Im August ist im Baselbiet ein neues Informatikzeitalter angebrochen. Sämtliche Sekundarschulen und Gymnasien im Kanton arbeiten neu mit der Schuladministrationslösung SAL. Die Software erfasst die Daten von Klassen wie etwa die Noten und Absenzen der Schüler oder die Arbeitspensen der Lehrer und verknüpft die Daten mit dem System der kantonalen Verwaltung. Die Schulleitung, Lehrer, Schüler und Eltern können auf die für sie vorgesehenen Daten jederzeit zugreifen. Bis heute arbeitete jede Schule mit einem eigenen EDV-System.

Der Landrat hatte für SAL vor drei Jahren 5,3 Millionen Franken bewilligt. Der damalige Bildungsdirektor Urs Wüthrich schwärmte: «Die Lehrer werden in ihren administrativen Aufgaben entlastet, Arbeitsabläufe werden effizienter.» SAL vernetze alle Schulstufen inklusive Primar.

Während SAL für die kantonalen Sekundarschulen und Gymnasien obligatorisch ist, entscheiden die Gemeinden, ob ihre Primarschulen mitmachen oder nicht. Der Kanton ging von dreissig Gemeinden aus, die sich anschliessen. Dies hätte Einnahmen von 400 000 Franken bedeutet, da die Software für Primarschulen kostenpflichtig ist. Nun sind es nur vierzehn Gemeinden. Damit haben sich die Einnahmen für den Kanton halbiert. SAL-Projektleiter Christoph Straumann sagt, viele Gemeinden hätten sich aus Kostengründen gegen SAL entschieden, etwa Allschwil. Roland Gindrat, Schulleiter Kindergarten und Primarschule der Gemeinde, sagt, habe man sich einen Rabatt erhofft: «Schliesslich werden alle Daten, die wir auf Primarstufe erfassen, von der Sekundar ohne Aufwand und Zusatzkosten übernommen.» Hier habe Allschwil eine Absage erhalten. Dies sei aber nur ein Grund, der gegen SAL spreche.

Lücken im Angebot
Viel schwerer wog für Allschwil die Tatsache, dass «SAL für schulnahe Angebote wie Musikschule oder Tagesstrukturen keine Anwendungstools bietet», sagt Gindrat. Man habe dies beim Kanton ohne Erfolg bemängelt. Straumann sagt dazu, dass diese Angebote nicht Bestandteil der bewilligten Landratsvorlage seien. «Im Rahmen einer neuen Vorlage kann die Einführung weiterer Tools geprüft werden.» Zu spät: Allschwil arbeitet neu mit der Software Scolaris, die laut Gindrat schulnahe Angebote berücksichtige.

Nicht nur manche Gemeinde, auch die Lehrer sind wenig begeistert von SAL. Entgegen Wüthrichs Versprechen habe der administrative Aufwand zugenommen, sagt eine Lehrperson zur «Schweiz am Sonntag». Es bedeute eine «riesige Mehrarbeit», die vom Erfassen der Noten bis hin zur Verwaltung der Klassenkasse reiche. «Entsprechend müssen gewisse Lehrer fast dazu geprügelt werden, das Amt des Klassenlehrers anzunehmen.» Mit SAL hätten viele Kollegen ausserdem das Gefühl, hinsichtlich Pensen- oder Klassengrösse-Erfassungen unter Beobachtung zu stehen, sagt der Lehrer. «Es ist niemandem wirklich klar, wie tief die Bildungsdirektion Einblick in die Daten erhält.» Die volle Transparenz, die SAL mit sich bringe, bedeute auch volle Kontrolle.

Die Frage, auf welche Daten der Kanton Zugriff habe, beantwortet Straumann vage: «Die einzelnen Berechtigungen richten sich nach dem Gesetz über die Information und den Datenschutz, das eingehalten wird.» Tobias Schnelli von der Aufsichtsstelle Datenschutz Baselland stellt fest, der Kanton habe entgegen der Richtlinien das Projekt nicht vor der Einführung vorgelegt. Nun befinde sich die SAL auf dem Radar für allfällige Kontrollen. Noch habe man keine entsprechenden Anfragen von Lehrern, Eltern oder Schülern erhalten. «Wir gehen davon aus, dass dies bald geschehen wird.»

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