Eine böse Überraschung erwartete eine Oberbaselbieter Imkerin an diesem Frühsommertag im vergangenen Jahr. Ihre Bienen, die sich in all den Jahren durch Überlebensfähigkeit ausgezeichnet hatten, waren über Nacht dahingerafft worden. 13 ihrer Bienenvölker waren verendet. Dank dem Sissacher Bieneninspektor konnte die mutmassliche Schuldige schnell ausgemacht werden: die Firma International Environmental Services (IES). Sie ist seit 2008 in Witterswil stationiert und führt im oberen Baselbiet sowie im Leimental Feldversuche zur Bienenverträglichkeit von Pestiziden durch. Der Verdacht: Die Phazelien, die mit dem Pflanzenschutzmittel eingesprüht werden, ziehen nicht nur die firmeneigenen Bienen an. Sie lassen die benachbarten Imker unfreiwillig am Pestizidversuch teilnehmen.

Die Imkerin, die weder ihren Namen noch ihren Wohnort in der Zeitung lesen will, wurde mit einem satten Geldbetrag mild gestimmt. Als eine von zwei Bienenzüchtern erhielt sie von der Firma eine finanzielle Entschädigung. Sie versprach der IES, dass sie die Entschädigungszahlungen diskret behandelt. Damit sollen Begehrlichkeiten von anderen betroffenen Imkern verhindert werden. Die Bienenzüchterin hat ohnehin kein Interesse daran, dass die IES in der Öffentlichkeit kritisiert wird. Der benachbarte Bauer, mit dem sie gut befreundet ist, kann sein Land für gutes Geld an die IES verpachten.

Recherchen zur Schädlichkeit dieser Pestizidversuche gestalten sich schwierig. Über die Entwicklung des Bienenbestands und des Bienensterbens im oberen Baselbiet und im Leimental sind keine genauen Zahlen verfügbar. Marcel Strub, Leiter Fachstelle Bienen betont, dass es «kaum möglich» sei nachzuweisen, ob Pestizidversuche zum Tod eines Bienenvolks geführt hätten.

Zur Transparenz trägt auch nicht bei, dass sich die IES über die Details ihrer Versuche ausschweigt – und sich dabei in Widersprüche verstrickt. Zunächst dementiert Firmenchef Uwe Morgenroth, dass bei den Pestizidversuchen Bienenvölker von benachbarten Imkern betroffen seien. Erst auf Nachfrage räumt ein Mitarbeiter ein, dass in zwei Fällen Entschädigungen geleistet worden seien. Der «eindeutige Hinweis» fehle allerdings, dass die Firma für die Schäden verantwortlich sei.

Viele Imker erheben den Vorwurf, dass sie kaum Informationen zu den Feldversuchen bekommen. Eine entsprechende Aussprache zwischen Bienenzüchtern und einem IES-Führungsmitglied habe kaum Verbesserung gebracht. Ein IES-Abteilungsleiter widerspricht: «Wir stehen in Austausch mit den kantonalen Behörden und den Bieneninspektoren. Sie können sicherlich nachvollziehen, dass wir nicht jeden einzelnen Imker von Tür zu Tür informieren können.» Der oberste Bieneninspektor ist offenbar nicht Teil dieses Austauschs. Wo die Versuche der IES zurzeit stattfinden, weiss Marcel Strub nicht. Er sagt: «Die Kommunikation könnte sicher besser sein.»

Dass das Geschäftsgebaren der IES jetzt an die Oberfläche gerät, dürfte kein Zufall sein. Jürg Wiedemann, Landrat der Grün-Unabhängigen, hat ein Postulat eingereicht, in dem er sich auf die Aussagen «einer kantonalen Bieneninspektorin» stützt. Er prangert die undurchsichtigen Praktiken der IES an. Was der Birsfelder in seinem Vorstoss verheimlicht: Die kantonale Bieneninspektorin ist Marie-Louise Rentsch, die wie Wiedemann auf der Nationalratsliste der Grün-Unabhängigen kandidiert.

Rentsch tritt im Kampf gegen die IES als Chefanklägerin an. «Es ist unmöglich, bei der IES Auskunft über die Versuche zu erhalten», klagt Rentsch. Sie vermutet, dass alleine im Oberbaselbiet 1000 Bienenvölker und 130 Imker von den Versuchen der IES betroffen seien. Von dieser Schätzung hält ausgerechnet ihr Vorgesetzter wenig. «Ich wäre bei der Beurteilung der Versuche von IES sehr vorsichtig», sagt Strub. «Wir haben seit Jahren keine Hinweise darauf, dass es mehr Winterverluste gibt.» Den Wahlkampf der Grün-Unabhängigen will er zumindest in der Öffentlichkeit nicht kommentieren.

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