Die Schlagzeile ist beinahe ein Duplikat. «Marc Jaquet kehrt Basel den Rücken», titelte die «Basler Zeitung» vor genau zwei Jahren. Damals kündete der Unternehmer die Verlegung der familieneigenen Jaquet Technology Group aus einem Basler Wohnquartier nach Pratteln an. Rund zwanzig Millionen Franken würden in einen neuen Firmensitz investiert, um für das geplante jährliche Wachstum von zehn Prozent Platz zu schaffen, lautete die frohe Botschaft für die Baselbieter Wirtschaftsförderer. Nun kehrt Jaquet der Region jedoch als Privatperson den Rücken. Eintragungen im Handelsregister ist zu entnehmen, dass er seinen Wohnort von Lupsingen (BL) ins steuergünstigere Cham (ZG) verlegt hat. Dies kann zwar den Wirtschaftsförderern egal sein, wird jedoch den Kassenwart der 1400-Seelen-Gemeinde betrüben.

Ein Auszug aus steuerlichen Gründen liegt nahe. Jaquet hat die Firma nicht nur disloziert, sondern sie in diesem Frühjahr auch gleich dem US-amerikanischen Technologiekonzern TE-Connectivity verkauft. Das Vermögen, das vorher in der Gesellschaft gebunden war, befindet sich nun steuerrelevant auf Jaquets Konto.

Die Anfrage der «Schweiz am Sonntag», was zum Domizilwechsel geführt hat, lässt Jaquet via Medienstelle des Arbeitgeberverbandes beantworten: «Für Marc Jaquet gab es mehrere Gründe, den Wohnsitz zu verlegen. Diese sind allerdings privater Natur und haben nichts mit dem Amt als Präsident des Arbeitgeberverbandes zu tun.»

Was damit gesagt ist: Jaquet bleibt weiterhin Präsident des Wirtschaftsverbandes, dem er bereits seit 2004 vorsteht. Jaquet lässt den Verband erklären: «Sein privater Wohnsitz hat mit seiner Arbeit für den Arbeitgeberverband nichts zu tun.» Es sei lediglich wichtig, dass «seine Vorstandsmitglieder in verschiedenen wirtschaftlichen Schlüsselrollen in der Region Basel tätig sind».

Der externe Familienvertreter
Eine Schlüsselfunktion nimmt Jaquet zunehmend in der Rolle eines Profi-Verwaltungsrates wahr. Seit 2013 präsidiert er bereits die Führungsgremien des Elektronikunternehmens Sauter und des Stahl- und Metallhändlers Carl Spaeter. Beide traditionellen Basler Unternehmen sind wohl nicht zufällig in Familienbesitz. Denn Jaquet, langjähriges Vorstandsmitglied der Vereinigung der privaten Aktiengesellschaften, hat sich auf dieses Unternehmenssegment spezialisiert. Und so kamen im vergangenen Jahr bei der auf Tastaturen spezialisierten EAO Holding aus Olten und der Basler Fritz Meyer Holding zwei weitere Präsidiumsmandate von Firmen dazu, die sich in Familienbesitz befinden.

Bei der Fritz Meyer Holding mit ihren beiden grossen Geschäftszweigen Mineralöl-Handel (Avia, Fritz Meyer) und Autohandel (Asag) ist Jaquet gefordert. Schliesslich sank der Konzernumsatz von 1,1 Milliarden Franken im Jahr 2012 auf 780 Millionen Franken im Vorjahr. Ein Tiefschlag war der Verlust der Asag für die Volkswagen-Vertretung in der Region. Diese fiel an die Grosspeter-Gruppe, die im Gegenzug die Vertretung der kriselnden Marke Opel an die Asag abtrat. Kurz nach Jaquets Übernahme des Präsidiums im März dieses Jahres kündete die Asag eine Gegenoffensive und den Neubau ihres Hauptsitzes beim Dreispitz für 38 Millionen Franken an.

Diagnostics wird zur Boutique
Seit dem Verkauf der Familienfirma hat Jaquet auch sein privates Portfolio mit den Gesellschaften Jaquet Partners, Jaquet Beteiligungen und Jaquet Immobilien neu geordnet. Mit letzterer Firma überbaut er das frei werdende Firmengelände an bester Basler Wohnlage. Die Jaquet Diagnostics hat zwar bereits seit 2010 den vorrangigen Firmenzweck, ein Damenmodegeschäft zu betreiben. Mit der Umbenennung in Ami Wieland hat die Firma auch den richtigen Namen erhalten. Die Boutiquebetreiberin Ami Wieland ist nun auch alleinige Verwaltungsrätin, nachdem ihr langjähriger Lebenspartner Marc Jaquet aus diesem Gremium ausgestiegen ist.

Zumindest ein Mandat, das ihn an Basel bindet, hat Marc Jaquet bis ins Jahr 2022. Bis dann ist er nämlich gewählter Säckelmeister der E.E. Zunft zu Hausgenossen.

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