«Ganz neu erbaut, 70 grosse und kleine Appartements und Salons, elegant, mit allem den Forderungen der Jetztzeit entsprechenden Comfort.» So die Beschreibung des Hotels Euler 1867 im Nachschlagbüchlein für Einheimische und Fremde. Die Nobelsten logierten im Fünf-Sterne-Haus am Bahnhof, etwa die Königsfamilie von Belgien oder der Schriftsteller Thomas Mann.

1999 war von dieser Eleganz wenig übrig. So wenig, dass Christoph Eymann, damaliger Direktor des Basler Hoteliervereins, eine Medienkonferenz einberief, an der über die Qualitätsmängel des «Eulers» und das dadurch gefährdete Image Basels diskutiert wurde. Die Einstufung als Fünf-Sterne-Hotel solle überprüft werden, wurde verlangt. Das «Euler» gehörte damals bereits seit zwei Jahrzehnten zur Schweizer Hotelgruppe der Familie Manz. Eigentümerin Ljuba Manz klagte daraufhin gegen den Verein – erfolglos. 2001 verlor ihr Hotel einen Stern.

7,6 Millionen Franken investiert
Heute verträgt man sich wieder. Das «Euler» wurde 2008 vom Hotelierverein Basel als 4-Sterne-Superior-Haus klassiert. Die Familie Manz investierte in den vergangenen Jahren 7,6 Millionen Franken in das Hotel, zeigt ein Blick in die Bilanz. Hinter der herausgeputzten Fassade rumort es allerdings: Seit Jahren geben sich die Direktoren die Klinke in die Hand. Um 1990 herum ätzte man in der Stadt, die Chefs im «Euler» würden schneller ausgewechselt als die Tischtücher im Restaurant. Seit 2014 führt Jana Jeschek das Haus.

Das «Euler» kommt auch auf dem Papier nicht zur Ruhe. Seit es der Familie Manz gehört, wird es immer wieder umplatziert. Bei der Übernahme 1981 gehörte es zur CEM-Gruppe, 1994 wurde aus der CEM die Gesellschaft Manz Privacy Hotels und Gastronomie Holding AG. Diese wurde 1997 in die Manz Privacy Hotels Switzerland AG umbenannt. Sechs Jahre später integrierte Ljuba Manz, die als Verwaltungsratspräsidentin sämtlicher Gesellschaften fungiert, das «Euler» in die Hôtel de la Paix SA. Ein Branchenkenner sagt dazu: «Eine sehr widersprüchliche Geschäftspolitik.» Die anderen Hotels, die im Besitz der Familie verblieben sind, gehören nämlich der Manz Privacy Hotels an, etwa das St. Gotthard in Zürich oder das Continental in Lausanne.

Und jetzt findet sich das «Euler» in einer eigenen Gesellschaft wieder: Am 11. Mai 2016 wurde die Euler AG ins Handelsregister Basel-Stadt eingetragen, das Hotel mit einem Buchwert über 19 Millionen Franken wurde von der Hôtel de la Paix SA abgespaltet. Als Grund gibt Verwaltungsrat Thomas Rinderknecht an, dass die Familie Manz im 2015 das «Hôtel de la Paix» in Genf an Ritz Carlton verpachtet habe. Warum das «Euler» nicht einfach in die Manz Privacy übertragen wurde, dazu schweigt er, sagt aber: «Alle Hotels der Gruppe stehen nicht zum Verkauf.»

Fakt aber ist: Seit Ljuba Manz 1988 von ihrem Mann Caspar das Zepter über die Manz-Besitztümer übernommen hat, ist das Imperium stark geschrumpft. Die CEM erzielte noch zu Beginn der 1990er-Jahre mit Hotels in der Schweiz und Südamerika 160 Millionen Franken Umsatz. Die meisten verkaufte Ljuba Manz in der Zwischenzeit. Zur Gruppe gehören heute fünf Häuser; verpachtete Betriebe wie das «Helvetia» an der Küchengasse in Basel lassen sich an einer Hand abzählen. 2014 musste Manz zudem eine Niederlage im Kaufpoker um das Hotel Victoria Jungfrau in Interlaken einstecken.

Das «Victoria Jungfrau» ist ein Luxushaus, wie es dereinst das «Euler» war. Es würde nicht überraschen, sollte Manz das «Euler» abstossen; es passt so gar nicht zu ihrem Lebensstil. Sie liebt Pelze, teuren Schmuck und illustre Gesellschaft. Genauso wie die Ladys damals an der Bar des «Eulers», als die Nobelsten noch ein und aus gingen.

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