Es war ein Morgen wie jeder andere. So dachte es Marianne Zibold* zumindest. Sie drehte mit ihrem Bello* eine Runde im Schlosspark Binningen. Plötzlich gab die Leine einen Ruck, und der Hund verschwand unter einem Busch. «Als er wieder rauskam, sah ich noch, wie er etwas runterschluckte.» Beunruhigt war Zibold danach nicht. «Bello ist wie so viele Hunde ein Staubsauger. Der frisst alles, was so rumliegt.» Das, was der neunjährige Bello vor zwei Wochen verschlang, sollte ihn aber fast das Leben kosten.

In der Nacht nach dem Vorfall begann Bello zu erbrechen. Durchfall hatte er auch. Nachdem es dem Hund nach zwei Tagen nicht besser ging und er gar Blut erbrach, liess Zibold ihrem Liebling beim Tierarzt ein Mittel gegen Erbrechen spritzen. «Der Arzt nahm an, dass mein Hund eine Magendarmgrippe hat», sagt Zibold. Ein paar Tage lang ging es Bello tatsächlich besser.

Mitte diese Woche kam dann aber das böse Erwachen: Der Hund fiepte ununterbrochen und zitterte am ganzen Körper. Das Tier musste höllische Schmerzen erlebt haben, wie ein Röntgenbild beim Tierarzt wenig später zeigte: Sowohl in Bellos Magen als auch in seinem Dünndarm hatte sich je eine halbierte Rasierklinge festgesetzt. Der behandelnde Tierarzt Matthias Volkert von der Praxis Mahnke in Giebenach sagt: «Das ist ein krasser Fall, er macht mich sehr betroffen. Traurig, dass ich so etwas erleben musste.» Das Tier wurde notoperiert, Volkert berichtet von Verletzungen im Magen und Darm, «der Hund hatte viel Glück». Für den Tierarzt ist die Sache klar: «Bello muss einen mit diesen Klingen präparierten Köder gefressen haben, eine Wurst oder Ähnliches.»

Giftköder in Reinach
In der Schweiz werden von unbekannten Hundehassern immer wieder mit Gift, Rasierklingen oder anderen spitzen Gegenständen versetzte Köder ausgelegt. Zuletzt wurden Mitte Juli in Reinach direkt neben einem Robidog-Kübel Hackbällchen mit giftigem Pulver gefunden, nun die Attacke mit den Rasierklingen in Allschwil.

Meinrad Stöcklin, Sprecher der Baselbieter Polizei, sagt: «Weitere mit Binningen vergleichbare Fälle sind uns bis zur Stunde nicht bekannt. Allfällige Geschädigte sind gebeten, sich bei uns zu melden.» Die Patrouillentätigkeit intensivieren wolle die Polizei nun aber nicht. «Wir schenken dem Thema die nötige Beachtung im normalen Rahmen.» Die Tierbesitzer seien um Sensibilität und umgehende Meldung gebeten, wenn etwas festgestellt werde. Ob es sich bei den Giftködern in Reinach und dem jüngsten Vorfall in Binningen um dieselbe Täterschaft handeln könnte, ist nicht klar.

Marianne Zibold hat unterdessen Anzeige gegen unbekannt erstattet. Zwar geht es Bello inzwischen deutlich besser. Doch der Schock sitzt tief: «Was will dieser armselige Täter bewirken?», fragt sich die Hundebesitzerin. Zibold betont, dass sich nahezu sämtliche Hundehalter im Binninger Schlosspark an die Regeln halten würden. Heisst: Kot auflesen und den Hund an der Leine halten. «Klar gibt es Ausnahmen. Solche fehlbaren Halter werden von uns sofort ermahnt», sagt Zibold. Sie hat andere Hundebesitzer in der Umgebung bereits gewarnt, und Bello will sie nun an der kürzeren Leine halten. Sie überlege sich sogar, ihm einen Maulschutz zu basteln für die Spaziergänge im Schlosspark. «Wenn ich jetzt mit Bello dorthin gehe, habe ich immer ein mulmiges Gefühl.» Zibold will jetzt öfters in den Wald spazieren gehen.

*Namen der Redaktion bekannt.

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