Lange führten die Basler Juden ein ziemlich sorgloses Leben. Das Jüdische Museum an der Kornhausgasse verzichtete bis vor zwei Jahren auf Sicherheitsleute. In jüdischen Museen in anderen Ländern wäre das undenkbar. Hier hingegen fristen die drei Ausstellungsräume ein kaum beachtetes Dasein, und das seit Jahrzehnten. 1996 bezeichnete die «Basler Zeitung» das Museum als «gestalterisch nicht mehr zeitgemäss». Sein 30-jähriges Bestehen feiere die Institution so «still und bescheiden, wie sich das Museum seit seiner Gründung im Jahre 1966 verhält».

Pomp ist auch im nächsten Jahr nicht zu erwarten, wenngleich das Jüdische Museum doppelten Grund zur Freude hätte. Zum einen feiert die Israelitische Gemeinde 150 Jahre Emanzipation. Seit 1866 sind die Juden in der Schweiz rechtlich gleichgestellt. Zum anderen jährt sich die Gründung des einzigen jüdischen Museums der Schweiz zum 50. Mal. Das Rahmenprogramm ist bescheiden. Als einen Höhepunkt des Jubiläumsjahrs nennt Nadine Guth Biasini, Präsidentin des Jüdischen Museums, eine Fotoausstellung mit dem Namen «150 Jahre Gleichberechtigung» sowie verschiedene Kinderveranstaltungen im Sommer.

Kurz: Die Juden sind auch im Jubiläumsjahr um Diskretion bemüht. Geprägt haben sie die Attentate mit antisemitischen Motiven. Nach den Anschlägen auf das Jüdische Museum in Brüssel sowie den Attentaten in Paris und Kopenhagen habe man «in Absprache mit anderen jüdischen Einrichtungen der Schweiz» die Sicherheitsvorkehrungen erhöht, sagt Guth. Erstmals in der 49-jährigen Geschichte heuerte das Jüdische Museum vergangenes Jahr Studenten und Security-Leute an, um die täglich zehn bis zwanzig Besucher zu kontrollieren. Das verbesserte Sicherheitsgefühl kam die Einrichtung teuer zu stehen. Statt dem Gewinn, den man im Vorjahr eingefahren hatte, resultierte Ende 2014 ein satter Verlust von über 100 000 Franken. Für das Jubiläumsjahr hat der Verein nochmals knapp 20 000 Franken mehr für das Sicherheitspersonal budgetiert.

Den Antrag auf eine Subventionserhöhung von 80 000 Franken auf 150 000 Franken jährlich schlug die Regierung diese Woche aus. Die «finanzpolitischen Rahmenbedingungen» liessen dies nicht zu. Für die Juden unverständlich. Guy Rueff, Präsident der Israelitischen Gemeinde Basel, sagt: «Die allermeisten von uns Juden sind in der Schweiz aufgewachsen und in die Gesellschaft integriert.» An den Staat appelliert er deshalb, sich mehr um den Schutz der Minderheiten zu kümmern. «In St- Louis stehen Armeeangehörige vor den Synagogen, und wir müssen selber für unsere Sicherheit sorgen.»

Noch ist die jüdische Welt in Basel heil. Die rund 2000 Juden würden kaum je auf offener Strasse angefeindet. Antisemitische Mails landen so gut wie nie in Rueffs Postfach. «Doch Attentäter künden sich nie an», gibt er zu bedenken. Unter besonderer Beobachtung steht deshalb bereits seit fünf Jahren die Synagoge. Gemeindemitglieder investierten 2010 insgesamt 300 000 Franken in ein verbessertes Sicherheitskonzept. Vor dem Gebäude wurde ein Gitter aufgestellt, die Evakuierungspläne wurden überarbeitet und Kameras aufgestellt. Bis heute wurden die Sicherheitskosten für die Synagoge jährlich erhöht. Und vor hohen jüdischen Feiertagen lädt die Gemeinde die Polizei zum Essen ein, um über das Sicherheitskonzept zu beraten. In den vergangenen Jahren ein-, zweimal jährlich. Auch hier, sagt Rueff: «Tendenz steigend.» Dass man selbst in einem Museum Angst haben müsse, sei eine besorgniserregende Tendenz.

Während Rueff deutliche Worte wählt, übt sich das Jüdische Museum weiter in Diskretion. Nachdem man bei der Regierung aus Sicherheitsgründen um eine Verdoppelung der Subventionen gebeten hatte, meidet Vereinspräsidentin Guth Biasini nun jegliche Fragen zum Sicherheitsdispositiv. «Im Umfeld des Jüdischen Museums ist nichts vorgefallen. Die Mitarbeiter des Museums fühlen sich sicher.» Das bisschen Bauchweh soll ihr die Feierlaune nicht verderben.

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