Von Valentin Kressler

Der Kontrast hätte nicht grösser sein können. Einträchtig sassen die Spitzen von CVP, FDP und LDP am Dienstag an der Medienkonferenz von CVP-Regierungsratskandidat Lukas Engelberger im Café Spitz nebeneinander.

Die SVP dagegen war einmal mehr nicht dabei. Sie hatte am Montag in einer kurzen Mitteilung den Rückzug ihres gescheiterten Kandidaten Eduard Rutschmann verkündet. Dennoch äusserte sie sich zuversichtlich, dass es bei künftigen Wahlen eine bürgerliche Zusammenarbeit geben werde. Die SVP-Strategen wissen: Nur mit einer Allianz mit CVP, FDP und LDP hat die Partei Chancen, einen Regierungssitz zu erobern. Anfang Jahr deutete vieles darauf hin, dass die traditionellen Bürgerlichen bereit sind, der SVP bei den Regierungsratswahlen 2016 einen Platz auf einem gemeinsamen Viererticket mit CVP, FDP und LDP zuzugestehen. Die vier Parteien würden sich annähern, berichtete die «Schweiz am Sonntag» im Februar.

Nun, nur drei Monate später, ist eine solche grosse bürgerliche Allianz bei den Wahlen 2016 wieder unwahrscheinlicher geworden. Mit ihrem Verhalten bei der Ersatzwahl für Carlo Conti (CVP) hat die SVP alles andere als Werbung in eigener Sache gemacht. Der frühere FDP-Regierungsanwärter Andreas Faller sagt: «Die SVP hätte nur mit einem Kandidaten antreten sollen, der auch ernsthafte Wahlchancen gehabt hätte. Das ständige Antreten mit Kandidaten, die weit abgeschlagen landen, wird mit der Zeit imageschädigend.»

Rutschmann war nicht der erste Bewerber. Mit dem Chirurgen Thomas Egloff präsentierte die SVP zuerst einen gänzlich unbekannten Kandidaten, der sich nur wenige Wochen nach der Nomination wieder zurückzog. Kein gutes Zeugnis stellt dies vor allem der von Parteistratege Joël A. Thüring präsidierten Findungskommission aus. Dies, zumal sich gemäss Informationen der «Schweiz am Sonntag» neben Egloff parteiintern noch zwei weitere Personen um eine Kandidatur beworben hatten. Thüring zieht Lehren aus dem Fiasko. «Ich werde sicher keine Kandidaten mehr zur Wahl empfehlen, die ich nicht seit Jahren kenne», sagt er. «Ich hätte auf mein Bauchgefühl achten sollen.»

Spätestens nach dem Rückzug von Egloff hätte der Vorstand die Notbremse ziehen müssen. Stattdessen stellte er Vizepräsident Rutschmann auf, der wenige Wochen zuvor bereits bei den Riehener Gemeinderatswahlen gescheitert war. Der pensionierte Grenzwächter vermochte im Wahlkampf keine inhaltlichen Akzente zu setzen. Er sorgte vielmehr für Kopfschütteln im bürgerlichen Lager, als er den abtretenden Conti als einzigen bürgerlichen Regierungsrat bezeichnete und gegen Verkehrsdirektor Hans-Peter Wessels (SP) eine Strafanzeige einreichte.

Kein Wunder, stand nicht einmal die SVP geschlossen hinter Rutschmann. Grossrat Roland Lindner unterstützte Engelberger und nicht seinen Parteikollegen. «Die Anforderungen, die an einen Regierungsrat gestellt werden, brauchen einen grösseren Rucksack», sagt Lindner. Er kritisiert zudem den Vorstand. Nach dem Rückzug von Egloff hätte er auf einen neuen Kandidaten verzichtet. «Es wäre erfolgversprechender gewesen, stattdessen einen Kandidaten für 2016 aufzubauen.»

Nach dem «desaströsen Wahlkampf» (BaZ) blieb dem Vorstand nach dem ersten Wahlgang gar keine andere Möglichkeit, als Rutschmann aus dem Rennen zu nehmen. Doch auch im Hinblick auf die zweite Wahlrunde sorgte die Parteispitze für Irritationen bei den traditionellen Bürgerlichen, indem sie auf eine Empfehlung zugunsten von Engelberger verzichtete. «Was die SVP damit meint, ist mir nicht ganz klar», sagt FDP-Präsident Daniel Stolz.

Gemäss offiziellen Aussagen der bürgerlichen Parteispitzen soll das Verhalten der SVP bei der Conti-Ersatzwahl keine Auswirkungen auf eine Zusammenarbeit bei den Wahlen 2016 haben. Stolz sagt: «Das Ziel muss es sein, dass wir mit einer starken, plausiblen Viererliste der vier Parteien antreten.» Und CVP-Interimspräsidentin Andrea Strahm ergänzt: «Ich hoffe, dass dies gelingt.» Hinter vorgehaltener Hand kommentieren Parteileitungsmitglieder das Verhalten der SVP allerdings kritisch. Die Partei habe «keinen guten Eindruck» gemacht, heisst es. Von «skurrilen» Auftritten ist gar die Rede.

SVP-Exponenten realisieren unterdessen, dass sich die Partei mit ihrer Gegenkandidatur zu Engelberger ins Abseits manövriert hat, sie machen sich gegenseitig Schuldzuweisungen. Bereits am Dienstag sagten zwei Grossräte im «Regionaljournal», sie hätten eine Wahlempfehlung für Engelberger begrüsst. Präsident Sebastian Frehner attackierte am Freitag in der «Tageswoche» die CVP. So wird die SVP nie mit den traditionellen Bürgerlichen zusammen an einer Medienkonferenz auftreten.

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