Der Baselbieter SP-Nationalrat Eric Nussbaumer hat für sich eine eigene Berufsbezeichnung erfunden: «Sozialunternehmer». Doch nun startet er einen beruflichen Neustart. Er sagt, er werde in den kommenden Monaten die meisten seiner Verwaltungsrats- und Vorstandsmandate abgeben. Konkret wird er nicht, die entsprechenden Gremien seien jedoch informiert. Seit elf Jahren sitzt er etwa im Verwaltungsrat der Alternativen Bank Schweiz, die kommende Woche mit einem Betriebsausflug ihr 25-Jahr-Firmen-Jubiläum feiert. Seit 1988 ist er in verschiedenen operativen und strategischen Funktionen bei der Arbeitsgemeinschaft für dezentrale Energieversorgung (ADEV) aktiv.

Den Sprung zum Vollzeitpolitiker verfehlte er, als ihn Thomas Weber (SVP) vor zwei Jahren vom Weg in die Baselbieter Regierung abdrängte. Nun organisiert sich Nussbaumer ein neues Berufsumfeld: Er übernimmt auf den 1. September die Stelle des Leiters Kommunikation bei der Swisspower AG.

Der Energiedienstleister im Besitz von 23 Schweizer Stadtwerken bündelt den Energieeinkauf und vertritt die Interessen seiner Aktionäre gemäss Leitbild auch auf politischer Ebene. Doch dafür wird nicht der Energiepolitiker Nussbaumer zuständig sein, sondern Urs Glutz, der Leiter Public Affairs. Glutz hat als Lobbyist einen direkten Zugang ins Bundeshaus, als Gast des Aargauer SVP-Nationalrats Hans Killer. Auch Killer ist wie Nussbaumer ein ausgewiesener Energiespezialist, steht als Verwaltungsrat des Kernkraftwerks Leibstadt politisch allerdings auf der diametral anderen Seite. Gemäss dem Swisspower-Geschäftsführer Ronny Kaufmann werde sich an der Personalie nichts ändern. Nussbaumer werde mit einer halben Stelle allein für die Kommunikation zuständig sein.

Auf Anfrage sorgt Nussbaumer für maximale Transparenz: Seine Einkünfte aus dieser beruflichen Tätigkeit werden 68 000 Franken betragen. Dass er eigentlich wenig von solchen Offenlegungen hält, macht er in einem aktuellen Beitrag auf seiner Homepage kund: «Meine Partei findet, dass ich die Einkünfte aus den beruflichen Tätigkeiten offenlegen sollte. Sie glaubt, dass bei Mitgliedern des Schweizer Parlaments ein Defizit an Transparenz vorliege. Ich teile diese Ansicht nicht, denn eigentlich liegt ein Defizit an Professionalisierung des Parlaments vor.» Nussbaumer fordert in diesem parteikritischen Statement ein «professionalisiertes Parlamentsmandat». Doch so lange dies nicht realisiert ist, braucht Nussbaumer einen Job; etwa als Pressesprecher der Swisspower AG.

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