Von Sylvia Scalabrino

Bis vor kurzem war die 52-jährige Lausener Landrätin nahezu unbekannt, obwohl sie seit 2005 im Parlament sitzt. Daniela wie?, fragten sich auch regelmässige Beobachter der Baselbieter Politszene vor ihrer Wahl zur Präsidentin diesen Juni. Die Mutter dreier erwachsener Kinder politisierte im üblichen Mainstream der SVP. Für den BLT-Verwaltungsratssitz fehlte ihr der überparteiliche Support und aufs falsche Abstimmungsknöpfchen im Landrat soll sie auch mal gedrückt haben. Aber sonst? Vollkommen unauffällig.

Kurz vor ihrer Wahl zur Landratspräsidentin zeichneten Medien von ihr noch ein überaus liebevolles Bild: Sie sei zwar kein «Schwergewicht», aber «jugendlich» wirke sie. Habe «eine direkte Art», sei «viel zu anständig», um eine Scharfmacherin zu sein, überzeuge mit «Herzlichkeit und gewiss auch Bescheidenheit», sei zielstrebig und, wie die «Basler Zeitung» Ende Juni noch schrieb: «in allen politischen Lagern geachtet, ja, man könnte fast schon sagen beliebt».

Wenige Wochen später hat der Wind gedreht. Gaugler soll ihr «Bed and Breakfast» in Lausen zonenwidrig für Dauergäste an den behördlichen Auflagen vorbeigeschummelt, die Brüder ihres Mannes in einem Erbstreit übers Ohr gehauen und das Gipsergeschäft ihres Mannes an die Wand gefahren haben. Die B&B-Sache liegt zwecks Abklärung bei den Behörden. Die Betreibung wird privatrechtlich erst geklärt. Für die betrieblichen Anschuldigungen in der BaZ gibt es einen einzigen 79-jährigen Kronzeugen. Andere nicht genannt sein Wollende haben schon immer vom zweifelhaften Charakter der Politikerin gewusst. «Beliebt» ist relativ. Die Gauglers scheinen sich mit zahlreichen Leuten verkracht zu haben. Verboten ist das nicht, aber unangenehm, wenn die ehemalige Entourage Dreck schleudert.

Am Donnerstag hat sie ihre Landratskollegen schriftlich informiert, am Freitag das erste Mal seit Tagen persönlich gegenüber ausgewählten Medien Stellung genommen. Sekundiert von Mann und Tochter liest sie zu Beginn von handgeschriebenen Notizen ab und stellt der «Schweiz am Sonntag» gegenüber klar, was sie schon den Kollegen mitgeteilt hat: Sie sei sich keines Fehlers bewusst, verfüge über entsprechende Nutzungsbewilligungen für ihre Etablissements, die ganzen Geschichten seien Privatsache und Rücktritt komme nicht infrage. Das verbiete ihr ihre «Kämpfernatur», sagt sie. Die Kämpfernatur mag man ihr angesichts der brüchigen Stimme nicht ganz abnehmen. Der Druck hat ihr sichtlich zugesetzt.

«Die Attacken richten sich gegen die Partei», ist SVP-Parteipräsident Oskar Kämpfer überzeugt. Und hat bei der BaZ und der bz interveniert. Er hat für die vorübergehend abgetauchte Gaugler gesprochen, bevor Mann und Tochter jetzt mit ihr auftreten. «Es geht in Richtung Rufmord und Hexenjagd», sagt FDP-Fraktionspräsident Rolf Richterich. Und Siro Imber, ihr FDP-Kollege im Landratsbüro: «Das ist eine gefährliche Entwicklung. Wenn das so weitergeht, wird man niemanden mehr finden, der sich für Politämter zur Verfügung stellt.» Zahlreiche andere von der «Schweiz am Sonntag» angefragten Politikerinnen und Politiker, quer durch die Parteien, schauen der Demontage der höchsten Politikerin im Baselbiet aus der Deckung heraus zu. FDP-Parteipräsidentin Christine Frey zum Beispiel, CVP-Präsident Marc Scherrer oder SP-Präsidentin Pia Fankhauser. Bis gesicherte Fakten auf dem Tisch liegen, ist man zurückhaltend. Die SVP habe ihre Personalprobleme schliesslich selber verschuldet und müsse sie selber lösen. Nur die Grüne Marie-Theres Beeler wagt eine deutliche Kritik am Kommunikationsfiasko der letzten Tage.

Am nächsten Dienstag tagt die SVP-Parteileitung zur Causa Gaugler. Sie und die meisten Politiker interessiert vor allem die B&B-Geschichte. Eine Landratspräsidentin, die sich nicht an Bauvorschriften hält? Geht gar nicht, da sind sich alle einig, und das hat auch Kämpfer durchblicken lassen. Ergebnisse sind allerdings nicht zu erwarten. Die Baselbieter Baudirektion braucht für die Abklärungen viel Zeit, vielleicht auch Gutachten. Zudem ist eine Verfügung anfechtbar. Nicht ausgeschlossen, dass Gaugler am 4. September das Landratsglöckchen läutet, während die Baselbieter Gemeinde- und Kantonsbehörden noch immer über ihrer eigenen Bewilligungspraxis brüten. Vier Tage später steht Gaugler vor Gericht in einer privaten Erbsache und muss sich dann wohl einem Pulk von Journalisten stellen. Es gebe, hat sie uns gesagt, da sicher auch eine Hintertüre.

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