Es klingt eher nach einem Seniorenausflug als nach dem einst gefürchtetsten Baselbieter Jugendanlass. «Wer am 1. Mai mitkommen will, der bringt selber einen Abfallsack mit», sagt der Organisator des diesjährigen Harassenlaufs, der anonym bleiben will. «Wir wollen keinen Dreck hinterlassen.» Solche Probleme hätte die Baselbieter Sicherheitsdirektion 2009 gerne gehabt: Damals mündete der Anlass in einer Messerstecherei zwischen Betrunkenen. Für die folgenden Jahre wurden restriktive Regeln aufgestellt. Ein Alkoholverbot zwang die Bierläufer gar, von der ursprünglichen Route zwischen Reinach und Münchenstein abzuweichen.

Die Routenänderung nahm den Jugendlichen die Lust am Besäufnis. Die Teilnehmerzahl sank jährlich. Zu Spitzenzeiten liefen rund 3000 mit, 2014 waren es noch rund 50. Für den Organisator ist das kein Problem. «Es ist besser, wenn der Harassenlauf klein ist und wir den Überblick nicht verlieren.»

Auch die Vernunft der verbliebenen Bierläufer hat dazu geführt, dass die Regeln gelockert worden sind. Reinach und Münchenstein verzichten beispielsweise auf Alkoholverbotszonen. Weiterhin tabu sei aber das Gebiet um die «Grün 80», betont Adrian Baumgartner, Sprecher der Baselbieter Sicherheitsdirektion. Dort fand 2009 die Messerstecherei statt. Baumgartner empfindet es zudem als «irreführend», im Zusammenhang mit dem Bierlauf von einem Organisator zu sprechen. «Ein solcher hat sich auch dieses Jahr nicht gemeldet, demzufolge ist ein solcher Anlass auch nicht bewilligungsfähig.» Gemäss den Polizeireglementen von Münchenstein und Reinach müssen Anlässe mit über 200 Personen gemeldet werden. Von einer solchen Teilnehmerzahl geht der Organisator nicht aus: «Wir machen keine Werbung. Ich rechne mit rund 50 Leuten, die um 14 Uhr mit mir loslaufen werden.»

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