Erstmals seit dreizehn Jahren hat das soziologische Seminar das Studentenleben in Basel wissenschaftlich untersucht. Die wesentlichste Erkenntnis der umfangreichen Untersuchung: Für die Studenten wird die Unabhängigkeit vom Elternhaus immer wichtiger. Nur ein Viertel aller 1500 befragten Immatrikulierten wohnt noch bei den Eltern. Die anderen ziehen für ihr Studium aus. Ein Drittel wohnt mit dem Partner, vierzig Prozent in einer Wohngemeinschaft. Kaum Probleme bereitet offenbar die Suche nach einer Unterkunft. Drei von vier Studenten finden innerhalb eines Monats ein Zimmer. Dies, obwohl Basel-Stadt schweizweit den tiefsten Bestand an Leerwohnungen hat (rund 0,3 Prozent). Für Soziologieprofessor Ueli Mäder, der die Arbeit begleitet hat, ist das ein «rätselhafter» Befund, zu dem «vertiefende Analysen nötig» seien. Ein Erklärungsansatz sei, dass viele Studenten aus der Region stammten und auf soziale Kontakte zurückgreifen könnten, die auf dem Wohnungsmarkt «bekanntlich» wichtig seien.

Bewusste Ernährung
Um sich ein eigenes Zuhause zu leisten, gehen die Studenten vermehrt einer bezahlten Arbeit nach. Ein Drittel kommt ganz ohne elterliche Unterstützung aus. Siebzig Prozent arbeiten während des Semesters und in der vorlesungsfreien Zeit. Das sind mehr als bei der Untersuchung von 2003. Auch das vermag zu überraschen, gelten doch seit der Bologna-Reform an der Universität strenge Präsenzpflichten. Mäder, der als Bologna-Kritiker gilt, hält das verschärfte Stipendienwesen für mitverantwortlich. Heute sei es bedeutend schwieriger geworden, an Ausbildungszulagen zu gelangen.

Zudem sind die materiellen Ansprüche der Studenten gestiegen: 94 Prozent verfügen über einen Internetanschluss und 36 Prozent ein eigenes Büro. Ausserdem kann beobachtet werden, dass sich die Studenten immer bewusster ernähren und dafür höhere Preise in Kauf nehmen. Lediglich jeder Zehnte gibt an, sich «vor allem» von Fertigprodukten zu ernähren. Über ein Drittel kauft hauptsächlich Bioprodukte, und mehr als siebzig Prozent geben an, «Wert auf saisonale und regionale Produkte» zu legen. Der Universität dürfte letztlich ein anderes Ergebnis die grösste Freude bereiten: 84 Prozent der Studierenden sind mit ihrer Situation in Basel insgesamt zufrieden.

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