Anita Fetz sagt, dass sie auf einen spannenden Wahlkampf hoffe. Doch die Basler SP-Ständerätin wird enttäuscht. Wie bereits bei den vergangenen nationalen Wahlen werden die Bürgerlichen wohl keinen ernsthaften Gegenkandidaten aufstellen. Sie haben nur einen Mann, der dafür infrage kommt: LDP-Regierungsrat Christoph Eymann. In der «Basler Zeitung» diktierte er die Bedingung, unter der er sich eine Ständeratskandidatur überlegen werde: die «geschlossene Unterstützung aller nicht grünen oder roten Parteien». Diese Unterstützung erhält Eymann nicht.

Das Problem beginnt bei den kleinen Mitteparteien. Die EVP stellt sich nicht hinter Eymann. Co-Präsident Christoph Wydler sagt: «Bei Majorzwahlen unterstützen wir generell nie Kandidaten anderer Parteien.» Ausserdem mache Anita Fetz ihre Arbeit «nicht schlecht». Die GLP ist unentschlossen. GLP-Präsident David Wüest-Rudin bestätigt: «Anita Fetz hat in gewissen Kreisen von uns auch Sympathien. Es war bemerkenswert, dass sie die Kandidatur von Martina Bernasconi unterstützt hat.» Die GLP-Frau revanchiert sich, indem sie nun die SP-Frau empfiehlt. Eymanns einziger Trost: Die in Basel bedeutungslose BDP verspricht ihm ihre Unterstützung.

Endgültig zurückziehen wird sich Eymann, wenn ihm bewusst wird, dass nicht einmal das bürgerliche Lager hinter ihm steht: Die Differenzen zwischen SVP und CVP verunmöglichen einen bürgerlichen Schulterschluss à la Baselland. Die Parteien beharren auf Bedingungen, die sich gegenseitig widersprechen.

SVP-Präsident Sebastian Frehner sagt: «Es ist für mich schwer vorstellbar, dass die SVP bei den Ständeratswahlen einen Kandidaten einer bürgerlichen Partei unterstützt, die mit uns bei den Nationalratswahlen keine Listenverbindung eingeht.» Man könne doch nicht bei den einen Wahlen die gemeinsamen politischen Werte betonen und bei den anderen Wahlen sagen, dass eine Zusammenarbeit nicht möglich sei, weil man zu weit voneinander entfernt sei: «Das wäre unglaubwürdig.»

Mit anderen Worten: Die LDP müsste bei den Nationalratswahlen eine Listenverbindung mit der SVP eingehen. Die LDP befürwortet diese, stellt aber ebenfalls eine Bedingung: Es muss eine breite Allianz geben. Diese wiederum verhindert die CVP, weil diese befürchtet, dass ihr Nationalrat Markus Lehmann darin untergeht. Präsidentin Andrea Strahm sagt: «Eine grosse Allianz bei den Nationalratswahlen mit der SVP ist nicht wahrscheinlich.»

Die CVP kann sich allenfalls vorstellen, der SVP bei den Regierungswahlen 2016 entgegenzukommen. Im gleichen Atemzug sagt Strahm aber: «Ein valabler SVP-Kandidat ist allerdings immer noch nicht in Sicht.»

Die Situation im bürgerlichen Lager ist verfahren wie vor vier Jahren. Damals einigten sich die bürgerlichen Parteipräsidenten zuerst auf eine gemeinsame Ständeratskandidatur von Frehner. Als jedoch die CVP-Basis die Gefolgschaft verweigerte, zerbrach die Allianz. Die FDP schickte darauf ihren Parteipräsidenten Daniel Stolz ins Rennen. Die Wahl endete als Schlappe. Stolz holte 13 und Frehner 20 Prozent der Stimmen. Fetz triumphierte mit 63 Prozent.

Nach den Wahlen 2012 kündigten die Parteien an, künftig zusammenzuarbeiten und eine breite Allianz zu schmieden. Bei einigen Sachgeschäften kam diese Allianz tatsächlich zustande. Sie schuf Mehrheiten, die Nein sagten zum Budget, Nein zu Unterflurcontainern und Nein zum Erlenmatt-Tram. Einig ist sich das bürgerliche Lager zwar auch beim Nein zu Anita Fetz. Doch sobald ein gemeinsames lautes Ja verlangt wäre, will der bürgerliche Schulterschluss nicht mehr gelingen.

LDP-Präsidentin Patricia von Falkenstein ist enttäuscht. Sie sei davon ausgegangen, dass eine Einigung bis im Januar gefunden sei. Nun sagt sie zu den Nationalratswahlen: «Ich habe meine Illusionen etwas verloren. Derzeit gehe ich davon aus, dass es die gleichen Allianzen geben wird wie vor vier Jahren.»

Bereits wird an Plan B gearbeitet. Frehner könnte sich unter einer Bedingung vorstellen, sich auch ohne wahlübergreifender Allianz hinter einen gemeinsamen Kandidaten zu stellen: wenn dieser parteilos wäre. Strahm nennt eine Alternative: «Falls Christoph Eymann nicht antritt, würden wir auch Daniel Stolz unterstützen.» Patricia von Falkenstein bleibt beharrlich: «Wenn jemand eine Chance hat, dann Christoph Eymann. Obwohl das so einfach ist, leuchtet es offenbar noch nicht allen bürgerlichen Parteien ein.»

Zumindest Anita Fetz leuchtet es ein. Gegen Eymann wäre der Wahlkampf spannend. Ohne ihn wird die Ständeratswahl wieder zur Alibi-Übung.

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