Die Alt- und bald Alt-Regierungsräte Carlo Conti (CVP) und Christoph Eymann (LDP) prägen die Basler Politik auch nach ihren Rücktritten. Ihre Sippen führen das politische Erbe in der Lokalpolitik weiter, während die Familienoberhäupter ihren Einfluss im Nationalrat oder in Verwaltungsräten ausbauen.

Eymanns familiäres Umfeld tritt auf der LDP-Liste mit einer Viererdelegation für den Grossen Rat an. Dabei trifft Ehefrau Corinne Eymann auf Ex-Frau und Parteipräsidentin Patricia von Falkenstein. Corinne Eymann sagt: «Wir haben ein sehr entspanntes Verhältnis.» Sie sei schon vor der Hochzeit politisch interessiert gewesen, doch wegen des Berufs ihres Mannes habe sie sich bisher zurückgehalten. Als Politikerin würde sie anders auftreten als ihr Gatte: «Von meinem Naturell her bin ich direkter als er, weniger diplomatisch.» Im Stil positioniert sie sich somit zwischen Christoph und seinem polternden Bruder Felix Eymann, der erneut kandidiert und der Vater der Baselbieter FDP-Politikerin Stephanie Eymann ist. Flankiert werden die Eymänner im Basler Wahlkampf von zwei weiteren Frauen aus Patricia von Falkensteins Familie: Tochter Annina und Schwägerin Martina.

Während die Tochter von Christoph und Corinne Eymann noch nicht wählbar ist, haben zwei der drei Conti-Kinder die Einladung der CVP angenommen: Tiziana (27) und Elio Conti (24) wollen Grossräte werden. Zur Seite steht ihnen einer der engsten Mitarbeiter ihres Vaters: Contis früherer Mediensprecher Jürg Diezig. Das Trio hat dank der prominenten Beziehungen eine gute Ausgangslage. Alle drei gehören zum kleinen Kreis von neuantretenden Kandidaten, denen der Gewerbeverband eine Spezialkampagne finanziert.

Die Dominanz der Strahms
CVP-Präsidentin Andrea Strahm hat bei der Kandidatensuche gezielt bei Politikerfamilien angeklopft. Sie sagt: «Wir haben gerne Leute auf der Liste mit bekannten Namen. Wir versuchen immer, die Jungen nachzuziehen.» Von ihrer eigenen Tochter Melina erhielt sie jedoch eine Absage. Immerhin konnte sie ihr kürzlich zu einem Richteramt verhelfen. Erfolgreicher war Andrea Strahms Bruder: LDP-Grossrat Thomas Strahm konnte sowohl seine Ehefrau Nicole wie auch Tochter Adrienne zu einer LDP-Kandidatur bewegen. Adrienne Strahm kandidierte bereits für den Nationalrat und wurde von «20 Minuten» zur schönsten Basler Politikerin gekürt. Ernsthafte Ambitionen hegt sie keine: Da sie wie ihre Cousine Melina per 1. Juli zur Richterin gewählt wurde, dürfte sie das Grossratsmandat gar nicht annehmen. Dieses Prinzip der Gewaltentrennung steht dank einer Initiative von Jungpolitikern seit fünfzig Jahren in der Kantonsverfassung.

Bereits doppelt vertreten im Parlament sind die Gallacchis (CVP) mit Pasqualine und ihrem Cousin Remo, dessen Vater Enrico ebenfalls im Grossen Rat sass und dessen Ehefrau Silvia für eine Kandidatur im Gespräch steht. Falls sie sich dagegen entscheidet, könnten die Gallacchis von den Schais überholt werden: Neben der amtierenden CVP-Grossrätin Helen Schai treten Marina (36) und Flavia (34) an. Nicht mehr dabei ist alt Grossratspräsident Peter Schai, natürlich ebenfalls CVP.

Für volle Listen sorgen ausserdem CVP-Grossrat Christian Griss mit Tochter Vera Griss und die zurückgetretene LDP-Politikerin Christine Wirz-von Planta mit Cousine Annina von Planta. Aktiv bleibt auch das CVP-Paar Inglin: Oswald als Grossrat und Beatrice als Ombudsfrau. Nur die drei Inglin-Kinder sucht man auf den Wahllisten vergebens.

Unverbindlichkeit als Programm
Die Stammbäume von CVP und LDP stellen jene der anderen Parteien in den Schatten, weil ihre Programme den grössten Interpretationsspielraum lassen. Jeder darf machen, was er will – wie in einer guten Familie. CVP-Präsidentin Andrea Strahm gehörte in ihrer Jugend zur AJZ-Bewegung, stuft sich heute aber als politisch rechter ein als ihre Tochter. In der CVP haben beide Platz. Nicht einmal das C ist Pflicht. Mutter und Tochter bezeichnen sich als atheistisch.

In der FDP würden die nach rechts und links abweichenden Positionen von Felix und Christoph Eymann für Ärger sorgen. In der LDP hingegen pflegt man zu sagen: «Wir sind eben liberal.» Präsidentin von Falkenstein drückt beide Augen zu, wenn ihr Ex-Mann politisch bei den Linken und sein Bruder bei der SVP fremd geht.

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