Eine Frau schien bei den Grünen gesetzt als Nachfolgerin des Basler Regierungspräsidenten Guy Morin: Co-Präsidentin Elisabeth Ackermann. Sie meldete nach der Rücktrittsankündigung sogleich ihr Interesse an. Die Männer brachten sich nur pro forma in Stellung. Grossrat Michael Wüthrich kündigte eine Kandidatur an und im selben Atemzug auch deren Rückzug. Er werde «einer valablen, klar positionierten» Frau den Vortritt lassen, sagte er der «Basler Zeitung».

Damals ging Wüthrich davon aus, die Linke werde mit zwei Frauen und zwei Männern antreten: mit den beiden bisherigen SP-Männern, der bisherigen SP-Frau sowie einer grünen Frau. Wüthrich sagt: «Hätten wir ein Viererticket, hätte ich an der Mitgliederversammlung meinen Verzicht bekannt gegeben.» Doch Co-Präsidentin Ackermann hat inzwischen auch der Bündnispartnerin Basta eine Kandidatur zugestanden.

Wüthrich kündigt deshalb auf Anfrage einen Rückzug vom Rückzug an: «Dass wir nun mit einem Fünferticket antreten, hat mich sehr überrascht. Das verändert die Ausgangslage für mich persönlich.» Er bleibe im Rennen, bis klar sei, wen Basta nominiert. Tritt die Linkspartei wie erwartet mit ihrer Co-Präsidentin Heidi Mück an, ist für Wüthrich die inoffizielle Frauenquote erfüllt und der Weg frei für ihn. Zwar wären nur zwei von fünf Kandidaten weiblich, doch da ohnehin niemand mit mehr als vier linken Sitzen rechnet, spielt dies offenbar keine Rolle.

Wüthrich wagt es nun, Ackermanns Ausrichtung zu hinterfragen. Ihr politischer Kurs ist gemässigt, seiner radikal. Wüthrich verlangt von den Grünen eine Entscheidung: «Ich will von unseren Mitgliedern wissen, was für ein Profil sie wollen: einen ganz klar links-grün positionierten Kandidaten oder eine eher in der Mitte politisierende Kandidatin?» Regula Rytz, die Co-Präsidentin der Grünen Schweiz, sei eine grüne Politikerin, wie er sie sich vorstelle: «Sie ist dossierfest und klar grün.» Für die Co-Präsidentin der Basler Grünen würde Wüthrich andere Worte wählen.

Auch Grünen-Grossrat Thomas Grossenbacher, ein weiterer möglicher Kandidat, sieht sein Geschlecht auf einem Fünferticket nicht mehr als Hindernis. Er sagt: «Der Frauenanteil spielt damit bei unserer Kandidatenwahl keine ausschlaggebende Rolle mehr. Wir müssen uns vielmehr fragen: Mit welcher Kandidatur werden die grünen Anliegen am wirksamsten vertreten?»

Die linken Frauen äussern sich skeptisch zum Aufbegehren ihrer Männer. Ackermann sagt: «Eine grüne Frau hätte auf unserem Ticket sicher einen Bonus, nachdem wir zwölf Jahre lang mit einem Mann in der Regierung vertreten waren.» Mück sagt: «Ich würde es bedauern, wenn die Grünen keine Frau aufstellen, aber ich rede ihnen nicht drein.»

Die einzige bürgerliche Frau, die sich für den Job als Regierungsrätin interessiert, ist LDP-Grossrätin Patricia von Falkenstein. Ihr sei die Frauen-Frage nicht wichtig. «Es wäre kein Untergang für die bürgerliche Liste, wenn keine Frau darauf ist», sagt sie. Bei den Grünen sieht sie hingegen die Gefahr, dass die Männer zu kurz kommen: «Die Linke muss aufpassen, dass sie nicht eine Männerquote einführen muss.» Auch sie äussert Kritik an Ackermann: «Das Profil einer Musiklehrerin reicht aus meiner Sicht nicht, um Regierungsrätin zu werden.»

Über eine Quote haben die grünen Männer nicht nachgedacht. Aber über ein Job-Sharing-Modell für Regierungsräte. Wüthrich und Grossenbacher wollten vor Jahren eine entsprechende Änderung des Wahlgesetzes vorschlagen, verwarfen die Idee aber wieder, weil sie zu wenige Unterstützer fanden. Sie dachten dabei auch an sich selber: Sie spielten mit dem Gedanken, dereinst zu zweit als 50-Prozent-Regierungsräte anzutreten.

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