Die Baselbieter Kantonspolizei schaut seit einem Jahr nur gegen Bezahlung für Ruhe und Ordnung. Gemeinden mit einer Gemeindepolizei offeriert sie folgendes Modell: Sie hält sich in den Nächten von Sonntag bis Mittwoch für 1.95 Franken pro Einwohner und Jahr abrufbereit. Für die 17 400 Muttenzer kostet der Dienst somit 34 000 Franken.

Die Vorortgemeinde entschied sich, das Modell im Pilotjahr zu testen. Nun ist Schluss. Der Gemeinderat hat entschieden, die Leistungsvereinbarung nicht zu verlängern. Für seine Berechnung wertete er die ereignisreichen Nächte von April bis Oktober aus, in denen mit Nachtruhestörungen in Parks zu rechnen ist. Die Kantonspolizei rückte in Muttenz nur 17-mal aus. Jeder Einsatz kostete die Steuerzahler folglich 2000 Franken. Hinzu kommt die Nachbearbeitung der Einsätze, für welche die Gemeinde zuständig bleibt.

Die Gemeindeverwaltung ging über die Bücher. Die Sicherheitsfirma Bewa offeriert: 9700 Franken pro Jahr für den Pikettdienst und einen Stundenansatz von 107.80 Franken pro Einsatz. Geht man davon aus, dass die 17 Einsätze von jeweils einer Zweier-Patrouille in einer Stunde erledigt sind, kosten die Einsatzstunden 3700 Franken. Mit der Grundpauschale käme Muttenz so auf 13 400 Franken. Die Gemeinde könnte ihre Ausgaben folglich mehr als halbieren.

Die Firma Bewa aus Bättwil hat allerdings Probleme mit ihren eigenen Finanzen. Im Oktober ging sie Konkurs, weil sie wegen eines Deals mit einer Nigeria-Connection Geld verlor und mit den Zahlungen der Mitarbeiterlöhne für die Bewachung der Roche-Baustelle in Rückstand geriet. Inhaber Hanspeter Isenschmid liquidierte seine Bewa Sicherheitsdienst GmbH und gründete eine Bewa Sicherheitsdienst 17 GmbH. Den Gemeinden, in denen er mit seinen Mitarbeitern für Ruhe und Ordnung sorgt, erklärte er, dass mit dieser Firmenneugründung auch bei ihm wieder Ruhe und Ordnung eingekehrt sei. Bisher konnte er seine Auftraggeber halten.

Mit dem Zuwachs in Muttenz stehen mittlerweile in allen Gemeinden am Stadtrand private Sicherheitsdienste im Einsatz. Im Kanton kaufen nur noch zwei Gemeinden, die eine eigene Gemeindepolizei haben, Leistungen bei der Kantonspolizei ein: Reinach und Therwil. Beide verlängern die Leistungsvereinbarung aus politischen und nicht aus wirtschaftlichen Überlegungen. Sie stufen den Bereich von Ruhe und Ordnung als Teil der Sicherheit und somit als Staatsaufgabe ein.

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