Herr Settelen, Ihre Vorgängerin Miriam Blocher hat als Präsidentin von Pro Innerstadt ein einziges Interview gegeben. Sie haben sich nun zu Ihrem ersten Interview bereit erklärt, bevor Sie überhaupt gewählt sind. Werden Sie einen offensiveren Kurs einschlagen?
Balz Settelen: In erster Linie soll der Geschäftsführer Mathias Böhm als Mister Pro Innerstadt in Erscheinung treten. Frau Blocher hat diese Rollenverteilung sehr konsequent durchgeführt . . .

. . . zu konsequent?
Sie müssen sehen: Vor vier Jahren wurde Pro Innerstadt professionalisiert. Der Verein erhielt einen vollamtlichen Geschäftsführer mit Sekretariat. Es war deshalb richtig, dass Frau Blocher ihm das Terrain in den Medien überlassen hat. Ich behaupte, dass Mathias Böhm deshalb heute in Basel bekannt ist. Man weiss, wer er ist. Da er nun etabliert ist, werde ich als Präsident – falls ich gewählt werde – eine aktivere Rolle als Frau Blocher einnehmen können. Aber auch ich werde ihn im Vordergrund lassen. Das schliesst jedoch nicht aus, dass ich mehr als ein Interview geben werde.

Pro Innerstadt hat sich neu positioniert. Ihr Vor-Vorgänger Urs Welten hatte eine autofreie Mittlere Brücke bekämpft. Vor drei Jahren warb der Verein nun aber an einem Medienauftritt der Regierung für das neue Verkehrskonzept. War das ein Fehler?
Die Fehler liegen vor allem in der Umsetzung. In allen anderen Städten hat man zuerst die Voraussetzungen geschaffen: Man hat Parkhäuser in der Peripherie gebaut, wo man das Auto auf dem Weg in die Stadt abstellen kann. Wir hingegen sperren alle Strassen, bieten aber nicht genügend Parkplätze an. Es kann doch nicht sein, dass es zwanzig Jahre dauert, bis das Parkhaus im St. Albangraben gebaut wird.

Diese Voraussetzungen waren aber bekannt, als Pro Innerstadt für das Verkehrskonzept geworben hat. Viele Ladenbetreiber fühlen sich deshalb von Ihrem Verein im Stich gelassen.
Verantwortlich ist aber nicht Pro Innerstadt, sondern die Politik. Ich kann jedoch verstehen, dass sich Ladenbetreiber nerven. Das Hauptproblem liegt bei den Ämtern im Justizdepartement. Offenbar benötigt man x Formulare, um eine Ausnahmebewilligung zu erhalten. Ich kann nicht verstehen, dass man noch kein schlankes Online-Angebot für das Bewilligungswesen eingerichtet hat. Es braucht radikale Vereinfachungen.

Verantwortlich dafür wäre der Sohn Ihres Kanzleipartners David Dürr.
Ich glaube nicht, dass Baschi Dürr schuld daran ist. Aber ich will keine Noten verteilen. Jeder schiebt derzeit dem anderen die Schuld zu.

Was fordern Sie von der Politik?
Neben einfacheren Zufahr-Bewilligungen für die Ladenbetreiber sollte man auch den Konsumenten entgegenkommen. In den Parkhäusern des Kantons sollte die erste Stunde gratis sein. Dafür werde ich mich einsetzen. Das wäre ein Anreiz, damit mehr Leute in die Stadt kommen.

Ist es Aufgabe des Staates, dem Detailhandel Gratis-Parkplätze zur Verfügung zu stellen?
Grundsätzlich nein. Aber diese Parkplätze existieren ja bereits und es würde sich ja nur um eine Stunde handeln. Zudem subventioniert man den öffentlichen Verkehr massiv. Damit Basel attraktiv bleibt, muss man auch den Individualverkehr unterstützen.

Aber es ist doch nicht sinnvoll, wenn die Leute von Reinach oder Pratteln mit dem Auto in die Stadt zum Einkaufen fahren.
Grundsätzlich haben Sie recht. Jeder Konsument soll das aber für sich selber entscheiden können.

Der Grosse Rat behandelt kommende Woche eine Motion der SVP, welche die Ladenöffnungszeiten um zwei Stunden verlängern will. Sind Sie dafür?
Ja. Mein Credo ist: Jeder Geschäftsinhaber soll dann geöffnet haben dürfen, wenn er meint, Kundschaft zu haben.

Schluss mit Ladenschluss?
Man hat mal darüber abgestimmt und das Volk hat Nein gesagt. Deshalb ist das derzeit politisch kein Thema. Aber ja, grundsätzlich bin ich der Meinung, dass wir kein Ladenschluss-Gesetz brauchen.

Alle paar Jahre stimmt Basel über liberalere Ladenöffnungszeiten ab. Jedes Mal gibt es ein Nein.
Das stimmt nicht ganz. Wir sind weiter als vor zwanzig Jahren. Damals schloss jedes Geschäft um halb sieben Uhr abends und am Samstag bereits um vier Uhr. Eine gewisse Liberalisierung hat also stattgefunden. Andere Städte sind aber weiter und schneller. Deshalb muss man auch in Basel aktiv bleiben. Steter Tropfen höhlt den Stein.

Wünscht der Basler Detailhandel diese Veränderung überhaupt? Zumindest einige kleinere Geschäfte wehren sich.
Der Basler Detailhandel ist keine homogene Interessengruppe. Kleine Geschäfte haben andere Interessen als Grossverteiler. Deshalb ist es am besten, wenn jeder selber entscheiden kann, was für ihn am besten ist.

Kleine Unternehmen können dadurch in Bedrängnis geraten.
Kleine Betriebe sind mit dem Personal sicher enger dran. Sie können sich nicht gleich lange Öffnungszeiten leisten wie grosse Betriebe. Das müssen sie aber auch nicht. Es macht keinen Sinn, wenn jeder Laden schon frühmorgens geöffnet hat.

Wären einige Läden, die rund um die Uhr geöffnet haben, für Basel eine Bereicherung?
Ja. Für den Konsumenten wäre das angenehm. Ich geniesse es mit meiner Familie immer, wenn wir in New York sind und vietnamesische Läden rund um die Uhr geöffnet sind. Die Nachfrage danach wäre in Basel jedoch nicht gross. Es wären wohl nur einige wenige Läden, die nachts geöffnet hätten.

Vor zehn Jahren kandidierten Sie für die LDP erfolglos für den Grossen Rat. Werden Sie es wieder versuchen?
Nein, das schliesse ich aus. Dafür habe ich neben meiner Arbeit als selbstständiger Anwalt keine Zeit mehr.

Wieso werden Sie stattdessen lieber Pro-Innerstadt-Präsident?
Die zeitliche Belastung ist geringer. Ich fühle mich mit der Stadt Basel sehr verbunden. Als Student habe ich jahrelang Stadtführungen für Ausländer gemacht. Ich wollte schon damals zeigen, dass die Stadt etwas zu bieten hat. Mit meinem neuen Amt will ich mich dafür einsetzen, dass Basel seine jahrhundertealte Zentrumsfunktion weiterhin wahrnehmen kann.

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