Noch vor einer Woche sagte der Basler Wirtschaftsdirektor Christoph Brutschin der «Schweiz am Sonntag», ein Rückkauf des Hauptpost-Gebäudes durch den Kanton sei «kein Thema». Nun scheint der Wind gedreht zu haben. An der Demonstration der SP Basel-Stadt gegen die Schliessung der Hauptpost gestern an der Freien Strasse hielt Brutschin fest: «Der Mietvertrag der Post läuft im Jahr 2018 aus, eine neuerliche Anpassung des Mietzinses steht an.» Die Regierung werde deshalb in den nächsten Tagen das Gespräch mit der jetzigen Eigentümerin, der Axa Winterthur, suchen, «denn hier liegt der Schlüssel zur Lösung. Wir wollen auch die Möglichkeit eines Rückkaufs auf den Tisch bringen.» Für diese Aussage erntete Brutschin unter den rund 250 Anwesenden tosenden Applaus. Bis 1904 hatte sich die Liegenschaft schon einmal im Besitz des Kantons befunden, ehe sie der Eidgenossenschaft verkauft wurde.

Bedenken, wonach mit einem solchen Schritt am Ende der Steuerzahler die Post subventionieren würde, weil ihr der Kanton einen günstigen Mietzins gewähren würde, wurden am Rande der Demonstration zerstreut. Etwa von Baudirektor Hans-Peter Wessels (SP): «Eine Möglichkeit wäre zum Beispiel, im Gebäude nebst dem Postgeschäft auch kantonale Dienstleistungen anzubieten.» Das könnte beispielsweise die Einwohnerkontrolle sein oder auch die Informationsstelle von Basel Tourismus. Noch sei es aber zu früh, um in dieser Sache ins Detail zu gehen. Eine Demonstrations-Teilnehmerin sagte dazu: «Und auch wenn wir Steuerzahler etwas dazu beitragen müssten: Mir ist das immer noch lieber als ein Lidl in diesem altehrwürdigen Gebäude!» Der Discounter hatte gegenüber der «Basler Zeitung» angetönt, dass er sich für die Lokalität interessiere.

«Die Stadt hat genug Geld»
SP-Grossrätin Sarah Wyss hält, sofern die Axa denn bereit wäre, zu verkaufen, den Erwerb des Gebäudes durch den Kanton für eine «sehr gute Idee. Die Stadt hat genug Geld», sagte sie. Wyss hatte vor zwei Wochen einen Anzug eingereicht, in dem sie den Regierungsrat auffordert, sich generell gegen Poststellenschliessungen zur Wehr zu setzen, sollten sie zum Abbau des Service public in den Quartieren führen. Dieser Anzug wurde auch von bürgerlichen Exponenten wie Joël Thüring (SVP) unterschrieben. Dieses Lager blieb der Demonstration am Samstag allerdings fern; es wurde im Vorfeld moniert, dass man von der SP zur Teilnahme nicht angefragt worden sei. LDP-Präsidentin Patricia von Falkenstein sagte, die Sache werde für politische Propaganda missbraucht.

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