Von Valentin Kressler

Seit einem halben Jahr ist Gabriel Barell Direktor des Basler Gewerbeverbands. Unter dem früheren Basler Standortleiter der Valiant-Bank trat der Wirtschaftsverband bis anhin um einiges unscheinbarer auf als unter seinem wirbligen Vorgänger Peter Malama und überliess die Schlagzeilen der Baselbieter Wirtschaftskammer. Böse Zungen behaupteten schon, Barell wende mehr Zeit auf für das Präsidium des Rotary Clubs Bottmingen/Birseck.

Seit Anfang Jahr gibt Barell Gas. Am Neujahrsempfang des Gewerbeverbands im Theater Basel kündigte er gleich zwei neue Projekte an: Eine Gewerbe-Stiftung soll das Wohl des Gewerbes fördern, ein Campus Unternehmertum talentierte Lehrlinge unterstützen. Ebenfalls im Januar hat er den Lead beim Verkehrskonzept Innenstadt von den Regierungsräten Hans-Peter Wessels (SP) und Baschi Dürr (FDP) übernommen. Um das bei vielen Gewerblern verhasste Verkehrskonzept aufzuweichen, spannte er mehrere Grossräte von links bis rechts ein.

Nun will Barell auch in der Energiepolitik mitmischen. Hinter den Kulissen hat der Gewerbeverband ein weiteres Projekt vorangetrieben: Energie-Impulse Region Basel. Ende dieser Woche wurde die Stelle eines Projektleiters offiziell ausgeschrieben. Der Posten ist zwar beim Gewerbeverband angegliedert. Getragen wird das Projekt aber auch von den Industriellen Werken Basel und dem Basler Amt für Umwelt und Energie. Die drei Träger und die künftigen Projektpartner übernehmen die Anschubfinanzierung von jährlich 360 000 Franken für eine zweijährige Pilotphase. Danach wird entschieden, ob das Projekt weitergeführt wird.

Um was geht es konkret? Der Gewerbeverband bezeichnet Energie Impulse Region Basel als «Umsetzungsplattform» für Projekte zur Förderung der Energie- und Ressourceneffizienz sowie der erneuerbaren Energien. «Unsere Intention ist, die Energiewende proaktiv anzugehen und das Thema Cleantech im Gewerbe zu verankern», sagt Barell auf Anfrage der «Schweiz am Sonntag». «Das bietet auch neue Marktchancen für die KMU.»

Mit Energie-Impulse Region Basel sollen jährlich zwei bis fünf «konkrete und nachahmbare» Projekte für und von KMU unterstützt werden. Ein Beirat, bestehend aus Fachleuten der Träger sowie externen Spezialisten, bestimmt, welche Projekte realisiert werden. Als mögliches Beispiel nennt Barell die Förderung des Einsatzes von Öko-Fahrzeugen für Gewerbler, die auch in der verkehrsfreien Innenstadt verkehren dürfen.

Die Offensive des Gewerbeverbands im Cleantech-Bereich hat einen langen Vorlauf. Barells Vorgänger Malama hatte sie erstmals im Oktober 2011 erwähnt. Just zu einem Zeitpunkt, als die Wirtschaftskammer Baselland mit der Nachfolgeregelung ihres langjährigen Direktors Hans Rudolf Gysin lahmgelegt war. Malama sprach damals gar von der Gründung eines neuen Branchenverbands für jene Unternehmen, «die Nachhaltigkeit in ihrer Unternehmensstrategie festgeschrieben haben und dies auch umsetzen wollen». Dass das Projekt nun erst zweieinhalb Jahre später in die Realisierungsphase tritt, hängt mit Malamas Tod im September 2012 und der Neubesetzung des Direktorenpostens zusammen. Der Gewerbeverband benötigte zudem viel Zeit, um die Finanzierung sicherzustellen.

Barell hatte bereits im April 2013, bei seiner Präsentation als neuer Gewerbedirektor, verlauten lassen, er wolle die fortschrittliche Energiepolitik Malamas vor allem im Cleantech-Bereich weiterführen. Malama sass im Vorstand von Swisscleantech. Der nationale Verband, der sich einer «nachhaltigen und liberalen Wirtschaftspolitik» verschrieben hat, ist über die Pläne des Gewerbeverbands informiert, aber nicht involviert.

Der Gewerbeverband wildert auch auf fremdem Territorium. Energie-Impulse Region Basel ist, wie es der Name besagt, nicht auf den Kanton Basel-Stadt beschränkt. Unterstützt werden sollen auch Projekte in Baselland. «Bei unserer Strategie, die Energiewende proaktiv anzugehen, wäre es nicht sinnvoll, wenn wir uns nur auf die Stadt fokussieren würden», sagt Barell.

Die Wirtschaftskammer Baselland reagiert gelassen auf die Offensive des Basler Gewerbeverbands. Es sei legitim, dass ein kantonaler Dachverband versuche, mit Projekten neue Mitglieder zu akquirieren, hält Direktor Christoph Buser gegenüber der «Schweiz am Sonntag» fest. Die Energiepolitik sei eines der Schwerpunktthemen der Wirtschaftskammer, so Buser. Seit der Lancierung des Baselbieter Energiepakets 2010 sei der Verband ein strategischer Partner des Förderprogramms für Gebäudesanierungen und haustechnische Optimierungen. Die Aufträge, die das Paket auslösen, würden zu drei Vierteln von KMU aus dem Kanton Baselland ausgeführt.

Dass Buser weiterhin derart entspannt reagiert, wenn Barell mit seinem Projekt in Baselland Erfolg haben sollte, darf indes bezweifelt werden.

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