W enn es um Geld geht, dann geht es Stefan von Bartha wie so vielen Galeristen: Sie sprechen nicht gerne darüber. «Die Preise lenken nur vom Eigentlichen ab, der Kunst», sagt er. Besonders in diesem Jahr hat er, der stundenlang über Kunst sinnieren kann, einen schweren Stand. Zu reden geben die Preise des entrückten Markts, unter anderem Rekorde wie die Auktionspreise für Picassos «Les femmes d’Algers» (179 Millionen Franken) oder Giacomettis «Zeigender Mann» (141 Millionen).

Kaum einer kann so gut beurteilen, wie sehr sich der Kunstmarkt verändert hat wie der Basler. Nächste Woche trifft man den 34-Jährigen zum 34. Mal an der Art Basel an. Schon als Säugling nahmen ihn seine Eltern mit an die damals noch provinzielle Kunstausstellung. Als kleiner Knirps durfte er später beim Aufbau des Stands mithelfen. «Wir packten die Kunstwerke in unseren weissen Volvo und fuhren einfach vor den Messeeingang.» Danach hätten sie die Bilder unter den Arm genommen und seien die Treppe zum Stand hochgestiegen. «Das machte man auch mit Warhols so – heute völlig undenkbar», sagt von Bartha mit einem Lachen.

Selbst in der Pubertät, als er sich von seinen Eltern loslösen und eine Designerkarriere lancieren wollte, blieb die Art Basel das Jahreshighlight – wegen der Partys. Nachdem er 2008 bei der renommierten Galerie seiner Eltern Miklos und Margareta eingestiegen war, wurde aus dem Spass harte Arbeit. Statt eines Partylebens hat er sich nun strenge Askese verordnet. «Die Art ist für mich eine absolut alkoholfreie Zeit.» Sonst sei der Marathon zwischen Verkauf, Apéros und Stelldicheins nicht zu bewältigen.

Den Wandel der Kunstszene fasst von Bartha in ein paar wenige Worte. «Es gibt zu viele Galeristen und zu viele Künstler – und zu wenig Sammler.» Wenige könnten mit der Kunst gutes Geld verdienen. Ein Grossteil aber bleibe auf der Strecke. «Wenn ich Abschlussklassen der Kunsthochschule in meiner Galerie empfange, dann habe ich schon ein mulmiges Gefühl. Man denkt sich: Rechnerisch wird nur ein Einziger dieser Klasse sein Einkommen mit der eigenen Kunst verdienen können.» Unter den Galeristen wird ein ähnlicher Konkurrenzkampf geführt. Darüber darf nicht hinwegtäuschen, dass sich auch heuer über 800 Galerien für die 300 Plätze an der Art beworben haben.

2015 reisen die Galeristen mit einem besonderen Druck ans Rheinknie. Der starke Frankenkurs verteuert den Aufenthalt um fast ein Viertel im Vergleich zum Vorjahr. Kommt hinzu, dass die Standmieten just in diesem Jahr um 30 Franken pro Quadratmeter aufgeschlagen haben. Für einen mittelgrossen Auftritt muss mit rund 60 000 Franken alleine für die Miete gerechnet werden. Vom finanziellen Druck sprechen die Galeristen indes nicht gerne. Man kann öffentlich keine Schwäche zeigen, wenn man gleichzeitig der Kunstwelt signalisieren will, welch aufstrebende Künstler man im Sortiment hat.

Auf Anfragen zur Frankenstärke und den erhöhten Standmieten reagieren die ausländischen Galerien denn auch betont gelassen. Ina Schmidt-Runke, Direktorin der Galerie Kicken Berlin, steht mit ihrer offiziellen Aussage stellvertretend für viele Berufskollegen an der Art: «Unsere Galerie nimmt seit den 70er-Jahren regelmässig an der Art Basel teil, immer mit wirtschaftlich für uns positiven Ergebnissen.» Unerwähnt bleibt, dass viele Galeristen ihre Angestellten in Billigabsteigen übernachten lassen und sich einige Aussteller mit ihren Angestellten sogar das Bett teilen. Zu Kritik an der Preispolitik der Art Basel lässt sich sowieso niemand hinreissen: Man will sich nicht anlegen und womöglich noch den umworbenen Platz verspielen.

Stefan Von Bartha kennt die Existenzängste nur zu gut. Nachdem er von seinen Eltern die Galerie übernommen habe, sei das Geschäft harzig angelaufen. «In den ersten vier Ausstellungen, die ich hier am Kannenfeldplatz hatte, verkaufte ich kaum ein Bild.» Die Leute hätten ein verzerrtes Bild des Galeristenlebens gehabt. Sie liessen sich von den nackten Zahlen blenden. «Wer 100 000 Franken für ein Bild bekommt, der muss doch reich sein, denken sie.» Doch von den 100 000 Franken blieben noch gerade 8000 bis 10 000 Franken, sagt von Bartha; der Rest gehe unter anderem für die Versicherung und den rund 50-prozentigen Anteil des Künstlers weg. Wer wie von Bartha zwei Galerien mit acht Angestellten hat, steht ziemlich unter Verkaufsdruck. Auf den Messen in Mexiko und Basel muss er jährlich 150 bis 200 Bilder verkaufen. Von Bartha hat das Glück, zeitgenössische Künstler wie Terry Haggerty oder Imi Knoebel im Angebot zu haben, die fünf- bis sechsstellige Beträge einbringen. Das Werk des momentan heiss gehandelten Jesus Rafael Soto dürfte ihm gar über eine Million bringen.

Und wenn es einem Galeristen gut läuft, darf er auch gelegentlich auf sein Herz hören. Im vergangenen Jahr verweigerte von Bartha erstmals den Verkauf von Bildern. «Es war leicht ersichtlich, dass der Käufer einzig die Wertsteigerung der Werke im Kopf hatte. Er hätte sie wahrscheinlich im Keller aufbewahrt.» Von Bartha weiss, dass solcher Idealismus im Haifischbecken der heutigen Kunstszene Luxus ist. Er sagt: «Was morgen ist, kann ich nicht sagen. Aber heute schätze ich mich glücklich, dass ich in erster Linie Kunstsammler sein kann und nicht Geschäftsmann sein muss.»

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