Fussballfelder statt Wagenplatz

Der Wagenplatz ist durch die Hafenbahn vom Quartier getrennt – und soll einer Grünfläche weichen. Foto: Martin Töngi

Der Wagenplatz ist durch die Hafenbahn vom Quartier getrennt – und soll einer Grünfläche weichen. Foto: Martin Töngi

Die illegale, aber geduldete Wagenburg soll zwei Fussballfeldern Platz machen. Diesen Überraschungscoup will die Regierung präsentieren.

Die Nervosität ist spürbar. Der Umgang mit der Wagenburg im Niemandsland des weiten Hafengeländes ist ein Politikum. Die halbmobile Barackensiedlung ist bloss geduldet, bis eine amtlich bewilligte Zwischennutzung gefunden ist. Die Fronten verlaufen quer durch die Parteien: Aktivisten finden Unterstützung für eine längere Verweildauer in einem breiten politischen Spektrum und ein ebenso politisch breit abgestütztes Spektrum möchte den Wagenplatz lieber schon heute als erst morgen geräumt sehen.

An ihrer übernächsten Sitzung soll die Basler Regierung nun eine Entscheidung fällen. Gemäss Recherchen der «Schweiz am Sonntag» liegen seit einiger Zeit verschiedene Projekte und Pläne vor, die aber offenkundig alle nicht richtig überzeugen konnten. Entsprechend ausweichend fiel noch diese Woche im Grossen Rat die Antwort auf eine Interpellation von Elias Schäfer (FDP) aus. Dieser wollte wissen, was auf dem ehemaligen Migrol-Areal im Hafen Klybeck nun eigentlich geplant sei. Die Regierung antwortete: «Der Prozess der Auslobung geeigneter Zwischennutzungsorganisationen ist noch nicht abgeschlossen.»

Doch die Antwort ist überholt. Verwaltungsintern ist nun die Rede von einer «genialen» Idee, die gefunden worden sei: Dem Vernehmen nach handelt es sich um den Bau zweier Fussballfelder.

Eine offizielle Bestätigung ist dafür vor dem Regierungsentscheid nicht zu erhalten. Angefragte Verwaltungsstellen verweisen jeweils an das nächste Amt.

Die Fussballplatz-Idee würde verschiedenen Regierungsräten dienen: Allen voran Guy Morin (Grüne), dessen Präsidialdepartement bisher floppte, im Bemühen, überzeugende Projekte vorzustellen, und dessen Projektleiter Oliver Wyss sich in der entscheidenden Phase für einen Auslandaufenthalt von einem halben Jahr entschieden hat. Gedient wäre mit einem solchen Projekt auch der Finanzdirektorin Eva Herzog (SP), der als Chefin von Immobilien Basel die Verantwortung für das Grundstück zugeschoben worden ist. Es wäre auch die Forderung von Polizeidirektor Baschi Dürr (FDP) erfüllt, der gegenüber seinen Regierungskollegen deklariert hatte, er lasse seine Polizisten nur dann zur Räumung aufmarschieren, wenn unmittelbar danach die Bagger auffahren würden, um ein konkretes Projekt zu realisieren.

Einen Nutzen hätte selbst Erziehungsdirektor Christoph Eymann (LDP), in dessen Kompetenzbereich Sportanlagen fallen. Da das Ackermätteli an der Altrheinstrasse zunehmend für Schulzwecke und für weitere Schulpavillons gebraucht wird und als Spielfläche für das Quartier minimiert wird, wäre eine Grünfläche auf der anderen Seite der Hafenbahn ein willkommener Ausgleich.

Spielfelder am Rheinufer könnten von der Basler Regierung deshalb als Entgegenkommen an das Quartier verkauft werden. Eine aktuelle Petition der Wohngenossenschaft Klybeck bietet dazu die Steilvorlage. 340 Klybecker klagen darin, «der Mangel an Grün- und Erholungszonen ist im Klybeck noch ausgeprägter als im restlichen Kleinbasel». Ihre Idee: eine Passerelle über die Rangiergleise der Hafenbahn von der Inselstrasse an den Klybeckquai.

Die Grossrätin Heidi Mück (Basta) hat diese Woche das Anliegen einer Passerelle mit einem eigenen Anzug noch unterstützt. Sie fragt die Regierung, was denn ein solcher Zugang vom Quartier an den Rhein kosten würde. Allerdings meinte Mück damit vor allem einen besseren Zugang zu den Angeboten der Zwischennutzer – und nicht den Zugang zu zwei Fussballfeldern.

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