Christian Heeb hat wieder einen Gegner: Telebasel. Das neue Konzept des Fernsehsenders mit App und starkem Online-Auftritt entspreche einer Konzessionsverletzung und torpediere sein eigenes Portal barfi.ch.

Die Attacke des Medienunternehmers quittiert Telebasel-Geschäftsführer Dominique Prétôt mit einem Lächeln: Mehrfach habe der Sender beim Bundesamt für Kommunikation (Bakom) vorgesprochen, das Konzept präsentiert und mündlich wie schriftlich in Form eines Gesprächsprotokolls grünes Licht dafür erhalten. Das Argument: Die 2,4 Millionen Franken, die Telebasel jährlich aus dem Gebührentopf erhält, würden weiterhin vollumfänglich in die regionale TV-Produktion investiert. Die neuen Online-Aktivitäten würden durch die übrigen Einnahmen finanziert, die rund siebzig Prozent der Erträge ausmachten.

Heeb hat sich allerdings prominenteste Unterstützung geholt: Urs Saxer, Medienrechtsprofessor der Universität Zürich. Dieser äussert auf Anfrage und in einer ersten Beurteilung «erhebliche Zweifel» an dem vom Bakom im Konsultationsverfahren akzeptierten Konzeptwechsel. Denn die Telebasel-Konzession enthalte eine ausdrückliche Regelung. Darin heisst es, der Sender könne «programmbezogene Beiträge, die zeitlich und thematisch einen direkten Bezug zu Sendungen aufweisen, im Internet zugänglich machen». Saxer meint, der Aufbau eines Online-Portals könne Telebasel als Unternehmen wohl nicht untersagt werden, doch dieses müsse klar vom konzessionierten Sender abgegrenzt sein. Dies etwa durch eine eigenständige Finanzierung und unter Umständen gar als Produkt einer separaten Firma.

Die Entwicklung bei Telebasel stellt Saxer in einen nationalen Kontext. Dort ficht er als Rechtsexperte des Verbandes Schweizer Presse den gleichen Kampf gegen die SRG aus, deren Online-Expansion er kritisiert. Saxer räumt ein, dass die heutige Gesetzgebung veraltet und überholt sei. Was heute gemacht werde, sei zunehmend verfassungswidrig.

Telebasel argumentiert ähnlich wie die SRG: Wenn der Sender auch in Zukunft relevant sein wolle, müsse er sich der neuen Medien bedienen, sagt Chefredaktorin Karin Müller. Prétôt sagt, die Trägerschaft von Telebasel habe sich vor zwei Jahren eine neue Strategie gegeben, die beinhalte, dass man sich als regionales Medienunternehmen positioniere, das mit einem multimedialen Angebot auftreten und sich dadurch auch die Wirtschaftlichkeit sichern wolle.

Nur: Telebasel ist kein gewöhnliches Medienunternehmen. Die Trägerschaft, die Stiftung Telebasel (ursprünglich: Stiftung Kabelnetz), entstand Ende der 1980er-Jahre aus einem speziellen Deal des Basler Regierungsrats mit der Firma Balcab (heute: upc Cablecom). Diese erhielt das exklusive Recht, die Stadt zu verkabeln, verpflichtete sich jedoch zu einer Abgabe an die dafür geschaffene Stiftung. Noch bis 2027 erhält die Stiftung aus diesem Vertrag jährlich 1,6 Millionen Franken. Zusammen mit den 2,4 Millionen aus den Gebühren entstammen folglich vier Millionen des 8,5-Millionen-Franken-Budgets aus Drittmitteln. Oder anders gesagt: Die eigentliche Eigenfinanzierung beträgt 53 Prozent.

In den Anfangsjahren war der Stiftungsrat mit dreissig Personen aus allen möglichen zivilgesellschaftlichen Kreisen bestückt und wurde vom städtischen Wirtschaftsdirektor präsidiert. Heute ist der Kanton noch durch Abteilungsleiter Samuel Hess im Stiftungsrat vertreten, der von Kommunikationsfachmann Roger Thiriet präsidiert wird. Das Gremium ist mittlerweile auf 15 Personen geschrumpft; der massgebliche Ausschuss besteht aus sieben Personen. Darunter der eigentliche Urheber der neuen Strategie: Michael Bornhäusser. Dieser hatte nicht nur als Mitglied der Findungskommission bei der Wahl der Chefredaktorin ein gewichtiges Wort, sondern begleitete als «Delegierter» auch die verschiedenen Arbeitsgruppen im Strategieprozess. Der dominant auftretende Bornhäusser präsentiert sich als erfahrener IT- und Multimedia-Unternehmer und ist Teilhaber der Basler Privatbank Sallford. Er ist gut vernetzt und hat mit der Basler Agentur Neko Interactive auch alte Gefolgsleute als Kreative für den neuen Auftritt von Telebasel ins Boot geholt.

Auch organisatorisch hat sich Telebasel mit einem CEO unternehmerisch aufgestellt und das patriarchale System des abgesetzten Chefredaktors Willy Surbeck abgelöst. Publizistische Aussagen finden sich in der neuen Telebasel-Unternehmenskultur allerdings nur wenige, dafür ein Bekenntnis zu Social Media, zu Reichweite und zu jüngeren Zielgruppen. Doch selbst bei einem publizistischen Abbau müsste Telebasel nicht fürchten, vom Bakom gerüffelt zu werden. Denn sein publizistisches Angebot wird heute als deutlich reichhaltiger erachtet als jenes anderer konzessionierter Regional-TV-Stationen.

Christian Heeb kündigte an, mit rechtlichen Mitteln gegen die Telebasel-Pläne vorzugehen. Der schöne Nebeneffekt: Sein barfi.ch erhält Publizität. Was auch nötig ist, nachdem er sich mit seinem Vermarkter zerstritten hat und nun selbst nach einem funktionierenden Geschäftsmodell sucht.

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