Lara bellt übermütig. Plötzlich schert sie aus, schnuppert aufgeregt am Gras und den Sträuchern am Wegrand. Ein Fest für ihre Nase: Der Allschwiler Wald riecht nach saftigem Grün, nach Wildsaukot und anderen Hunden. Die Freude währt nur kurz. «Lara, was soll das?» Das Herrchen zieht die Leine an. Während der Brutzeit ist es Hunden verboten, frei im Wald herumzulaufen. So sollen Wildtiere wie Rehe, Hasen oder Wildschweine geschützt werden. Die Leinenpflicht gilt im Kanton Baselland jeweils vom 1. April bis 31. Juli. Trotzdem kommt es vor, dass Wildtiere von Hunden gerissen werden. Pascal Cueni, Präsident von Jagd Baselland, spricht von 20 bis 80 Fällen pro Jahr.

Laras Herrchen heisst Josef Giger, der Allschwiler Wald ist sein Revier. Ein riesiges Gebiet: Die 250 Hektaren entsprechen 350 Fussballfeldern, der Allschwiler Wald gehört zu den meistbesuchten Spazierwäldern der Schweiz. Giger ist seit drei Jahren bei der Fluraufsicht tätig und rapportiert an die Gemeindepolizei. Der 64-jährige Pensionär, der 40 Jahre in der Basler Chemie tätig war, teilt sich den Job mit Alfred Gambon, je 560 Stunden jährlich patrouillieren die beiden. Während der Förster für die Waldpflege verantwortlich ist, sorgen Giger und Gambon für Ruhe und Ordnung, etwa, dass Abfall nicht illegal entsorgt wird oder Velofahrer nicht auf Trampelpfaden unterwegs sind. Und dass die Hunde angeleint sind.

Es ist 9 Uhr früh, Zeit für eine Patrouille. Giger kommen andere Hündeler entgegen, er hebt zum Gruss den Hut. Alle Tiere sind an diesem Morgen angeleint. Giger sagt, dem sei nicht immer so, «leider». Es komme vor, dass Hunde frei herumlaufen oder sich losreissen würden. «Ich gehe dann nicht mit dem Mahnfinger auf die Leute zu, sondern weise sie freundlich auf die Pflicht hin.» Viele Halter würden sich ahnungslos geben oder beteuern, ihr Hund sei ein ganz lieber und würde nicht Jagd auf Wildtiere machen. Diese Haltung sei naiv, sagt Giger. «Man kann das Wildern nie ausschliessen, das ist der Instinkt des Tieres.»

Beim ersten Mal drückt Giger oftmals ein Auge zu. Bei Wiederholungstätern kennt er kein Pardon: Er nimmt die Personalien auf und schreibt eine Verzeigung, die er an die Gemeindepolizei weiterleitet. Deren Leiter Andreas Meyer sagt, dass in Allschwil jährlich zwischen 5 und 15 Bussen an fehlbare Hundehalter erteilt würden. Für den Verstoss wird ein Bussgeld von 40 Franken ausgesprochen. Bei wildernden Hunden kann es richtig teuer werden. Die Höhe des Bussgeldes würde von Fall zu Fall festgelegt, so Meyer.

Der Allschwiler Gemeinderat Thomas Pfaff, zuständig für Sicherheit, sagt, die Information im Dorf funktioniere, die Einwohner wüssten über die Regeln im Wald Bescheid. Jedes Jahr erhielten die 750 Allschwiler Hundehalter mit der Gebührenrechnung ein Merkblatt, welches einen Hinweis zur Leinenpflicht enthält. Zusammen mit der Beschilderung und der Präsenz der Fluraufsicht könne es fast gänzlich vermieden werden, dass wildernde Hunde im Wald unterwegs seien. Wenn Auswärtige gegen die Leinenpflicht verstossen und sagen, sie wüssten nichts von den Regeln, kann das Giger nur selten nachvollziehen: «Der Wald ist gut beschildert.» Ein weiteres Problem seien Dogsitter aus der Stadt, sagt Giger. «Diese Hundehüter sind oft mit vier oder gar mehr Hunden unterwegs. Das Risiko, dass sich ein Hund losreisst, ist hier deutlich grösser.»

giger stellt fest, dass sich mit dem Beginn der Leinenpflicht die Anzahl Besucher im Allschwiler Wald jeweils halbiere. Ausweichmöglichkeiten gibt es: Im Kanton Basel-Stadt gilt keine Leinenpflicht. In den Langen Erlen wird lediglich mit Plakaten auf Wildtiere hingewiesen und Hundehalter dazu angehalten, auf den offiziellen Wegen zu bleiben. Michel Laszlo vom Veterinäramt Basel-Stadt sagt, das funktioniere gut. Tatsächlich nehme die Zahl der Hundehalter aus dem Nachbarkanton mit dem Beginn der Brutzeit zu. «Von Hundetourismus kann man aber nicht reden.»

Langweilig wird es Josef Giger trotzdem nicht. Er wird weiter mit Lara seine Runden drehen. «Im Allschwiler Wald gibt es immer etwas zu tun.»

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