Die Szenerie wirkt apokalyptisch. Nebel durchflutet die Bürogänge. Einige Storen und Lampen sind halb heruntergerissen. Die Konturen der Räume sind nur durch fluoreszierende Streifen erkennbar, bestrahlt von UV-Licht. Krieger in leuchtenden Westen tauchen auf. Die weissen Lichtstrahlen der auf den Waffen montierten Taschenlampen flackern durch den Nebel, gefolgt von roten Laserstrahlen und Schiessgeräuschen. Wird man von einem Laserstrahl auf der Weste getroffen, wird man fünf Sekunden lang deaktiviert, die Waffe schaltet sich aus und das Licht der Weste erlischt. Danach geht das Geballer weiter. In der Laser-Arena stirbt man nicht. Es gewinnt, wer am meisten Gegner trifft.

Das Kriegsspiel heisst Lasertag. Tag bedeutet markieren. Die Wortwahl soll entschärfend wirken: Man wird mit Infrarotstrahlen markiert, nicht erschossen. Es handelt sich um eine moderne Version des Geländespiels Räuber und Gendarm. Eine andere Weiterentwicklung dieses Kinderspiels ist Paintball, bei dem Gelatinekapseln mit Luftgewehren abgefeuert werden. Vor rund sieben Jahren wurden in der Region Basel die ersten Paintball-Hallen eröffnet, zuerst in Grellingen, dann in Liesberg. Der Paintball-Boom ist jedoch bereits wieder abgeflacht. Die Halle in Grellingen ist geschlossen, jene in Liesberg steht vor dem Aus. Angesagt ist Lasertag.

In Reinach hat die Firma Action Arena AG im Gewerbegebiet Aumatten vor einigen Wochen die erste Laser-Arena der Nordwestschweiz eröffnet. Eingerichtet ist sie als Zwischennutzung auf 1600 Quadratmetern in den Gebäuden der Firma Obrist, die in Reinach bis vor einem Jahr Senf- und Mayonnaise-Tuben für Nestlé produziert hat. Die Infrastruktur wird weiterbenutzt. Computer und Telefone dienen als realistische Kampfkulisse. Die Kantine wurde zur Bar.

Ganz vorbei ist Paintball allerdings nicht. Die Firma Action Arena hat auf dem Obrist-Areal auch eine Paintball-Halle eingerichtet. Paintball wird in der Fabrikhalle gespielt, Lasertag im Bürotrakt. Die Rollenverteilung ist aber klar. Das Geschäft wird mit Lasertag gemacht.

Dass in den Industriebauten eine Science-Fiction-Welt entstanden ist, blieb bisher von einer breiten Öffentlichkeit unbemerkt. Werbung wird vor allem im Internet gemacht. Lasertag ist im Gegensatz zu Paintball familientauglich. Während die Gelatinekapseln zu blauen Flecken führen können, ist der Schusswechsel mit den Lasergeräten nicht spürbar. Auf Werbeflyern wird für Lasertag nicht mit bewaffneten Männern in Kampfanzügen geworben, sondern mit bewaffneten Frauen in modischer Kleidung. Versprochen wird dort Spass für Jung und Alt. Kinder sind bereits ab acht Jahren zugelassen. Entscheidend ist die Kleidergrösse. Auch gross gewachsene Siebenjährige dürfen den Abzug betätigen, wenn sie in die Weste passen.

Lasertag ist ursprünglich ein Spiel der 90er-Jahre, das durch die Sitcom «How I Met Your Mother» derzeit ein Revival erlebt. Umstritten ist das Kriegsspiel seit der Entstehung. 1994 gingen deutsche Behörden mit einer Verfügung gegen den «Laserdrome» in Bonn vor. Die Begründung: Es würden Tötungshandlungen simuliert. 2004 unterstützte der Europäische Gerichtshof die deutschen Behörden. Die Richter in Luxemburg urteilten, dass nationale Verbote von Lasertag europäisches Gemeinschaftsrecht nicht verletzen würden. Es gehe um den Schutz der Menschenwürde. 2014 ist ein Verbot in der Schweiz allerdings kein Thema. Im Reinacher Bauinspektorat drückte man sogar ein Auge zu, als die Laserarena ihren Betrieb ohne Umnutzungsbewilligung aufnahm. Nun wurde ein nachträgliches Gesuch eingereicht. Einsprachen gingen bisher keine ein.

Keine Bedenken um die Menschenwürde macht sich Adem Bronner (20), der als Instruktor in der Reinacher Laser-Arena arbeitet: «Es ist doch besser, wenn sich die Jungen hier mit Kollegen körperlich betätigen, anstatt alleine zu Hause vor dem Computer zu sitzen.»

Action-Arena-Präsident Marco Marti, der im Juli bereits im luzernischen Emmen eine Laser-Arena eröffnet hat, sagt über den Betriebsstart in Reinach: «Es läuft nicht bombastisch, aber auch nicht schlecht.» In einer Woche würden bis zu 500 Spieler registriert. Eine Minute Spielzeit kostet rund einen Franken.

Bei Firmen hat sich die Laser-Arena für Geschäftsausflüge herumgesprochen. So haben sich in Reinach bereits Teams von Alpiq, Novartis und der Kantonspolizei Basel-Stadt angemeldet. Gemäss Polizeisprecher Andreas Knuchel handelt es sich nicht um einen offiziellen Ausflug der Basler Polizei, möglicherweise plane eine Diensttour einen Besuch im inoffiziellen Teil ihres Jahresabschlusses.
Die frisch erworbenen Laserbrillen, die sich die Basler Polizei wegen gefährlicher Laserpointer an Demonstrationen angeschafft hat, können die Polizisten zu Hause lassen. Die Laserstrahlen in Reinach gelten für die Augen als ungefährlich.

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