Von Valentin Kressler

Der Fussball kennt keine Pause. Nur eine Woche nach dem Final der Weltmeisterschaft in Brasilien startet die neue Saison der Schweizer Super League am kommenden Samstag mit dem Spiel Aarau gegen Meister Basel. Der Gästesektor im Aarauer Brügglifeld wird gesperrt sein. Dies hat die Disziplinarkommission der Swiss Football League entschieden, nachdem es in der letzten Saison im Mai bei der Begegnung der gleichen Teams zu massiven Ausschreitungen gekommen war. Nach dem Schlusspfiff stürmten Fans des FCB das Spielfeld und attackierten Anhänger der Aarauer.

Solche wüsten Szenen sind es, die den Befürwortern des verschärften Hooligan-Konkordats in den beiden Basel Auftrieb geben. «Ich habe die Schnauze voll von diesen Chaoten», sagt Remo Gallacchi. Fraktionspräsident der CVP/EVP im Basler Grossen Rat. Und der Baselbieter SVP-Landrat Georges Thüring doppelt nach: «Das Ansehen des Sports muss wieder gestärkt werden.»

Gemäss Informationen der «Schweiz am Sonntag» engagieren sich Gallacchi und Thüring in einem Komitee, das in Basel-Stadt und Baselland den Beitritt zum Konkordat mit Volksinitiativen erzwingen will. Das Hooligan-Konkordat sieht mehrere Massnahmen vor, um Fangewalt zu bekämpfen, nicht zuletzt erweiterte Rayonverbote und Ausweiskontrollen.

Jetzt ist klar: Die Befürworter sind startbereit. Gemäss Recherchen sollen die Initiativen und deren Unterstützer unmittelbar nach den Sommerferien an einer Medienkonferenz präsentiert werden. Treibende Kräfte sind Landrat Peter H. Müller (CVP) und Grossrat Joël Thüring (SVP). Dem Komitee gehören vor allem Exponenten von CVP und SVP an. Dabei sind aber auch Politiker von FDP und EVP. In Basel-Stadt wird die Initiative unterstützt von Helmut Hersberger (FDP), Pasqualine Gallacchi (CVP) und Toni Casagrande (SVP), in Baselland von Sabrina Corvini (CVP) und Elisabeth Augstburger (EVP).

Hoffnungen setzten die Initianten auch auf den früheren Basler Sicherheitsdirektor Hanspeter Gass (FDP), der das Konkordat stets befürwortete. Gass erteilte ihnen aber eine Absage. Er bleibe seinem Grundsatz treu und werde sich nicht in das politische Tagesgeschäft einmischen, sagt er. Anfang Jahr hatte er dies allerdings getan, als er im Komitee gegen die Frauenquote mitwirkte.

Mit den Initiativen sollen Entscheide der Parlamente umgestossen werden. Der Basler Grosse Rat hat sich im Dezember 2013 mit 69 gegen 13 Stimmen gegen das Hooligan-Konkordat ausgesprochen. Noch deutlicher fiel der Entscheid im Baselbieter Landrat aus, der im Januar 2014 mit 72 gegen 10 Stimmen dagegen war. Für das Konkordat engagierten sich damals vor allem die Fraktionen von CVP/EVP. Die Befürworter standen im Grossen Rat und im Landrat von Anfang an auf verlorenem Posten. Im Vorfeld der beiden Parlamentsdebatten hatte sich das überparteiliche Komitee «Nein zur Konkordats-Verschärfung» gebildet, dem aktuell 94 Politiker aller Lager aus Stadt und Land angehören. Angeführt wird das Komitee von Grossrätin Kerstin Wenk (SP) und Landrat Balz Stückelberger (FDP). Die Gegner befürchten Eingriffe in die Grundrechte und werfen den Befürwortern Angstmacherei und Populismus vor. Mit dem Konkordat könne Fangewalt nicht verhindert werden. In Basel habe man die Situation zudem im Griff.

Die beiden Basel sind in Sachen Hooligan-Konkordat ein Sonderfall. Aktuell haben 16 Kantone das Konkordat gutgeheissen. Zu einer Volksabstimmung kam es zuletzt im Kanton Solothurn. Im Mai stimmten 86 Prozent dem Konkordat zu. Ähnlich hohe Zustimmungen gab es in Bern und Zürich.

Vor diesem Hintergrund äussern Politiker anderer Kantone immer wieder ihr Unverständnis über die Basler. Der Zürcher Sicherheitsdirektor Mario Fehr (SP) etwa forderte nach dem Zürcher Ja im Juni 2013 von den Baslern, die Vorlage nicht im Parlament zu versenken, sondern ebenfalls eine Volksabstimmung durchzuführen. Dass die beiden Basel in dieser Frage schweizweit isoliert sind, ist für die Befürworter mittlerweile eines der gewichtigsten Argumente. FDP-Grossrat Hersberger sagt: «Ich sehe nicht ein, weshalb in Basel eine andere Regelung gelten soll.»

Die Lancierung der Initiativen wurde eigentlich früher erwartet. CVP-Landrat Müller hatte sie erstmals vor einem halben Jahr, nach der Landratsdebatte Mitte Januar, angekündigt. Grund für die Verzögerung sind längere rechtliche Abklärungen, da es aussergewöhnlich ist, mit einer Initiative einen Beitritt zu einem Konkordat zu verlangen.

Die Befürworter äussern sich zuversichtlich, dass die Bevölkerung auch in der Fussballregion Basel dem Konkordat zustimmen wird. EVP-Landrätin Augstburger sagt: «Das Volk entscheidet ja nicht immer gleich wie das Parlament.» Und CVP-Grossrat Gallacchi ergänzt: «Meiner Meinung nach sind die Chancen sehr intakt. Vor allem wenn es in den nächsten Monaten zu weiteren Ausschreitungen kommen sollte.» Am Samstag steht der Schweizer Fussball mit dem Spiel Aarau gegen Basel bereits vor der nächsten Bewährungsprobe.

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