom Dreispitz-Lerncenter, sagt: «Ich habe den Leuten von SRF gesagt, dass ich den Beitrag vor der Ausstrahlung sehen möchte.» Doch daran hätten sich die Fernsehmacher nicht gehalten. Der Fahrlehrer sagt, dass er nicht alle Sequenzen freigegeben hätte. Im Nachhinein könne er aber darüber lachen. «Ich hoffe, dass die Sendung für mich keine negativen Folgen haben wird», sagt er. Keine Freude hatte er an einem Bericht von «20 Minuten» über die Sendung. Müslüm habe einen «überforderten Basler Fahrlehrer» vorgeführt, heisst es darin. Senn sieht das anders: «Ich war keineswegs überfordert, aber gefordert.»

Als sich Müslüm im pinken Anzug, mit schwarzer Perücke und aufgeklebter Augenbraue im Lerncenter vorstellte, dachte Senn: «Diesen Typen habe ich doch schon mal gesehen.» Doch es fiel ihm nicht ein. Während der Fahrt habe er gedacht, dass er entweder auf einen «Verstehen-Sie-Spass-Vogel» reingeflogen sei oder «dass hier sonst irgendetwas nicht normal ist». Für seine Aufmerksamkeit hatte aber der Strassenverkehr Priorität. Inzwischen habe er sich die ersten beiden Folgen von Müslüm-TV angeschaut. Er gibt der Sendung gute Noten. Sie sei «okay», jedenfalls besser als «Giacobbo/Müller». Müslüm aspiriert mit seinen Testsendungen als Nachfolger des Satiriker-Duos.

Versteckte Kameras sind juristisch heikel. SRF-Journalisten wurden 2008 vom Bundesgericht wegen eines «Kassensturz»-Beitrags verurteilt, aber vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte 2012 freigesprochen. Es ging um einen Beitrag aus dem Jahr 2003, in dem die Journalisten mit verdeckten Bild- und Tonaufnahmen dubiose Versicherungsberater entlarvten. Die Personen wurden allerdings anonymisiert.

Fahrlehrer Senn, der von Müslüm mit Gesicht und Name vorgestellt wurde, will derweil keine juristischen Schritte ergreifen. Moderator Kurt Felix habe schliesslich auf SRF früher auch ahnungslose Leute reingelegt, sagt er. Möglicherweise kann der Fahrlehrer von der Publizität sogar profitieren.

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