Der Baselbieter Kantonsförster Ueli Meier sagt es unumwunden: Den Bauern drohe ein «katastrophaler» Frühling. Im Baselbiet treibt die Wildsau derzeit ihr Unwesen. Bis heute haben die Tiere in diesem Jahr bereits einen Schaden von 107 000 Franken an Weizen, Mais und Wiesen angerichtet. 2012 definierte der Kanton das Ziel, die Schäden unter 80 000 Franken jährlich zu halten. In der Region breitet sich das Wildschwein dank der Klimaerwärmung stark aus. Meier sagt, er hoffe «ab und zu auf einen harten, kalten Winter, der mithilft, die Wildschweinzahlen tief zu halten». Vor allem aber muss er auf die Hilfe der Jagdgesellschaften zählen. In den Jagdbestimmungen für die Saison 2015/16 weist der Jagdleiter die Jäger explizit darauf hin, dass das sogenannte Schwarzwild «nicht erst auf dem Feld, sondern bereits im Waldrandbereich» erlegt werden darf und während der Schonzeit Frischlinge geschossen werden dürften.

Der frühere Jagdverwalter Ignaz Bloch hatte bereits erkannt, dass gegen die Wildschäden etwas unternommen werden muss, denn in den vergangenen zwei Jahrzehnten haben sich die Schäden in der Baselbieter Landwirtschaft verdreifacht.

Die unter Blochs Federführung ausgearbeitete Revision des Jagdgesetzes wurde aber in Bausch und Bogen verworfen. Das Gesetz sah vor, dass die Baselbieter Jagdgesellschaften finanziell dafür geradestehen müssen, wenn sie ihre Abschussquote nicht einhalten. Die Jäger begehrten auf und stellten sich auf den Standpunkt, dass man sie für die Ausübung ihres Ehrenamts nicht bestrafen dürfe.

Bis Ende des Jahres wird Meier ein neues Gesetz ausarbeiten – gemeinsam mit den Baselbieter Jägern. Die finanzielle Beteiligung der Jagdgesellschaften dürfte vom Tisch sein. «Ich werde mich hüten, mit Androhungen von zusätzlichen Kontrollmassnahmen und Bussen noch mehr Öl ins Feuer zu giessen», sagt er. Um die zwischenzeitlich angespannte Beziehung zwischen dem Kanton und den rund 600 Baselbieter Jägern ins Lot zu bringen, lobt er deren Arbeit bei jeder Gelegenheit. Noch stärker in die Pflicht nehmen will er sie nicht. Er sehe aber «Potenzial im Bereich der Information, Aufklärung und Ausrüstung.» Gut möglich also, dass der Kanton den Jagdgesellschaften im nächsten Jahr schusskräftigere Gewehre subventioniert.

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