Bald startet in vier Kantonen ein Pilotprojekt – darunter auch in Baselland –, wo erste vorläufig aufgenommene oder anerkannte Flüchtlinge für einen anständigen Lohn auf Bauernhöfen arbeiten sollen.

Wie das Projekt genau ausgestaltet sein wird, werden die Initianten am kommenden Mittwoch an einer Pressekonferenz kommunizieren. Diese wird auf dem Hof der Familie Eschbach in Füllinsdorf stattfinden. Der Ort ist nicht zufällig gewählt, «Eschbach Gemüsebau» ist einer der grössten Gemüseproduzenten der Region – und die Betreiber tun das, was schweizweit eingeführt werden soll, bereits seit 23 Jahren: Sie beschäftigen regelmässig Menschen, die in die Schweiz geflüchtet sind.

Bäuerin Margret Eschbach sagt: «Für uns ist die Integration von Flüchtlingen in den Betrieb ein Herzensanliegen.» Der bürokratische Aufwand bei der Anstellung eines in der Schweiz wohnhaften Flüchtlings sei grösser als bei einem EU-Bürger aus dem Ausland. Seien die Flüchtlinge aber erst einmal auf dem Hof, spiele die Herkunft keine Rolle mehr. Angestellt werden die Flüchtlinge zu einem Vollzeitpensum für je ein halbes Jahr, «um die Spitzen abzudecken». So hätten über die Jahre bereits 50 bis 60 Flüchtlinge im Betrieb gearbeitet, sagt Bauer Andreas Eschbach. Drei oder vier hätten inzwischen sogar unbefristete Verträge erhalten, als eine Stelle frei wurde. Der Schweizer Bauernverband hofft nun, dass das Beispiel Eschbach Schule macht. Er wird bei der Realisierung des neuen Projekts finanziell vom Bund unterstützt, der ausserdem plant, die administrativen Hürden für die Anstellung von Flüchtlingen abzubauen. Nun gilt es, die Landwirte darauf hinzuweisen, dass sie Flüchtlinge anstellen können. Andreas Eschbach kommt dabei die Rolle des Botschafters zu. Zumindest unter Flüchtlingen ist sein Engagement bereits sehr bekannt. Es habe sich herumgesprochen, dass er Arbeit zu vergeben habe.

Verantwortlich für das Projekt ist indirekt die SVP. Gemäss Masseneinwanderungsinitiative (MEI) soll bei der Vergabe von Stellen künftig erst das «inländische Arbeitskräftepotenzial» ausgeschöpft werden, bevor ausländische Arbeitnehmende angestellt werden dürfen. Zum Inländerpotenzial gehören auch Flüchtlinge, sofern sie «vorläufig aufgenommen» oder «anerkannt» sind.

Landwirte sind auf Saisonniers angewiesen. Jedes Jahr benötigen sie 25 000 bis 35 000 ausländische Arbeitskräfte. Da die Landwirtschaft stark von der drohenden Kontingentierung im Zuge der MEI betroffen ist, hat der Bauernverband eins und eins zusammengezählt und ist beim Staatssekretariat für Migration auf offene Ohren gestossen.

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